Heißer Hocker, cooler Macker

„Sitzmöbel sind die Königsklasse im Design-Himmel“, meint Ahmet. Deswegen hat er den „SuperSputnik“ entworfen.

„Sitzmöbel sind die Königsklasse im Design-Himmel“, meint Ahmet. Deswegen hat er den „SuperSputnik“ entworfen.

Was hat ein Hocker mit der Raumfahrt zu tun? Ahmet Sismanoglu lacht. „Ich hätte das Möbelstück auch ,Mist’ nennen können, aber das wollte ich nicht. Wegen seiner Form heißt der Hocker jetzt also ,SuperSputnik’.“ Der Begriff Sputnik kommt aus dem Russischen und bedeutet „Weggefährte“, „Begleiter“ oder auch sowas wie „Satellit“. Die damalige Sowjetunion schickte ab 1957 insgesamt zehn Satelliten mit dem Namen „Sputnik“ in die Erdumlaufbahn. Und mehr als ein halbes Jahrhundert später schickt Ahmet jetzt diesen modernen Schemel in die „Art-Design-Sphäre“.

Denn „Sitzmöbel“, davon ist er überzeugt, „sind die Königsklasse im Design-Himmel!“ Und tatsächlich sieht der Hocker des jungen Möbeldesigners aus wie ein kleiner Satellit. Ahmet ist im Rheinland aufgewachsen, hat zuerst eine technische Ausbildung als Industriemechaniker gemacht und dann an der Fachhochschule Köln Automobiltechnik studiert. „Schon im zweiten Semester habe ich mich für Design interessiert“, erzählt er. „Ich wollte die Schnittstelle zwischen Ingenieur und Designer finden.“

Im „Formel 1- Schuppen“ Toyota hat er sein Diplom gemacht. Jetzt ist er bei Daimler in der Projektentwicklung tätig. Da ist Ahmet vor allem für das Cockpit und die Mittelkonsolen in Autos zuständig. „Ich habe immer nebenbei freiberuflich gearbeitet und viele Workshops besucht – auch im Ausland“, sagt er. Mit „der Konstruktion eines Gartenstuhls mit coolem Klappmechanismus“ hat er sogar mal den hochwertigen Kettler-Wettbewerb gewonnen – „das war schon was!“, strahlt Ahmet. Aber insgesamt rät er jungen Designern davon ab, an vielen Wettbewerben teilzunehmen. „Da verschwendet man zu viel Zeit. Lieber Praktikum bei kleinen Firmen machen.“ Für den ersten Entwurf des „SuperSputniks“ bis zum fertigen Modell hat Ahmet sich ein Jahr lang Zeit gelassen. „Mein Vater hat in der Türkei am Meer eine kleine Werkstatt. Da haben wir den Prototyp zusammengeschweißt. Und von Anatolien nach Italien war es dann gar kein so langer Weg mehr.“

Wieso Italien? Was hat dieser Hocker mit der Trendhauptstadt Mailand zu tun? „Die Ästhetik!“, lacht Ahmet. „Mein Hocker ist einfach ein sehr heißes Produkt! Ich finde die Unterseite noch schöner als die Oberseite. Wenn ich den Hocker rumdrehe, lächele ich. Alles ist hochwertig verarbeitet, nichts stört.“ 5.000 Euro investierte Ahmet in seine Idee, bis er überzeugt war und den „SuperSputnik“ auf der Messe in Berlin vorstellte. Es war ein finanzielles Risiko, die Hocker selbst zu produzieren. Und eben nicht darauf zu warten, bis angesehene Marken den „SuperSputnik“ in die Kollektion aufnehmen würden. „Ich musste das ganze Holz besorgen, einen Anhänger mieten, die Hocker zum Beschichter fahren, all sowas – da kommt schon ‘ne Stange Geld zusammen.“ Nur weil Ahmet parallel fest bei Daimler angestellt war, konnte er sich dieses Risiko leisten. Mit 61 fertigen Hockern bezog er dann seinen Messestand beim „DMY Berlin International Design Festival“. 40 Stück verkaufte er, und seitdem tingelt Ahmet durch die Messehallen von Hamburg, Köln oder Dresden. „Die klassische, ältere Generation liebt die Variante ,Nussbaum und Chrom’“, erzählt er.

„Die Innenarchitekten haben sich fast gekloppt um die Version ,Nussbaum mit schwarzem Gestell’, und die bunt lackierten Hocker gehen beim ,Holy-Shit- Shopping’ im Dezember weg wie warme Semmeln.“ Auf die weltgrößte Designmesse in Mailand nahm Ahmet auch die nagelneuen „SuperSputnik 630“ mit – die neue Küchen- und Barvariante. Mit Erfolg. Übers Internet macht Ahmet wenig: „Ich brauche kein Twitter und kein Facebook.“ Er will sich nicht auf den Vertrieb konzentrieren, sondern Lizenzen verkaufen und dann neue Designs erschaffen.

Denn die meisten seiner Kunden, da ist er sicher, wollten den „SuperSputnik“ nicht wegen einer raffinierten Marketingstrategie haben, sondern wegen seines schnörkellosen Aussehens und seiner versteckten Raffinessen. Der Hocker hat nämlich etwas Entscheidendes mit den Luxuskarossen Audi S 8 und Porsche Boxster gemeinsam: „Die Elastokinematik“, erklärt Ahmet. Ein furchtbarer Begriff für eine geniale Technologie! Ahmet hat zur Konstruktion seines Hockers die Eigenschaft von Stahl genutzt – Härte und gleichzeitig Flexibilität. Der dreibeinige Hocker geht leicht mit der Bewegung des Körpers mit, trotzdem ist er stabiler als manch vierbeiniger Stuhl. „Wenn man auf der Kante sitzt, erhöht sich sogar die Stabilität, weil sich der Druck zur Mitte richtet“, demonstriert Ahmet stolz.

Dass seine „SuperSputniks“ sogar stapelbar sind, war eigentlich gar nicht geplant: „Was sich klappen oder stapeln lässt, ist meist unstabil. Und die Chinesen können es zu einfach kopieren.“ Praktisch ist es trotzdem. Für Ahmet ist das Entwerfen von Designermöbeln kein Spiel, kein Hobby, das er einfach so nebenher macht. Er hat die feste Absicht, eine Firma zu gründen. Deshalb ist er mittlerweile aus seiner Dreier- WG ausgezogen. „Die hatten genug von mir und meinen Baumaterialien. Ich habe schon oft die Küche blockiert.“ Er wollte sich mehr aufs Designen und Bauen konzentrieren, deswegen hat er ein Arbeitsstudio gemietet, in dem er auch leben kann. Gerade arbeitet der junge Möbeldesigner wieder an ein paar neuen Ideen. Er will ein neuartiges Fahrradpedal auf den Markt bringen, und ein origineller Schlitten-Entwurf wartet auf seine Umsetzung. Mehr darf noch nicht verraten werden. Für Ahmet jedenfalls ist ein Ziel klar: „Ich will die Marke Sisman etablieren.“ Sina Listmann (23 Jahre) aus Dorn-Dürkheim

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