„Die Relativitätstheorie der Liebe“: Jeder Topf findet seinen Deckel

„Die Relativitätstheorie der Liebe“ ist eine solide Komödie mit den wandlungsfähigen Olli Dittrich und Katja Riemann. Ob sich der Weg ins Kino lohnt? Hier unsere Filmkritik und der Kinotrailer:

Spritzschutzvorrichtung. Die deutsche Sprache bietet viele hübsche Worte, an denen Menschen wie Youssef trotz aller Bemühungen scheitern. Jedes Mal wieder. Wozu braucht man eigentlich eine solche? Schließlich verkauft Youssef aus dem Libanon seine Falafel bestens ohne Spritzschutzvorrichtung. Das allerdings sehr zum Missfallen von Peggy, einer Kontrolleurin des Ordnungsamtes Berlin-Neukölln, die Youssefs Bude an der Sonnenallee am liebsten auf der Stelle schließen möchte. Zumindest so lange, bis der Brillenträgerin Peggy mit dem leichten Überbiss und dem schnauzbärtigen Gastronom die Liebe dazwischen kommt – allen Fährnissen des Alltags zum Trotz.

Auch in den Episoden der anderen vier Pärchen in „Die Relativitätstheorie der Liebe“, die sich in locker miteinander verbundenen Geschichten neu oder erneut verlieben, schlägt Amor aus heiterem Himmel zu: Zack, bumm, krach – schon lächeln sich der hauptberufliche Samenspender und die Seifenoperndarstellerin verliebt an.

Mag der von Otto Alexander Jahrreiss inszenierte Liebesreigen noch so fernsehgerecht arrangiert sein – kurzweilig ist „Die Relativitätstheorie der Liebe“ allemal. Das liegt weniger an den harmlos-launigen Dialogen, sondern vor allem an dem beeindruckend nuancierten, variantenreichen Spiel von Olli Dittrich und Katja Riemann, die alle Frauen- beziehungsweise Männer-Rollen spielen.

Man muss schon genau hinschauen, um in der nicht mehr taufrischen, aber immer noch glutäugigen Kettenraucherin aus Venezuela die Darstellerin aus Filmen wie „Die Apothekerin“ oder „Abgeschminkt“ zu erkennen. Selbst Margarethe von Trotta konnte in „Rosenstraße“ nicht so viele unterschiedliche Facetten aus Riemann herauskitzeln wie Jahrreiss in seiner sympathisch unprätentiösen Produktion, die gar nicht mehr sein möchte als eine grundsolide Liebeskomödie mit gutem Timing.

Wenn man sich alle Verkleidung wegdenkt, ist hinter dem PR-Mann Frieder, dem Fahrlehrer Paul oder dem Esoterik-Guru stets der sehr wandlungsfähige Herr Dittrich zu erkennen. Das erinnert im Idealfall an seinen Dittsche aus der höchst originellen, Grimme-Preis dekorierten WDR-Serie – und in den weniger geglückten Momenten an die Werbespots für einen Elektromarkt. Was wiederum wenig verwundert, da bereits bei diesen Spots mit Olli Dittrich Otto Alexander Jahrreiss Regie führte.

Ulrike Frick

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