"Hereafter": Das Leben mit dem Tod

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Er kann mit Verstorbenen Kontakt aufnehmen: Fabrikarbeiter Georg (Matt Damon) aber hadert mit seiner Gabe.

Clint Eastwood zeigt im spirituell angehauchten Drama „Hereafter“ drei Schicksale rund um das Thema Sterben. Ob sich der Gang ins Kino für das neueste Werk des unermüdlichen Regisseurs lohnt, sehen Sie hier:

Clint Eastwood ist ein Phänomen. Mehr als 30 Kinofilme hat der einstige Hollywood-Haudegen inszeniert, darunter meisterhafte Melodramen („Die Brücken am Fluss“), Thriller („Mystic River“), Charakterstudien („Bird“), Kriegsfilme („Flags of Our Fathers“) oder Western („Erbarmungslos“). Trotz seiner 80 Jahre zeigt der Halunke noch immer keine Ermüdungserscheinungen, sondern ungebrochene Lust auf Neues: Diesmal hat er sich ein spirituell angehauchtes Drehbuch von Peter Morgan („The Queen“) ausgesucht.

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Drei Orte, drei Schicksale, drei Menschen, die sich mit dem Sterben auseinandersetzen müssen: Die französische Journalistin Marie wird während ihres Urlaubs von einer Tsunami-Welle in die Meerestiefe gerissen; diese Nahtod-Erfahrung verändert ihr Leben von Grund auf. Der englische Schüler Marcus verliert bei einem Unfall seinen geliebten Zwillingsbruder; dieser Schock wirft ihn komplett aus der Bahn. Und der amerikanische Fabrikarbeiter George kann mit Verstorbenen Kontakt aufnehmen; diese Gabe ist für ihn jedoch eher ein Fluch – er sehnt sich nach einem normalen Leben.

Das raffiniert konstruierte Drehbuch wirkt nur am Ende etwas bemüht, wenn es die drei Geschichten zusammenführt. Mit einer packend in Szene gesetzten Tsunami-Sequenz zieht Eastwood den Zuschauer von Anfang an mitten hinein ins Geschehen – und lässt ihn fortan nicht mehr los. Wieder einmal inszeniert der Vorzeige-Amerikaner ganz unamerikanisch: schnörkellos und pathosfrei, ohne Tränendrüsendruck, ohne Effekthascherei, ohne Schmalz-Schnickschnack – und gerade deshalb umso bewegender.

Ähnliches lässt sich über die Schauspieler sagen: Sie agieren unprätentiös, unspektakulär – und eben darum besonders kraftvoll. So überzeugt Cécile de France („L’auberge espagnole“) als forsche Marie ebenso wie Megastar Matt Damon als schüchterner George. Herausragend unter den Nebendarstellern: Bryce Dallas Howard („The Village“) in der Rolle einer verletzlichen Kochkurs-Teilnehmerin, die sich in George verliebt.

Eastwood gibt allen Figuren genügend Zeit und Raum, sich zu entfalten. Der multitalentierte Regie-Veteran, der wie üblich auch die Filmmusik geschrieben hat, macht keinen Hehl daraus, dass er ebenso wie Autor Peter Morgan nichts von Hellseher-Scharlatanen hält – und auch nicht an ein Leben nach dem Tod glaubt. Vielleicht ist ihm deswegen ein so außergewöhnliches Mystery-Drama geglückt.

Marco Schmidt

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