Von wegen langweilige Salatfresser: Lea ist Veganerin und genervt von Vorurteilen

„Ich muss auf nichts, was ich liebe, verzichten.“

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In einem Käfig demonstriert die PETA Tierrecht-Aktivistin Tina in einer Leipziger Fußgängerzone gegen Pelzfarmen in Deutschland. Die Teilnehmer der Aktion wollen nach eigenen Angaben auf das Leiden der Tiere aufmerksam machen und fordern eine Schließung aller Pelzfarmen in Deutschland.

„Für mich soll kein einziges Tier mehr ausgebeutet, gequält oder getötet werden.“ Diesen Entschluss hat Lea vor drei Jahren gefasst, und bis heute ist es der 18-Jährigen damit verdammt ernst: Lea ist Veganerin.

Vegan zu leben bedeutet, auf alle tierischen Produkte zu verzichten. Fleisch, Fisch und Pelz sowieso, aber auch auf Milch, Eier, Honig, Leder, Wolle, Seide – das alles hat Lea konsequent aus ihrem Leben verbannt. Und „es fühlt sich gut und richtig an, so zu leben“, findet die Schülerin. „Denn diese Lebensweise ist nicht nur für mich selbst, sondern auch für alle Menschen und Tiere, für die Umwelt und das Klima am besten.“

Noch ist Lea mit ihrer veganen Lebensweise eher eine Außenseiterin, dabei ist sie sich sicher: „Wenn sich die Leute mal richtig über das Thema informieren würden, würden sie feststellen, wie wichtig veganes Leben ist.“ Genau deshalb hat sie eine Anlaufstelle für Veganer in und um Bremen geschaffen: Seit Mitte 2011 gibt es im Bremer Sielwallhaus das „Café Vegan Connection“ (veganconnection. blogsport.de). Dort treffen sich jeden zweiten und vierten Mittwoch im Monat Gleichgesinnte und Interessierte, um sich auszutauschen, sich zu informieren, um Filme vorzuführen oder Aktionen zu planen. Ganz zwanglos. Aber Lea betont, dass bei den Treffen „Anarchie herrscht: Alle können sich beteiligen, jeder kann mit seinen Ideen kommen, es gibt keine Hierarchie.“ Auch Skeptiker sind willkommen, um sich vom veganen Leben ein eigenes Bild zu machen.

Über viele Vorurteile kann Lea nur den Kopf schütteln. Zum Beispiel, dass es nicht gesund wäre, vegan zu essen. „Es ist schlecht, sich einseitig zu ernähren“, da stimmt sie zu, „aber das muss man als Veganer gar nicht. Es ist ein Irrglaube, dass der Mensch Fleisch zum Leben braucht. Keiner muss als Veganer Angst vor Mangelerscheinungen haben. Und sollte einem doch mal was fehlen, gibt’s ja noch Tabletten, die alles enthalten, was der Körper braucht.“ Es gebe schließlich auch Leistungssportler, die sich vegan ernähren und topfit seien.

Lea selbst kommt bestens mit ihrer veganen Ernährung zurecht. Die Angst, nicht satt zu werden, kennt sie nicht: „Es gibt ganz viele tolle vegane Rezepte; auch die Auswahl an Restaurants, die für Veganer was anbieten, wird immer größer.“

Lea fiel die Umstellung leicht. Weil ihre Eltern Vegetarier sind, hat sie sich von klein auf fleischlos ernährt. „Damals fand ich vegan leben aber auch Quatsch“, gibt die 18-Jährige zu. Aber als sie bei einem Anti-Atom-Camp junge Veganer kennenlernte und mit ihnen kochte, änderte sich ihr Bild. Und sie beschloss, auf alles Tierische zu verzichten. „Zwar hab ich anfangs noch Ausnahmen gemacht, mich danach aber schlecht gefühlt und es daher sein lassen. Seitdem gibt es keine Ausnahmen mehr. Das könnte ich gar nicht, ich würde mich viel zu sehr davor ekeln“, meint Lea.

Als sie ihrem Umfeld von ihrem Entschluss erzählte, reagierten alle locker: „Meine Eltern und einige Freunde haben auch versucht, sich für eine Zeit vegan zu ernähren, meine Mutter kocht noch immer oft vegan.“

In Bremen gibt es längst Imbisse, Straßenstände und Läden, die vegane „Currywurst“ und „Vöner“ im Angebot haben. Ihren Cappuccino kann Lea fast überall mit Sojamilch trinken, im Sommer kauft sie sich Fruchteis, und beim Grillen schlägt sie sich mit Alternativen aus Soja, Tofu, Weizeneiweiß, Seitan oder Gemüse den Bauch voll. „Es gibt für alles Alternativen – sogar vegane Süßigkeiten“, lacht Lea. „Ich muss also auf wirklich ni chts, was ich liebe, verzichten.“ Mittlerweile haben sogar Drogeriemärkte vegane Kosmetik im Sortiment. Und zur Not gibt’s ja immer noch die vielen Angebote im Internet. Problematischer ist es mit Medikamenten. Es lässt sich nicht immer vermeiden, zu Arzneien zu greifen, die an Tieren getestet wurden.

Lea glaubt trotzdem, dass das Bewusstsein steigt und die Zahl der Veganer zunehmen wird: „Das Interesse ist da, vor allem bei jüngeren Leuten“, ist ihre Erfahrung. „Natürlich werden nicht alle von heute auf morgen Veganer. Bei den Vegetariern war es anfangs genauso: Erst haben nur wenige so gelebt, dann breitete es sich immer weiter aus. Und mittlerweile ist es völlig normal, Vegetarier zu sein.“

Wer jetzt aber denkt, dass Lea rund um die Uhr versucht, andere Leute zu bekehren und alle Nicht-Veganer heimlich verachtet, der irrt sich: „Natürlich freut es mich, wenn ich jemandem das vegane Leben näherbringen kann, aber ich will es keinem aufzwingen.“

Leas Tipp an alle, die anfangen möchten, vegan zu leben: „Lasst Euch nicht durch dumme Kommentare davon abbringen, sondern setzt Euch erst mal intensiv mit dem Thema auseinander. Ein Bewusstsein für die schlimme Situation der Tiere zu entwickeln, ist der erste wichtige Schritt. Und kommt, wenn Ihr Lust habt, einfach mal zu unseren Treffen.“

Viele von Leas Freunden teilen ihre Einstellung, das ist praktisch. Aber auch eine Beziehung mit einem Fleischesser würde die Veganerin nicht grundsätzlich ausschließen: „Wenn ich mich in so jemanden verlieben würde, dann wäre das eben so“, meint sie und fügt schmunzelnd hinzu: „Aber natürlich wäre die Hoffnung, ihn irgendwann zum veganen Leben zu bringen, immer da.“

Hört man Lea zu, dann merkt man sofort, dass der Grund für ihren Verzicht auf alles Tierische gut durchdacht und ernsthaft ist. Der 18-Jährigen liegen Tiere wirklich am Herzen. Als Kind, erzählt sie, sei sie öfter mal zu spät nach Hause gekommen, weil sie auf dem Heimweg Hummeln von der Straße aufgesammelt hat.

Und wenn die Veganerin über Massentierhaltung und Tierversuche spricht, dann merkt man ihr ihre Wut über diese Ungerechtigkeit an und ihren Wunsch, etwas zu ändern. Den Einwand, dass ein einzelner doch sowieso nichts bewegen kann, lässt sie nicht durchgehen. „Jemand muss anfangen. Das war schon immer so“, sagt sie. „Das ist wie mit der menschlichen Sklaverei. Auch da mussten die Gegner kämpfen und ein neues Bewusstsein für Rechte schaffen. Bei den Tieren sehe ich das genauso. Was wir machen, ist tierische Sklaverei – das darf nicht sein!“

Für die taffe 18-Jährige ist klar: „Bist Du nicht Teil der Lösung, dann bist Du Teil des Problems!“ Lea macht eine Pause und schüttelt den Kopf: „Wir atmen doch alle die gleiche Luft. Mit welchem Recht maßen wir Menschen uns an, Tiere quälen und töten zu dürfen?“

Von Katrin Roßmann (23 Jahre) aus Cluvenhagen

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