Manuel Wintjen, Sänger der Metalband "Anchors & Hearts", im Interview

„Mach mal den Mund auf!“

Die Band "Anchors & Hearts" im Interview

Ging es Dir schon mal so richtig mies? Und dann hast du Musik aufgelegt, und alles war besser? Die Metalband „Anchors & Hearts“ versucht mit ihrer Musik, die Leute auzuheitern. Am Samstag kommt die Gruppe zum Rotenburger „Metal 4 Splash Open Air“. Einige Fragen vorab an Sänger Manuel Wintjen.

Von Anne Schmidtke  - Findest Du auch, dass es uns an Toleranz mangelt? Und dass unsere Gesellschaftsformen veraltet sind? Mit diesen und vielen anderen Themen setzt sich die fünfköpfige Melodic-Hardcore-Band „Anchors & Hearts“ aus Oerel bei Bremervörde auseinander. Die Jungs raten, sich immer wieder selbst zu hinterfragen. In ihren Songs blicken sie kritisch auf Alltägliches, vermitteln gleichzeitig aber auch ein Gefühl von Hoffnung. Am Samstag kommen sie zum Rotenburger „Metal 4 Splash“-Festival. Einige Fragen vorab an Sänger Manuel Wintjen. 

Manuel, was meinst Du: Was denken die meisten Leute über Eure Musik?

„Für viele ist es Krach. Es ist halt eine Musik, die sich an eine bestimmte Zielgruppe richtet. Viele können sich da nicht reinversetzen und verstehen daher nicht, warum es so klingt, wie es klingt.“

Und die Wahrheit ist...?

„Wir legen Wert darauf, dass uns die Musik gefällt, die wir machen. Wir achten kaum darauf, was momentan angesagt ist und welche stilistischen Elemente derzeit unbedingt in einem Song vorkommen müssen, damit möglichst viele Menschen ihn abfeiern. Wir sind alle mit schneller Musik aufgewachsen, wir kommen alle irgendwie aus dem Punk-Rock-Bereich. Das hört man auch immer wieder aus unserer Musik heraus.“

Wie habt Ihr eigentlich zusammengefunden?

Sänger Manuel

„Timo und Torben waren vorher in der Band ,Tiny Y Son’. Tim und Sebastian haben bei ,The Downfall Ends’ gespielt. Und ich in der Band ,A Chinese Restaurant’. Irgendwann haben sich alle Bands zeitgleich aufgelöst. Irgendwie gab es damals ‘ne extreme Flaute. ,Tiny Y Son’ hatte einen starken Besatzungswechsel. Bei ,Downfall Ends’ war ein bisschen die Luft raus, weil Material fehlte. Und bei uns war es so, dass unser Drummer ausgestiegen ist. Wir haben dann für sechs Monate jemand Neues angelernt. Nach zwei Shows, die er mitgespielt hat, hat er uns gesagt, dass er ein Auslandsjahr macht. Da hatten wir keinen Bock mehr, wieder einen neuen Schlagzeuger anzulernen. Schließlich gründeten Timo und Torben ,Anchors & Hearts’. Tim ist miteingestiegen, weil bei ,Downfall Ends’ so wenig los war. Und Sebastian und ich sind nachträglich in die Band reingerutscht.“

Wie seid Ihr auf den Bandnamen gekommen?

„Da war ich nicht mit dabei, weil ich ja nicht Gründungsmitglied bin. Aber mir wurde gesagt, dass sehr viel Astra-Bier getrunken wurde. Und das Zeichen von Astra sind Anker und Herzen.“

Warum seht Ihr eigentlich alle so gepflegt aus?

„Wir sehen gepflegt aus?!“

Find ich schon.

Bassist Tim

„Okay. (lacht) Was für ‘n Kompliment. Dankeschön. Ja, warum sehen wir so gepflegt aus... Wie sollen wir denn sonst aussehen? Wir sind nicht so extrem darauf aus, irgendeinem Trend nachzugehen. Ich muss jetzt nicht ‘n absolut verrückten Haarschnitt haben oder in zerrissenen Klamotten rumlaufen oder mich komplett tätowieren lassen. Uns ist wichtig, das zu machen, worauf wir Lust haben. Und wir freuen uns über jeden, der sagt: ,Joah, ich unterstütze das. Ich finde das gut’.“

Seid Ihr alle tätowiert?

„Ich bin am meisten von allen tätowiert. Ich mach das, weil ich es schön finde. Und ich hätte es auch gemacht, wenn ich nicht in einer Hardcore-Band spielen würde, sondern zum Beispiel als Singer-Songwriter unterwegs wäre. Insgesamt sind drei von uns tätowiert. Die anderen beiden in der Band haben keine Tattoos.“

Wo hast Du denn überall Tattoos?

„Auf den Schienbeinen, über dem Knie, auf dem Bauch, auf der Brust und dem Nacken, und fast der ganze rechte Arm ist tätowiert.“

Was stellen die Tattoos dar?

Gitarrist Sebastian

„Auf dem einen Schienbein steht ,Love’ und auf dem anderen ,Life’. Das Tattoo soll mich daran erinnern, mein Leben zu genießen. Schließlich hab ich nur dies eine. Über dem rechten Knie habe ich einen Diamanten mit ‘nem Blitz. Der Blitz ist das Zeichen von „Anchors & Hearts“. Den Diamanten habe ich mir dazu ausgesucht. Das Bild auf dem Bauch hab ich jetzt erst stechen lassen. Es zeigt das Meer, ein Schiff und den Horizont. Auf der Brust habe ich ein Herz, zwei Sanduhren und mein Geburtsjahr. Das Tattoo steht für das Leben an sich. Bei der einen Sanduhr ist oben, bei der anderen unten mehr Sand. Das Herz, das mich durch das ganze Leben boxt, ist in der Mitte. Auf dem Arm sind ganz viele Mandalas. Die habe ich als Kind gerne ausgemalt, wenn mir langweilig war. Und dann habe ich da noch einen Kompass und die Geburtsjahre meiner zwei Brüder, meiner Mutter und meines Vaters. Es ist egal, wohin ich gehe, die sind immer für mich da.“

Du bist Altenpfleger. Was sagen die Omis und Opis zu Deinen Tattoos?

„Ich habe noch nicht ein Mal gehört, dass jemand ‘n Problem damit hat und sagt: ,Nee, finde ich überhaupt nicht gut’. Sie finden das alle interessant und fragen mich auch regelmäßig, ob ich schon wieder was Neues habe.“

Wer von Euch ist denn noch zu haben?

„Ich bin noch zu haben. Die anderen sind verheiratet. Sebastian heiratet im August. Torben hat zudem zwei Kinder.“

Worauf achtest Du bei Mädels?

Schlagzeuger Torben

„Also, ich achte auf die Größe. Ich mag nicht kleiner sein als meine Freundin. Ich bin 1,79 Meter, und das ideale Mädchen wäre 1,70 groß. Die Haarfarbe ist mir nicht so wichtig. Ich stehe natürlich schon irgendwie auf Tattoos. Außerdem mag ich es vom Charakter her nicht zu lieb. Zu aufgedreht gefällt mir aber auch nicht. Ein Mix wäre gut.“

Wie kann man Dich kennenlernen?

„Mensch, was ist das für ein Interview? (lacht) Am besten spricht man mich an, wenn man mich sieht oder schreibt mir über Facebook.“

Habt Ihr Groupies?

„Es gibt Mädchen, die nach den Shows ankommen und mit denen wir was trinken gehen und uns unterhalten. Aber ich würde die nie Groupies nennen. Auf Groupies stehe ich nicht. Ich mag es nicht, wenn mich jemand gut findet, nur weil ich in ‘ner Band bin.“

Was zeichnet Dich aus?

„Ich bin ehrlich. Mir ist es ganz wichtig, ehrlich zu sein. Zudem bin ich offen und nicht nachtragend.“

Worum geht es in Euren Songs?

Gitarrist Timo

„Wir haben viele ,based on true’-Stories. Da sagt eigentlich schon der Name, worum es geht. Unsere Songs sollen zum Nachdenken animieren. Manche sagen auch: ,Guck nach vorne’ oder :,Mach den Mund auf, wenn Dir was nicht passt’. Wir verarbeiten in den Texten Alltägliches. Während der Live-Shows müssen wir aber nicht vor jedem Song drei Minuten lang erklären, worum es geht, damit jeder vor der Bühne ihn nachvollziehen kann. Das ist der falsche Weg. Dafür sind ja Booklets da. Mit deren Hilfe kann man sich Zuhause Gedanken über den Text machen.“

Wovon träumt Ihr?

„Wir wollen das Bestmöglichste mit der Band erreichen. Da wir alle berufstätig sind, sind wir von dem Gedanken weg, Rockstar werden zu wollen. Die oberste Priorität für uns ist nun, Spaß zu haben. Außerdem wollen wir viele Leute mit unserer Musik erreichen. Vielleicht gibt es Menschen, die gerade nicht weiterkommen. Und dann hören sie ein Lied von uns und denken sich: ,Okay, es geht ja doch weiter’. Zudem wollen wir mit allen Konzertbesuchern in Kontakt treten, sodass jeder sagen kann: ,Mir hat der Aufritt total gut gefallen’.“

VERLOSUNG: Freikarten fürs „Metal 4 Splash“

Klar, dass Du „Anchors & Hearts“ jetzt endlich mal hören willst. Kein Problem, das kannst Du auch – auf ihrem Album „Based on true stories“ UND live am Samstag auf dem „Metal 4 Splash“ am Weichselsee. Beides kannst Du hier bei uns gewinnen. Wir verlosen zwei Freikarten für das Metal-Festival plus CD von „Anchors & Hearts“ unter allen chili-Lesern, die bis Mittwoch um 12 Uhr eine E-Mail mit dem Betreff „A&H auf Metal 4 Splash“ an chili@kreiszeitung.de schicken. Namen, Alter, Telefonnummer nicht vergessen. Viel Glück.

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