Interview mit Max Giesinger

„Der Erfolg hat mich selbst überrascht“

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Max Giesinger hat sein erstes Album "Laufen Lernen" über Crowdfunding finanziert. Der 26-Jährige hätte nicht damit gerechnet, dass er innerhalb von 24 Stunden genug Geld zusammen hat. Im Interview spricht er über den Erfolg und seine Träume.

Viele kennen Max Giesinger noch aus dem Finale der ersten Staffel von „The Voice of Germany“. Dass der 26-Jährige mehr kann, als nur bei Casting-Shows mitzumachen, bestätigt er mehrfach im Interview. Chili-Mitarbeiter Marcel Kloth hat mit ihm über seine Auslands-Erfahrungen, Wohnzimmerkonzerte und seinen persönlichen Lieblingssong gesprochen.

Hey Max, Glückwunsch zu Deinem tollen Debütalbum „Laufen Lernen“. Wie zufrieden bist Du mit den Reaktionen der Fans und dem Erfolg? 

Max: „Ich bin total zufrieden. Ich habe, ehrlich gesagt, schon erwartet, dass es gut läuft. Aber der Erfolg hat mich selbst überrascht. Ich bin sehr happy, dass wir in diesem Jahr so viele Auftritte spielen konnten. Das Album kam bei den Leuten super an, wir haben immer gutes Feedback bekommen. Nach der Platte wurde alles gefühlt noch etwas größer, so soll es auch sein.“

Träumst Du wie in Deinem Album-Opener „Kalifornien“ ab und zu davon, ganz woanders zu leben? 

Max: „Ich denke oft: ,Wäre jetzt schon geil, wieder in Australien zu sein'. Dort war ich kurz als Backpacker unterwegs. Aber dann besinne ich mich. Schließlich hat Deutschland schon einige Vorzüge. Alles ist strukturiert und geordnet, vieles funktioniert besser als in anderen Ländern. Deswegen möchte ich es nicht missen, in Deutschland zu leben. Vielleicht wandere ich mit 50 oder 60 aus, aber momentan habe ich meine Freunde und meine Band hier. Deswegen finde ich es hier schon ganz cool.“

Welche Erfahrungen hast Du bei Deinem „Work and Travel“ in Australien gemacht?

Max: „Da habe ich fast nur gute Erfahrungen gemacht. Ich wusste noch nicht so richtig, was ich nach der Schule machen sollte. Klar, habe ich irgendwann Druck von meinen Eltern bekommen, etwas Vernünftiges zu studieren oder eine Ausbildung zu beginnen. Aber ich war mir noch nicht sicher, ob ich wirklich alles auf die Musikkarte setze. Nach dem Jahr wusste ich, dass es nur den Weg als Musiker geben kann. Dann habe ich viel Straßenmusik gemacht, was eine sehr gute Schule war, um später auf größeren Bühnen bestehen zu können. Toll war, einfach mal auf sich allein gestellt zu sein, nachdem ich die ersten 19 Jahre bei meinen Eltern gelebt habe. Es war gut, mal rauszukommen.“

Zurück zum Album. Wie persönlich sind Deine Songtexte?

Max: „Die Texte sind sehr persönlich. Das ist mir wichtig als Künstler. Ich möchte nicht auf der Bühne stehen und fremde Songs singen. Deswegen schreibe ich alles selbst. So stehe ich auch ganz anders dahinter. Ich kann die Lieder viel besser verkörpern und sogar mit erlebten Dingen ganz gut abschließen. Wenn ich schlechte Erfahrungen mache und einen Song darüber schreibe, kann ich eher einen Haken hinter die Sache setzen.“

Welcher Song vom Debütalbum gefällt Dir am besten?

Max: „Mein Lieblings-Song ist ,Blutsbrüder'. Der geht mir textlich sehr nahe. Er handelt von einer Freundschaft, die über Jahre hinweg auseinander driftet und am Ende komplett zerfällt. Wie alle anderen Songs basiert auch das Lied auf eigenen Erfahrungen.“

Was magst Du lieber: Wohnzimmerkonzert oder Clubkonzert?

Max: „Das ist ganz schwierig und sehr publikumsabhängig. Es gibt Clubkonzerte, bei denen die Stimmung nach dem zweiten Song schon bei 100 Prozent ist und es total abgeht. Bei Wohnzimmerkonzerten habe ich erlebt, dass das kleinere Publikum total aufmerksam und mega dankbar ist. Das ist nochmal etwas viel Persönlicheres. Obwohl Clubkonzerte auch etwas Persönliches haben. Ich spiele ja nicht in großen Hallen, wo man die Leute nicht mehr sieht. Bei Wohnzimmerkonzerten quatscht man mit jedem einzelnen und kann noch viel mehr eigenes Zeug erzählen. Da ist auch viel Spontanes dabei.“

Du hast Erfahrung bei „The Voice“ gesammelt. Wie denkst Du heute über Deine Teilnahme? 

Max: „Das ist eine zweiseitige Medaille. Auf der einen Seite hat es mir sehr viel gebracht. Ich wäre ohne die Show noch nicht so weit und könnte nicht deutschlandweit Konzerte spielen. Wenn mich nicht so viele Leute gekannt hätten, wäre meine Crowdfunding-Kampagne wahrscheinlich auch nicht so erfolgreich gelaufen. Deshalb bin ich dankbar für alles, was danach entstanden ist. Während der Show habe ich mich aber nicht menschlich weiterentwickelt. Es muss jeder für sich selbst entscheiden, was er mit diesem Hype macht. Man kann einfach darauf rumreiten und nach drei bis vier Monaten ist alles wieder weg, oder man nutzt es, schreibt eigene Songs und spielt eigene Konzerte. Man muss sich hinterher als Künstler etablieren, damit die Leute checken, dass man nicht so ein Casting-Typ bist. Das ist harte Arbeit.

Ich finde, da sind wir auf einem sehr guten Weg, weil wir nach drei Jahren immer noch spielen und immer mehr Leute zu unseren Konzerten kommen. Bei den meisten Leuten, die bei so einer Show mitmachen, ist es eher umgekehrt. Es war gar nicht schlecht, dass ich da nicht gewonnen habe, weil der Hype nicht so groß war. So kann ich das Feld von hinten aufräumen. Geblieben ist, dass ich Michael Schulte kennen gelernt habe, mit dem ich in einer WG in Mannheim wohne. Er ist tatsächlich auch mein bester Kumpel. Das war ein schöner Nebeneffekt der Show. Mein Gitarrist Steffen wohnt auch in der Bude. Wir haben da ein sehr kreatives Kollektiv. Wenn man so eine Zeit durchlebt, schweißt das zusammen.“

Du hast viele ruhige, melancholische Lieder. Bist Du eher ein ruhiger oder eher ein extrovertierter Typ?

Max: „Auf Tour habe ich auch ganz gerne mal meine Ruhe, dann kann ich ab und zu auch sehr gut alleine sein und brauche keine Leute um mich herum. Ich bin aber eher extrovertiert als introvertiert. Ich habe ein paar Gute-Laune-Nummern, aber auch ein paar tiefgründige Nummern. Ich bin ein Typ, der sehr viel nachdenkt über das Leben. Ich verarbeite die Erlebnisse in meinen Songs.“

Was möchtest Du eines Tages erreichen? 

Max: „Wenn das Ganze größer wird und wir in zehn Jahren immer noch auf Tour gehen können, wenn die Leute meine Musik immer noch gut finden und ich vor allem davon leben kann, habe ich schon ein sehr großes Ziel erreicht. Ich will mir keine Sorgen über Geld machen müssen. Wenn ich das mit der Musik abdecken kann, und mit den Songs, die ich schreibe, ein paar Leute glücklich machen kann, dann ist ein großes Ziel erreicht.“

 

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