Eine dunkle Macht? So ein Quatsch

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Dr. Hans Holger Ahlsdorff ist seit zwei Jahren Master der Hypnotherapie.

Von Rafael Kaluza. Medizinische Hilfe, eine dunkle Macht oder einfach nur ein großer Schwindel? Das Öffentlichkeitsbild von Hypnose ist ziemlich wirr und vor allem durch das Fernsehen entstanden. In der Castingshow „Das Supertalent“ sind zum Beispiel schon einige Hypnotiseure aufgetreten.

Zufällig ausgewählte Leute fielen plötzlich in den Schlaf, gaben komische Geräusche von sich und selbst Sylvie Van der Vaart fiel in Trance und stand offensichtlich unter der Kontrolle des Kandidaten.

Was soll man davon halten? Die meisten glauben einfach nicht dran, die Show sei nichts anderes als gefaket. Viele begegnen den unglaublichen Auftritten mit Fassungslosigkeit und Respekt vor einer offenbar höheren Fähigkeit, die sie nicht verstehen. Und wieder andere kriegen es mit der Angst zu tun. Stellen Sie sich mal vor, jemand kann Sie kontrollieren und Dinge machen lassen, die Sie gar nicht wollen. Klingt wie der Imperius-Fluch aus Harry Potter und der ist unverzeihlich – ganz schön gruselig. Ist es also Zauberei? Ich habe da so meine Zweifel.

Was aber ist Hypnose? Ich war bis jetzt immer Skeptiker und dachte, das würde eh nichts bringen und wäre wenn dann Einbildung.

Um Gewissheit zu erlangen, gibt es natürlich nur eine Lösung: Einfach mal hypnotisieren lassen.

Die Gelegenheit ist günstig. Dr. Hans Holger Ahlsdorff (48) leitet gerade an der KGS Brinkum das Projekt „Mit Selbsthypnose besser durchs Abi“. Der Facharzt für Allgemeinmedizin hat in Norwegen eine dreijährige Ausbildung zum Hypnotherapeuten gemacht und hat sich diese ungewöhnliche Vorbereitung auf die Abitur-Prüfungen gemeinsam mit der Religionslehrerin Ilse Zelle ausgedacht. Die Idee: Den Schülern die Angst vorm Abitur nehmen.

Kaum war das Projekt draußen, kamen Anrufe von aufgebrachten Eltern. „Es wurde gesagt, dass wir es mit dunklen Mächten zu tun haben. Einige hatten auch die Sorge, dass ihre Kinder fremdgesteuert werden“, berichtet Ilse Zelle.

Dennoch bissen einige Schüler an und auch ich fackelte nicht lange und fuhr zu einem Treffen der Gruppe. Fürs Abi muss ich mich zum Glück nicht mehr vorbereiten, aber vielleicht kann ich ja trotzdem die wahre Wirkung von Hypnose erfahren.

Um die zwanzig Schüler sind bei der Stunde dabei, manche zum ersten Mal, manche haben den Kurs von Anfang an belegt. Dr. Ahlsdorff gibt den Neuankömmlingen erstmal einen kleinen Überblick zum Thema und haut gleich eine Geschichte raus, bei der ich innerlich nur den Kopf schütteln kann. Er habe schon Operationen ohne Narkose geleitet – dank Hypnose. Kaum zu glauben!

Nach nur wenigen Minuten geht es schon los: Wir erleben unsere erste Hypnose.

Eigentlich beginnt sie doch ein bisschen wie man sich das vorstellt. Wir fixieren einen Punkt an der Wand, die Augen werden schwer, die Augen fallen zu und mit betont ruhiger Stimme beschwört Dr. Ahlsdorff, dass alle Sorgen von uns abfallen. Leider muss ich gestehen, dass ich mich eher unwohl fühle, vielleicht auch weil so viele dabei sind, fällt es mir schwer, mich zu entspannen. Und ich weiß auch noch genau, wo ich bin, mir ist alles um mich rum bewusst – so hab ich mir Hypnose nicht vorgestellt.

Nach ein paar Minuten ist es vorbei und die Reaktionen sind anders als ich erwartet habe. Viele, die schon lange dabei sind, erzählen, wie gut sie sich bei der Hypnose fühlen, und dass es immer besser funktioniert. Manche erzählen sogar, es habe ihnen jetzt schon bei Prüfungen geholfen und der Großteil ist sich absolut sicher, dass es ihnen beim Abi in jedem Fall helfen wird. Und auch ein paar Neuankömmlinge meinen zumindest, dass sie sich sehr gut entspannen konnten.

Okay, ich bin beeindruckt. Klar, jetzt muss ich es genauer wissen und den Doktor erstmal in die Mangel nehmen. Der ist bei meinen Fragen locker und sympathisch..

Würden Sie sagen, dass man alle Probleme mit Hypnose bewältigen kann?

„Man kann wahnsinnig viel machen. Angst ist ein super Thema, es gibt aber auch ganz viele andere Sachen, die man machen kann, wie Rauchentwöhnung. Für die Schule ist es super, ich hatte in Norwegen auch eine Patientin, die immer wahnsinnige Flatter hatte, wenn sie in Prüfungen war. Wir haben dann eine Hypnose gemacht, weniger als eine Stunde. Sie kam wieder und hat gesagt, sie war noch nie so ruhig und hat sogar die Bestnote geschrieben.“

Haben Sie einen Patienten unter Kontrolle, wenn er hypnotisiert ist. Können Sie zum Beispiel dafür sorgen, dass jemand einfach so hinfällt?

„Das kann man tatsächlich machen. Das ist aber ganz, ganz kontrolliert, und es ist auch keine Kunst, das kann jeder erlernen – es sieht nur wahnsinnig schockig aus. Aber: Der Patient würde nie was machen, was ethisch oder moralisch nicht in Ordnung ist, denn er ist voll bewusst. Darüber sind alle überrascht, weil sie das chaotische Bild von der Show-Hypnose haben. Das macht ganz viel kaputt, deswegen haben viele Menschen kein Vertrauen in die Hypnose, und das ist schade. Weil es eigentlich das Werkzeug ist: ohne Medikamente, ohne Nebenwirkungen und so effektiv.“

Sie sagen es ist dem Patient bewusst, was passiert. Ist das nicht widersprüchlich? Wie kann man dann ohne Narkose operieren? Derjenige muss sich doch auch dem Schmerz bewusst sein.

„Eine gute Frage, denn im Detail weiß man das nicht. Der Fokus ist so weit weg vom Schmerzsymptom. Das ist zum Beispiel wie im Kino: Sie sind im Bann des Films, in einer Art Trance, und erst nach dem Film fällt Ihnen auf, dass Sie Rückenschmerzen haben. Genau so ist es bei einer Operation, der Patient befindet sich im Zustand der fokussierten Konzentration, er ist voll konzentriert auf das, was ich ihm sage. Und was ganz wichtig ist, die Entspannung kommt dazu. Wenn man entspannt ist, ist der Schmerz weniger. Meine Tochter ist in Hypnose geboren und meine Frau sagte, sie habe keine Schmerzen gespürt, nur ein Druckgefühl. Und sie kann es vergleichen, da wir auch zwei Jungs von früher haben.“

Eine Frage noch: Wie schnell könnten Sie mir das Rauchen abgewöhnen?

„Ich empfehle drei Sitzungen mal eine Stunde, spätestens nach der dritten sind sie rauchfrei. Wenn es ideal läuft, geht es sogar nach einer Stunde. Neun von zehn werden rauchfrei, also sehr Viele.“

Die Antworten des Hypnotherapeuten klingen toll. Wenn man sich den Schmerz bei einer Geburt einfach wegentspannen kann, was stehen der Medizin dann nicht alles für Türen offen. Ich bin aber weiterhin nicht sicher, was ich davon halten soll. Fakt ist: Ich weiß jetzt, dass Hypnose keine Magie ist, ich weiß, dass man dabei nicht ferngesteuert wird und ich glaube auch, dass es einem bei Problemen wie Schulstress oder Prüfungsangst helfen kann. Aber eine Wirkung in dem Maße, wie es Dr. Ahlsdorff sagt?

Vielleicht muss man für diese Therapie auch einfach an dessen Wirkung glauben. Das tue ich noch nicht so ganz. Sorry Dr. Ahlsdorff, den „Mythos Hypnose“ haben Sie besiegt, meine Skepsis noch nicht ganz.

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