Katastrophe vor der Leinwand

Liebe Streaming-Zombies: Eure Kinosessel sind keine Netflix-Couch!

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Alle quatschen, was das Zeug hält - nur einer (rechts) ist offenbar gekommen, um den Film zu genießen.

Netflix und Co. erobern Deutschland. Aber leider nicht nur die Wohnzimmer, sondern auch die Kinos. Viele Streaming-Kunden verwechseln nämlich die bequemen Kinosessel mit ihrer heimischen Couch - und das hat katastrophale Folgen für alle echten Kinofans im Saal.

Man kennt das: Feierabend, kein Bock auf gar nichts - also wird der Streaming-Dienst des Vertrauens eingeschaltet, die Berieselung kann beginnen. Völlig unkompliziert und ohne Rücksicht auf alles und jeden. Dumm nur, wenn manche Menschen diese mittlerweile gut erprobten Zuhause-Abläufe völlig gedankenbefreit auch immer öfter im Kino an den Tag legen. In aller Öffentlichkeit und ohne Rücksicht auf ihre Mitmenschen. Am Ende sollte ich wohl froh sein, dass alle ihre Hosen anlassen.

So sitze ich also als echter Kinofan in meinem Sessel und hoffe noch, dass ein einziges Mal nicht der größte Mensch der Stadt genau vor mir Platz nimmt, als die Katastrophe an anderer Stelle über mich hereinbricht. Die folgende Auflistung stammt aus einem einzigen Kinobesuch und lässt sich beliebig reproduzieren - egal, ob Großstadt oder Kinokaff.

Chaos an der Kinokasse - alle in einer Schlange

Los ging es aber schon an den drei offenen Kassen: Bei Kasse Nummer 1 reicht die Schlange bis zur Treppe, bei 2 und 3 muss der Mitarbeiter Glück haben, überhaupt etwas zu tun zu bekommen. Grund: Die erste liegt direkt im Sichtfeld der Besucher, die anderen eine Körperdrehung weiter links. Ist wie bei Amazon Prime und Co.: Was nicht vorne angezeigt wird, findet nicht statt.

Was im ersten Moment also gut losgeht - anstellen muss ich mich in der Regel ja nicht lange - wird im Saal zur Tortur. Denn der Kinofilm an sich ist für viele Gäste offenbar nur Beiwerk. Nach Werbeblock, Eismann-Auftritt und Trailershow geht das Gequatsche erst einmal unvermindert weiter. Was können die ersten Szenen eines Films schon Gehaltvolles beinhalten?

Plappern und Popkorn - ein nervenzehrender Mix

Ich sitze dann immer in meiner Sitzsschüssel und hoffe, dass es bald vorbeigeht: Jenes Grundrauschen, das seit einigen Jahren neben dem wohlbekannten Popcorn-Knuspern ertönt, aber ungleich nervenzehrender wirkt. Und das von Monat zu Monat bei steigender Anzahl an Streaming-Zombies im Kino zuzunehmen scheint.

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Wer nicht gerade die soeben gesehenen Szenen seinem offenbar taubblinden und/oder begriffsstutzigen Sitznachbarn nacherzählt oder möglichst flachsinnige Kommentare abgibt, vertieft sich womöglich im hell erleuchteten Handybildschirm - diese eine Nachricht konnte sicher wirklich nicht mehr warten... Genau wie auf dem eigenen Sofa, nur dass in diesem Fall das nähere Umfeld ebenfalls ungefragt an diesen Aktivitäten teilnehmen darf. Lachender Winke-Smiley dort, Kack-Emoji hier.

Stören lässt sich kaum einer - reden ja alle im Kino

Dass das außer mir kaum jemanden zu stören scheint, liegt wohl daran, dass eben diese Kinogänger gerade in eigene Gesprächen verwickelt sind oder eine für sie passendere Sitzposition suchen. Vor und zurück und hin und her - möglichst so, dass ich ebenfalls in ein Yoga-Programm einsteigen muss, um noch anständig auf die Leinwand blicken zu können. Ein hilfloses Lachen, wenn eine Szene meine Sitznachbarn heillos überfordert, ist auch immer gerne genommen.

Zum Weiterlesen: „Marriage Story“ - läuft im Kino und bei Netflix

Da freut es mich ganz besonders, wenn einem Sitznachbarn offenbar ein falscher Film vorgeschlagen wurde. Dieser sucht dann nämlich alsbald das Weite und wird postwendend mein absoluter Lieblingskinokunde: Hat bezahlt, auf diese Weise mein Hobby finanziert und ist dennoch kein Klotz mehr am Bein meines Filmgenusses. Womöglich versucht er sein Glück nun im Nachbarsaal. Auf zu neuen Erfahrungen: „Leute, die diese Serie gesehen haben, schauten auch...“ sozusagen.

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Abhilfe schaffen am Ende nur zwei Dinge: der Abspann des Films, denn dann ist man garantiert nach drei Sekunden alleine im ganzen Kino und es herrscht Ruhe. Und Filmvorführungen im Originalton. Bei englischem Sound ist meiner Erfahrung nach die Konzentration der Anwesenden höher, die Schwelle, ins Kino zu gehen, auch - da wagt es kaum keiner, in stetiger Penetranz und unter Missachtung der anderen Anwesenden den Mund auf zu machen.

Und Kino wird wieder zum Erlebnis und nicht zum Netflix-Fiasko in aller Öffentlichkeit.

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