Funsportmesse "Passion" in Bremen

L(h)ocker!!! Cooler Sport auf kleinen Schemeln

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Josh (22) ist Profi im Hockern

„Was geht’n bei Dir so am Wochenende?“ „Wir werden wohl ‘n bisschen hockern.“ „Was? Pokern?“ „Nee, hockern.“ „Aah, und da sitzt Ihr in ‘ner Bar rum, oder was?“ So oder so ähnlich beginnt wahrscheinlich oft das Gespräch, wenn Josh erzählt, was er für eine Sportart macht.

Und ich geb’s zu: Ich hab erst mal genauso dämlich gefragt. Aber zum Glück ist mein Gesprächspartner – Josh Vogel, Politik- und Pädagogik-Student, 22 Jahre alt – cool genug, um auch noch beim hundertsten doofen, unwissenden Spruch locker zu bleiben.

Er lacht und erzählt dann, was seiner Meinung nach die Trendsportart der nächsten Jahre wird. Hockern heißt das Ganze, hat aber nix mit dem Rumlungern in Bars oder Pfahlsitzen zu tun. Der Name kommt vom Sportgerät, einem kleinen Hocker aus leichtem Kunststoff, mit dem und auf dem die Hockerer Tricks machen und Choreografien vorführen. Und wer dabei die krassesten Sachen macht, der gewinnt am Ende. So einfach ist das.

Ich bitte Josh, mir mal zu zeigen, was man dann so für Tricks macht. Und dieser Typ macht wirklich krasse Sachen. Ich hätte nie gedacht, dass ein Handstand auf der kleinen Sitzfläche funktionieren würde. Und schon streckt Josh seine Beine weit in die Luft, wirbelt herum und den Hocker durch die Luft und fängt ihn dann hinter dem Rücken wieder auf. Und dabei ist er sogar noch so cool, dass er sich während dieses spektakulären Moves lässig die langen Dreadlocks aus dem Gesicht wischen kann. Respekt!

Nachdem Josh sich wieder hingesetzt hat, erzählt er, dass er im Oktober den großen Kieler Wettbewerb im Hockern gewonnen hat: das „Hocktoberfest“. „,Meister der Welt‘ heißt der Titel, den man da gewinnt“, Josh lacht laut. „Irgendwie musste man das ja nennen.“ Der 22-Jährige hockert seit etwa zwei Jahren. „Die Legende besagt, dass das Hockern bei einer Party von drei ziemlich betrunkenen Typen in Kiel erfunden wurde“, erzählt Josh. Einer von ihnen sei arg angetrunken über einen kleinen Hocker gestolpert und irgendwie darauf gelandet. Als seine Kumpels ihn damit aufziehen wollten, beharrte er darauf, dass das kein Versehen, sondern ein Trick gewesen sei. Dieser Witz zog sich durch den ganzen Freundes- und Bekanntenkreis dieser Jungs, und bei Partys in ihrem Umfeld gab es Wettbewerbe, wer die tollsten Kunststücke mit einem Hocker machen kann. Und irgendwie sprach sich das immer weiter rum.

2006, beim ersten „Hocktoberfest“, war auch Stephan Landschütz dabei.

Der Industriedesign-Student überlegte sich, ob man für diesen großen Spaß wohl auch ein Sportgerät entwerfen könnte, das nicht nach dem dritten Contest kaputtgeht. Seine Diplomarbeit als Produkt-Designer schrieb er über die Entwicklung eines Sporthockers.

Heute hat Stephan ein Büro in Berlin und betreibt zusammen mit seinem Bruder Michael die Firma „Salzig Sporthocker“, die die Dinger in die ganze Welt verkauft.

Aber Stephan sitzt nicht nur den ganzen Tag über Zahlen und Entwürfen, er hockert immer noch. Ich treffe ihn bei der Funsportmesse „Passion“ in Bremen und darf ihm kurz zusehen. Seine Tricks sind wirklich beeindruckend.

Was mir außer den coolen Moves noch auffällt, die hier, wie es aussieht, jeder dieser Sportler mal eben so locker auf den Hocker bringen kann, ist die entspannte Atmosphäre, die über dem ganzen Sport hängt. Keiner macht sich Stress, keiner muss unbedingt gewinnen, sondern jeder möchte vor allem sich selbst weiterbringen. Das bestätigt mir Josh: „Unsere Sportart ist längst nicht ausdefiniert, die entwickelt sich immer weiter. Das hängt nur davon ab, wer hockert.“ Wer früher zum Beispiel Skateboard gefahren sei, der würde ganz andere Tricks ausprobieren als Leute, die Erfahrungen mit Artistik hätten. Die Tricks werden damit immer anspruchsvoller. Eine Entwicklung, die Josh spannend findet.

Noch ist die Szene ziemlich klein. Wer in Deutschland hockert, der kennt sich. Aber „Salzig Sporthocker“ hat auch schon die ersten Sportgeräte nach Frankreich, Österreich und Tschechien verkauft. „Und sogar in Japan und Australien gibt’s schon ein paar Leute, die hockern“, erzählt Josh.

Zwar sei das Hockern ein Sport, bei dem man viel und oft trainieren müsse, sagt der „Meister der Welt“, aber anders als zum Beispiel beim Skaten könne man die Basics zum Einstieg üben, ohne sich großartig weh zu tun. Sein Vorschlag für die allererste Übung geht so: „Man setzt sich mit lockeren Beinen auf den Hocker, rutscht dann nach hinten weg und wirft den Hocker mit der rechten Hand ein Stück nach oben, sodass er sich in der Luft dreht. Auffangen muss man ihn dann mit der linken Hand, die man dafür nach vorne hält.“

Ich versuche es selbst, und aus Reflex strecke ich erst mal immer beide Hände nach vorne. Aber nach drei, vier Versuchen schaffe ich’s auch. Und ich geb den Jungs recht: Macht Spaß!

Wer sich mal angucken möchte, wie’s am Ende aussehen kann: Unter sporthocker.com findet Ihr jede Menge Videos.

Rike Schockenhoff aus Wietzen

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