Interview mit Werders Fußballnachwuchstalent Leonard Nauermann

"Talent ist wichtig, aber nicht alles"

Leonard Nauermann will Profi-Fußballer werden. Nach einem Kreuzbandriss hofft er, bald wieder für die U19-Mannschaft von Werder Bremen zu spielen.

Von Marcel Kloth (19 Jahre) aus Syke – Leonard Nauermann (17 Jahre) aus der U19 von Werder Bremen hat einen Berufswunsch. Er möchte Profi-Fußballer werden. Vor zwei Jahren kam der gebürtige Nordener seinem Traum ein Stück näher. Er zog in das Werder-Internat über der Ostkurve im Weser-Stadion ein. Wie ein normaler Tag im Internat abläuft und wie er mit dem Kreuzbandriss umgeht, den er sich Mitte Juni im letzten Spiel der vergangenen Saison zugezogen hat, erzählt das Nachwuchstalent im Interview.

Auf welcher Position spielst Du?

Leonard: „Ich bin Innenverteidiger. In meinem alten Verein JFV Norden habe ich in der C-Jugend offensiv gespielt. In den Jugendauswahlen von Werder Bremen war ich defensiver ausgerichtet, habe auch mal als 6er auf dem Platz gestanden. In der U19 bin ich meistens im Abwehrzentrum aktiv.“

Du kommst aus Norden in Ostfriesland. Mit 15 bist Du ins Werder-Internat gezogen. Wie haben Deine Eltern auf die Entscheidung reagiert?

Leonard: „Es ist nicht leicht für sie gewesen, weil meine beiden älteren Brüder bereits ausgezogen waren. Das war eine besondere Situation. Gerade für meine Mutter war es schwer, als der letzte Sohn aus dem Haus ging. Aber meine Eltern haben mich immer unterstützt.“

Wie sieht der Tagesablauf im Werder-Internat aus? 

Leonard: „Wir sind aktuell 18 Jugendfußballer im Internat. Morgens gehen wir zur Schule. Zweimal pro Woche ist Training am Vormittag. Nachmittags steht dann wieder Training auf dem Plan und nach dem Abendessen geht es zur Hausaufgabenhilfe. Den Abend haben wir dann für uns.“

Was für Regeln gibt es im Internat? 

Leonard: „Es wird auf Pünktlichkeit geachtet. Natürlich sollte das Zimmer sauber gehalten werden. Außerdem ist Fußball spielen innerhalb des Internats verboten.“

Dürft Ihr am Wochenende feiern gehen?

Leonard: „Das ist schwer, weil wir häufig sonntags spielen. Wenn wir samstags Spiele haben, fahre ich danach nach Hause zu meiner Familie. Daher gehe ich nicht besonders oft feiern.“

Wie sieht es denn in Deinem Zimmer aus? 

Leonard: „Seit diesem Sommer habe ich ein Einzelzimmer. Vorher war ich zwei Jahre lang mit einem Mitspieler auf einem Zimmer. Ich versuche, es mir möglichst heimisch zu machen, so wie es zu Hause auch war. Da gehören ein Fernseher, ein Schreibtisch, ein Bett und ein Schrank natürlich dazu.“

Achtet Werder auf die schulischen Leistungen?

Leonard: „Ja. Ein Mitarbeiter von Werder ist nur für die Schule zuständig. Am Ende des Jahres müssen wir bei ihm unser Zeugnis abgeben. Er steht immer eng in Verbindung mit den Lehrern und weiß Bescheid über unsere Leistungen. Es wird darauf geachtet, dass wir uns nicht nur auf den Fußball konzentrieren.“

Hast Du Freunde, die nicht bei Werder im Verein sind?

Leonard: „Durch die Schule hat man natürlich Kontakte geknüpft. Von früher sind noch die engsten Freunde da. Das versuchen wir auf jeden Fall zu halten. Grundsätzlich verschieben sich die Freundschaften aber nach Bremen. Hier lernt man neue Leute kennen, von früher bleiben zwei oder drei enge Freunde.“

Stellst Du Dich gegenüber Mädchen als Werder-Nachwuchsspieler vor? 

Leonard: „Nein, das mache ich nicht. Ich bin kein Typ, der so etwas überall erzählt. Ich verhalte mich ganz normal gegenüber Mädchen.“

Warum hast Du Dich für Werder entschieden?

Leonard: „Die Nachwuchsscouts sind auf mich zugekommen. Ich hatte ein gutes Gefühl dabei. Ich war mehrfach in Bremen und habe mich direkt wohlgefühlt. Ich habe gemerkt, dass es gut passt. Der Schritt war richtig.“

Mit welchen Übungen verbesserst Du Deine technischen Fähigkeiten?

Leonard: „Durch die Verletzung ist das aktuell schwer. Grundsätzlich haben wir ein so hohes Pensum, dass wir kaum Zeit haben, außerhalb des Trainings noch Extra-Schichten einzulegen. Ab und zu gehe ich natürlich mit ein paar Kumpels Fußball spielen, aber dabei steht der Spaß im Vordergrund. Für eine gute Entwicklung ist das normale Training ausreichend.“

Seit Juni setzt Dich ein Kreuzbandriss außer Gefecht. Wie gehst Du mit dem Rückschlag um?

Leonard: „Im ersten Moment war es ein Schock. Ich wusste, wie schwer diese Verletzung ist und wie lange die Genesung dauert. Anfangs habe ich es nicht ganz so realisiert, aber jetzt, wo ich begriffen habe, wie viel Zeit noch vor mir liegt, schaffe ich es, die Verletzung ganz gut wegzustecken.“

Die Genesung so einer Verletzung dauert über ein halbes Jahr. Wie hältst Du Dich in dieser Zeit fit? 

Leonard: „Zuerst kann man nicht viel machen, denn nach der Operation ist man auf Krücken angewiesen. Nach einiger Zeit versucht man, über das Fahrrad wieder zu Fitness zu gelangen. Der normale Weg ist, die Muskeln wieder aufzubauen und sich hochzuarbeiten. Aber das dauert natürlich sehr lange.“

Wann glaubst Du, stehst Du wieder auf dem Platz?

Leonard: „Die Heilung des Knies ist das wichtigste. Ein realistisches Ziel ist Januar oder Februar 2015.“

Es gibt viele talentierte Jugendfußballer in Deinem Alter. Wem traust Du den großen Durchbruch zu?

Leonard: „Man hat immer ein paar Jungs, die man kennt und die seit Jahren in den Junioren-Nationalmannschaften große Rollen spielen. Wenn bei denen alles gut läuft und keine Verletzungen die Entwicklung stoppen, haben die große Möglichkeiten. Bei Benjamin Henrichs aus Leverkusen oder beim 18-jährigen Maximilian Eggestein aus Werders U23, der gegen Paderborn Ende November sein Bundesligadebüt feierte, stehen die Chancen sicherlich gut, dass sie es eines Tages packen könnten.“

Wie schafft man im Profi-Fußball den Durchbruch?

Leonard: „Talent ist sehr wichtig. Allein das reicht aber nicht, Wille und Ehrgeiz gehören ebenfalls dazu. Ohne etwas Glück ist der Durchbruch aber auch nicht möglich. Auf dem Weg nach oben bekommt man immer wieder Chancen, die man nutzen muss. Man muss Grundfähigkeiten besitzen und versuchen, sich weiterzuentwickeln.“

Werder steht auf einem Abstiegsplatz. Wie ist Dein Eindruck vom Verein? Ist das Leben im Club so ruhig, wie man es von außen wahrnimmt?

Leonard: „Werder ist ein richtig cooler Verein. Gerade im Jugendbereich ist die Situation sehr familiär. Es ist relativ ruhig, auch in angespannten Situationen. Mit Krisen wird gut umgegangen, es steht nicht der ganze Verein Kopf. Werder schafft es, in schweren Momenten die Ruhe zu bewahren.“

Ist es ein Vorteil mit Mirko Votava eine bekannte Bremer Persönlichkeit als Trainer zu haben?

Leonard: „Er kann uns eine Menge mitgeben, gerade wenn es um Erfahrungen geht. Es hilft, wenn der Trainer mit dem Verein schon so viel gewonnen hat. Es ist etwas Besonderes. Aber da ich durch meine Verletzung noch nicht viel bei ihm trainiert habe, kann ich das nicht umfassend beurteilen. Von den Ansprachen und Mannschaftssitzungen habe ich aber einen guten Eindruck.“

Welche Ziele hast Du?

Leonard: „Das Hauptziel ist aktuell, schnell wieder gesund zu werden und auf den Platz zu kommen. Dann muss ich schauen, wie ich mich mit dem Knie fühle. Nächstes Jahr mache ich mein Abitur. Das soll natürlich auch gut werden. Mein Traum ist es, Profi-Fußballer zu werden. Allerdings sehe ich natürlich auch, gerade in einer Verletzungsphase, wie schwer das ist. Aber der Wunsch ist definitiv da.“

Die U19-Mannschaft von Werder Bremen ist bereits in der Winterpause und spielt erst am 31. Januar wieder.

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