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„Das kalte Herz“: Vorhersehbares Märchen

„Das kalte Herz“ ist ein Märchen ohne neuen Dreh. Die cineastischen Effekte helfen dem zu oft  rückwärtsgewandten Film nicht.

Es ist ein seltsames Märchen. Und, wie so oft, ein sehr moralisches. Wilhelm Hauff veröffentlichte „Das kalte Herz“ 1827 – also mitten in der deutschen Spätromantik. Die Mystik der Geschichte, das Beschwören magischer Kräfte, aber auch das versteckt Biedere passen perfekt in diese krude Zeit, die dem einseitig Rationalen der Aufklärung gerne einen gefühlsduseligen Summs entgegensetzte.

Ein Märchen ins Kino zu bringen, ist ein Wagnis. Zum einen, weil Märchen oft rückwärtsgewandt sind. Zum anderen, weil sich traditionell eher das Fernsehen damit befasst. Johannes Naber setzt in seiner Verfilmung nun bewusst auf cineastische Elemente. Normalerweise ist ein Märchen schnell erzählt, er aber gewährt seinen Figuren und der Entwicklung der Geschichte viel Raum. Der Köhler Peter Munk und seine Angebetete Lisbeth bewegen sich in einer atmosphärischen Landschaft, die mal lieblich, mal gruselig anmutet und stets mit der dazu passenden Klangwelt kombiniert wird. Schön sind die Settings, gut die Besetzung. Frederick Lau verleiht dem armen Schlucker Munk, der sich auf der Suche nach dem Glück mit fremden Mächten einlässt, eine verwirrte Kauzigkeit. Auch Henriette Confurius ist als Lisbeth perfekt gewählt, weil sie sich mit Charme, Anmut und Witz dem allzu klischeehaften Frauenbild entzieht, das das Drehbuch leider auch in diesem Film vorgibt. Moritz Bleibtreu, Milan Peschel und viele andere ergänzen das feine Ensemble.

Dennoch können Naber und sein Team dem grundsätzlichen Problem nicht entrinnen: Vom ersten Moment an ist klar, wohin die Reise geht. Es geht um männliche Glückssuche und den Besitz an der Frau. Es geht um das böse Geld und den reaktionären Grundsatz „Schuster, bleib bei deinem Leisten!“ Das ist weder neu noch befriedigend.

„Das kalte Herz“

mit Frederick Lau

Regie: Johannes Naber

Laufzeit: 119 Minuten

Annehmbar

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Das Märchen der Märchen“ mochten.

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