Wie sieht eine blinde Musikerin das Showgeschäft? Die Sängerin Joana Zimmer erzählt’s uns

„Ich fühle das Publikum“

Sängerin Joana Zimmer tritt momentan in der RTL-Sendung "Let's Dance" auf.

„Es ist schon okay, wenn die Leute fragen, wie es ist, blind zu sein. Sie können es ja nicht wissen.“ Joana Zimmer geht mit ihrer Sehbehinderung ganz offen um. Die Sängerin hat gerade ihr neues Album „Not looking back“ rausgebracht. Außerdem ist sie gerade in der RTL-Sendung „Let’s dance“ zu sehen. Nina Baucke hat für uns mit ihr gesprochen.

Joana, Du wirst „die deutsche Céline Dion“ genannt. Gefällt Dir der Vergleich?

Das ist ja eine der größten Sängerinnen, von daher ist das ein großes Kompliment.

Wie bist Du zur Musik gekommen?

Ich habe schon ganz früh Musik gemacht. Im Chor. Und als Teenager hab ich in Bands gesungen. Da merkte ich: Das ist meine große Leidenschaft, das will ich auch als Beruf machen!

Was war Dein erstes großes Erlebnis mit Musik?

Ich bin mit Musik groß geworden – mit Jazz und Oper. Aber wonach ich wirklich nicht mehr einschlafen konnte, war, als ich den Musikfilm „Yentl“ mit Barbra Streisand gesehen hatte. Da war ich total hin und weg von der Musik! Diese Melodien und die Story dahinter – das hat mich nicht mehr losgelassen! Da wusste ich: Ich will auch so was in der Art machen – mit Musik Geschichten erzählen und Botschaften weitergeben.

Du hast früh angefangen, in Jazz-Clubs zu singen. Wie kam es dazu?

Ich mochte Jazz und komme aus so einem Umfeld. Mein Stiefvater war Jazz-Musiker.

Wie hast Du’s geschafft, Berufsmusikerin zu werden?

Ich hab eigentlich schon immer mein Geld damit verdient. Nach dem Abi hab ich intensiv angefangen, mich bei Plattenfirmen zu bewerben. Das ist nicht einfach, weil die sich oft gar nicht anhören, was man da so hinschickt. Irgendwann dachte ich mir: „So kommst Du nicht weiter.“ Dann habe ich angefangen, nur noch die Chefs der Plattenfirmen direkt anzuschreiben. Ich habe mir gedacht: „Hey, wenn die das Demo hören, können sie nicht Nein sagen!“

Du bist von Geburt an blind. Glaubst Du, es ist bei den ersten Auftritten leichter oder schwerer, wenn man das Publikum und seine Reaktionen nicht sieht?

Nach meinem ersten Auftritt sagte meine Großmutter, dass sie es bewundernswert fand, dass es für mich ganz natürlich ist, einfach auf die Bühne zu gehen und zu singen. Mich beschäftigt das nicht groß. Ich fühle mein Publikum und die Reaktionen. Ich weiß auch von anderen Kollegen, dass sie beim Singen die Augen schließen und so die Energie wahrnehmen.

Was sagst Du, wenn jemand fragt, wie Du aussiehst und ob Du Dein Gesicht beschreiben kannst?

Ich habe lange blonde Haare, ein eher feines, schmaleres Gesicht und eine recht prominente Nase (lacht).

Und wie erklärst Du jemandem, der Deinen Gesang nicht hören kann, wie Deine Stimme klingt?

Ich würde sagen: Sie klingt sehr gefühl- und kraftvoll.

Gerade ist Dein neues Album rausgekommen. Was für Musik, was für Geschichten sind drauf?

Das Album ist in New York entstanden, und ich habe viel daran mitgeschrieben – zum Beispiel einen Brief: „With love, Joana“. Der ist für alle, die daran glauben wollen, dass alles möglich ist. Viele Songs handeln von diesem Gedanken. Es ist für mich immer wichtig, ans Herz zu gehen, ohne kitschig zu werden. Ich hab auch was aus „Yentl“ drauf: „Papa can you hear me“, ein sehr inniger Song. Bei der ersten Single „Everything I do I do it for you“, ein Bryan-Adams-Cover, war die Frage: Wage ich mich da dran? Ich orientiere mich beim Covern nie daran, wie das Original klingt. Ich finde es schön, dass ich dieses Mal ein Album gemacht habe, das ruhiger ist, aber trotzdem ohne Ich-schlaf-gleich-ein-Lieder. Ich hatte immer die Befürchtung, wenn ich mehrere Balladen hintereinander mache, dass die Leute gelangweilt sind – aber mittlerweile denke ich, dass die Menschen es auch schätzen, wenn’s nicht immer so hektisch ist.

Wie entstehen Deine Songs?

Ich habe vieles selber oder daran mitgeschrieben, es gibt aber auch Geschichten, die ich einem Songschreiber erzähle, und er schreibt dann etwas für mich. Zum Beispiel „Don’t let go“ – für einen Freund, der todkrank war. Das ist sehr persönlich.

Welche Musik hörst Du selber am liebsten?

Katie Melua – tolle Texte, sehr schöne Melodien. Dann höre ich gerne Up-Tempo-Sachen, R&B – vor allem, wenn ich Sport mache. Außerdem viel Klassik und Rock. Nur Techno eher nicht.

Gehst Du eigentlich gerne zu Konzerten?

Sehr gerne! Das letzte, auf dem ich war, war von Joshua Bell.

Was tust Du, wenn Du mal nicht Musik machst?

Ich hab in meiner letzten Sommerpause viel Yoga gemacht. Viel Sport. Ich laufe und lese unheimlich viel.

Was, denkst Du, können Blinde besser als sehende Menschen?

Nichts. Ich glaube, man kann entweder etwas besser als andere oder nicht. Es kommt auf die eigenen Begabungen an. Blinde sind einfach nur mehr aufs Gehör angewiesen und da etwas geschulter.

Du bist bei „Let’s dance“ dabei. Dein erstes Mal auf dem Parkett?

In der Schulzeit ging ich zur Tanzschule, hatte Ballett und Step-Tanz, aber noch nie so intensiv wie jetzt.

Wie orientierst Du Dich beim Tanzen?

Mein Tanzpartner Christian Polanc ist meine Orientierung. Ich musste richtig lernen, mich führen zu lassen. Der Mann gibt die Richtung vor, aber die Schritte muss ich selbst tanzen, sonst sieht es aus, als würde ich mitgeschleift. Wir arbeiten sehr hart, und mein Tanzpartner ist streng.

Joana, was möchtest Du in den nächsten Jahren noch alles erreichen?

Ich möchte noch mehr Länder mit meiner Musik bereisen. Das ist mein größtes Ziel.

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