Endlich erwachsen?

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Laura Hoffmann (15) aus Eydelstedt

Von Laura Hoffmann. „Ich will jetzt endlich groß sein!“ In meiner Kindheit wünschte ich mir nur eins – möglichst schnell älter zu werden. Diese langweilige Kindheit, in der so vieles nicht geht und man so vieles nicht darf, hinter mir zu lassen und ins verbotlose Reich der Erwachsenen einzutauchen.

Endlich was zu sagen zu haben, gehört zu werden, nicht mehr als kleines, dummes Mädchen abgestempelt zu werden. Endlich frei zu sein. Frei, selbstständig und cool – ja, das war mein Traum!

Ehrfürchtig schaute ich zu den Großen hoch, bewunderte sie für ihr aufregendes Leben. Die nervige Schule war lästig. Nicht mal annähernd so cool, wie ich mir die Berufswelt vorstellte. Es konnte mir nicht schnell genug gehen, immer sollte die Zeit so zügig vergehen wie möglich.

Und eines Tages war alles anders. Ich weiß nicht genau, wie es kam. Aber plötzlich fühlte sich ein Jahr gar nicht mehr an wie ein ganzes Jahr. Die zwölf Monate hatten sich angefühlt, als wären es zwei gewesen. Allerdings zwei Monate, die vollgepackt waren mit stressigen Tagen, an denen ich nur lernen musste und die Zeit für spaßige Dinge einfach wegfiel.

Das war der Punkt, an dem mir schlagartig bewusst wurde, wie nah ich der Welt der Erwachsenen inzwischen gekommen bin. Es ist nur noch ein kleiner Schritt, bis ich mit dem Abi in der Hand, der Kindheit im Rücken und der ungewissen Zukunft direkt vor Augen dastehe.

Und heute wünsche ich mir fast, dass die Zeit stehen bleibt. Meine Sichtweise hat sich geändert. Mir ist klar geworden, dass meine sorgenfreie Kindheit fast vorbei ist und ich bald auf mich alleine gestellt sein werde. Vielen mag das gefallen – mir macht es eine Höllenangst.

Irgendwie freue ich mich zwar darauf, endlich alles zu dürfen. Aber dass bald nicht mehr der sichere, gewohnte tägliche Ablauf der Schule mein Leben bestimmt; und dass meine Freunde wahrscheinlich alle demnächst woanders wohnen als ich – dieser Gedanke ist unbeschreiblich traurig.

Wenn ich jetzt an die Zeit zurückdenke, als ich mir immer gewünscht hatte, erwachsen zu werden, kann ich es gar nicht mehr nachvollziehen. Mit anderen Kindern auf dem Spielplatz toben zu können und sich auf einer Schaukel in die Lüfte zu schwingen – heute klingt das doch viel besser als Berufstress, nervige Chefs und Probleme mit dem Ehemann. Man kann die Zeit nicht zurückdrehen – das ist mir klar. Und ich vermisse sie jetzt schon.

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