„Leute sollten das Wort ,homo’ vergessen“

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Wer kennt Jorge Gonzalez nicht? Seit „Germany's next Topmodel“ taucht der gebürtige Kubaner immer wieder in der Öffentlichkeit auf. Auf unserer Seite morgen verrät er chili-Volontärin Anne, wie lange er mit seinem Freund zusammen ist, warum er aus Kuba weggegangen ist und wie er sich seine Zukunft vorstellt.

Seitdem er als Catwalk-Trainer in der TV-Casting-Show „Germany’s next Topmodel“ gearbeitet hat, ist um Jorge Gonzalez ein Hype ausgebrochen: Der Kubaner ist einfach Kult. Seine Markenzeichen sind das gebrochene Deutsch, die platschig glatten Haare, ungezügelte Energie und – natürlich – die High-Heels. Doch auch wenn Jorge Gonzalez in der Öffentlichkeit oft nur als aufgedrehter Typ ohne Tiefe dargestellt wird, ist im Interview schnell klar: Der Mann hat mehr auf dem Kasten. Die Fragen stellte Anne Hundt.

Jorge, nach Deinem Schulabschluss in Kuba hast Du Dich für ein Studium der Nuklear-Ökologie entschieden. Warum? In Kuba war ich in einem Eliteinternat und dort der beste Schüler. Deshalb konnte ich mir aussuchen, was ich studieren will. Ich wusste gar nicht genau, was Nuklear-Ökologie ist. Das Studium hat viel mit Mathematik, Biologie und nuklearer Sphäre zu tun. Aber das wichtige für mich war, dass das Studium in der Tschechoslowakei war.

Wieso wolltest Du in die Tschechoslowakei? Ich hatte dort eine Tante. Und ich habe so viel über Prag gelesen, dass ich mich entschieden habe: Ich muss dahin.

Wie passt Jorge, der Nuklear-Ökologe, mit dem Catwalk-Trainer Jorge zusammen? Als Student brauchte ich Geld und habe ein Casting für einen Modeljob mitgemacht. In diesem Job sollten wir laufen aber auch tanzen. Die Mädels haben in High-Heels getanzt. Dann habe ich die Schuhe auch anprobiert. Und, ach ich weiß nicht: Ich konnte von Anfang an auf ihnen tanzen, springen und laufen. Ich habe entdeckt, dass ein Mann auf High-Heels eine richtige Marktlücke war und dass ich als Catwalk-Trainer arbeiten und damit Geld verdienen möchte.

Wie sehr hat sich Dein Leben verändert, als Du aus Kuba weggegangen bist? Sehr. Eigentlich alles. Ich habe meine innere Freiheit gefunden, als ich nach Europa gekommen bin. Das war für mich sehr wichtig. Kuba ist ein kommunistisches Land. Als junger homosexueller Mann war Kuba sehr schikanierend und diskriminierend. Dort war es sehr schwierig für mich.

Wie haben Deine Eltern auf Deine Homosexualität reagiert? Ganz cool. Meine Eltern haben mir immer so viel Liebe gegeben. Ich bin eben ihr Kind. Und meine Omi hat immer gesagt: Du bist gut, so wie Du bist.

Hast Du noch Kontakt zu Deiner Familie? Sehr, sehr engen Kontakt. Meine Familie ist für mich sehr wichtig. Ich versuche, jedes Jahr nach Kuba zu reisen. Mein Vater kommt mich auch in Deutschland besuchen, immer so zwei oder drei Monate im Jahr. Meine Mutter ist leider verstorben.

Und wie ist es für Dich jetzt in Deutschland? Ich habe in Deutschland viel von der deutschen Mentalität gelernt, und jetzt bin ich ein kubanisch-deutscher Cocktail. Deswegen kann ich sagen, ich lebe hier meinen deutschen Traum.

Wie erlebst Du denn die deutsche Mentalität? Sie ist ganz anders. Pünktlichkeit, Disziplin, Ehrgeiz, Toleranz. Auf der anderen Seite muss hier immer alles so perfekt sein und deswegen habe ich manchmal Angst zu kommunizieren, weil ich nicht perfekt Deutsch spreche. Aber daran kann ich noch sehr gut arbeiten, nicht?

Aber Jorge, seien wir doch mal ehrlich: Du bist ein intelligenter Mann. Könntest Du nicht viel mehr, als nur Catwalk-Trainer zu sein? (lacht) Ich weiß ja nicht, was Du alles weißt. Aber ich mache viel: Ich bin Jorge mit der guten Laune, ich bin Catwalk-Trainer, Tänzer, ich singe, habe ein Buch geschrieben, habe auch meine eigene Mode-Kollektion und seit 17 Jahren meine eigene Agentur. Das ist doch ganz schön viel.

Aber fühlst Du Dich nicht manchmal trotzdem unterschätzt, wie Du in den Medien dargestellt wirst? Ach, da mache ich mir keine Gedanken. Viele sehen dort zwar nur einen Mann mit langen Haaren und auf High-Heels. Das bin ich aber nur äußerlich. Wenn sich jemand mit meinen anderen Facetten beschäftigt, stellt er fest: Okay, da ist mehr. Gerade junge Menschen beschäftigen sich oft mit ihrer Außendarstellung. Dann sage ich immer: Du musst sein, wer Du bist. Und nicht sein, was die Leute von Dir erwarten. Dann bist Du nicht frei. Deswegen bin ich so, wie ich bin.

Reagieren Männer und Frauen unterschiedlich auf Dich? Ja, natürlich. In der letzten Zeit bekomme ich aber auch ein große Akzeptanz von Männern. Sie finden das lustig, was ich mache. Sie lachen und kennen Jorge mittlerweile. Sie klatschen auch, wenn sie mich laufen sehen. Und die Chicas mögen mein Styling und die High-Heels.

Jorge, darf ich Dich das fragen: Hast Du einen Freund? Ja, habe ich.

Wie lange seid Ihr zusammen? Schon 17 Jahre.

Wollt Ihr auch heiraten? Och, die Frage stellt sich wirklich schon lange. Ich weiß es aber noch nicht.

Was denkst Du über die Proteste in Frankreich gegen die Homo-Ehe? Ich finde die Proteste absurd. Die Leute sollten das Wort „homo“ vergessen. Sie sollten eher denken: Das ist Liebe. Das sind zwei Wesen, die sich lieben und zusammen sein wollen. Ist doch egal, ob sich Frau und Frau oder Mann und Mann lieben.

Möchtest Du Kinder haben? Ich liebe Kinder, aber sie sind eine große Verantwortung. Mein Partner und ich arbeiten viel und sind immer unterwegs. Da geht es nicht. Kinder brauchen ein Zuhause. Zurzeit kommt das also für mich nicht infrage.

In der Öffentlichkeit sieht man Dich immer auf High-Heels. Trägst Du sie wirklich gerne? Ja. Sehr gern.

Warum? Als Kind habe ich mit den High-Heels meiner Oma gespielt. Dann wurden sie vom Hobby zum Job. Und ich habe mir immer Schuhe gekauft. Der Frauenschuh hat mich einfach schon immer fasziniert. Weil man mit ihm eine andere Haltung hat. Mein Körper verändert sich dabei komplett, und mein Gang ist ein anderer.

Wann trägst Du keine High-Heels? Zum Beispiel wenn ich mit meinem Hund spazieren gehe. Oder einkaufen gehe. High-Heels sind eben mein Werkzeug.

Welche Schuhe trägst Du gerade? Silbergraue Turnschuhe mit Keilabsatz.

Hast Du die letzte „Germany's next Topmodel“-Staffel gesehen? Nicht wirklich. Ich habe sie nur ein bisschen im Internet verfolgt.

Warum warst Du nicht mehr dabei? Das war meine Entscheidung. Ich wollte mich weiterentwickeln und konnte das nicht nebenher machen.

Was hältst Du von Deinem Ersatz? Ersatz?

Ja, vom New Yorker Hipster Andre J., der ist Dir doch ähnlich? Mir ähnlich? Der ist doch hässlich! (lacht) Und ich habe keinen Bart. Das ist eine ganz andere Geschichte als ich. Ich bin ein kleiner Catwalk-Trainer. Ich bin ein anderer Typ.

Du sprühst immer so voller Energie. Wie alt bist Du eigentlich, Jorge? Ich bin 45 Jahre jung. Und ich habe noch einen Babypopo. (lacht)

Wo siehst Du Dich in zehn Jahren? Ich hoffe, dass ich genauso bin wie jetzt. Und dass ich gesund bin. Und viel Party machen kann.

Laut Bravo könnte Jorges zweiter Song zum diesjährigen Sommerhit werden. Mit der kroatischen Sängerin Narany hat er jetzt den Song „Hola Fiesta“ aufgenommen. Wovon er handelt, erzählt Jorge selbst: „In Hola Fiesta geht es vor allem um Sommer, Sonne, Spaß am Tanzen und Lebensfreude. Er soll zum Feiern und Tanzen animieren. Die eingängige Melodie, die die zauberhafte Chica Narany da singt, lädt zum Mitsingen und zum Mittanzen ein.“

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