Opodo-Reise-Umfrage

Hauptsache Instagram-tauglich: So reisen Millennials heute

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Bringt dieses Foto wohl genug Likes bei Instagram?

Die Generation Y ist dafür bekannt, dass sie sehr freiheitsliebend ist. Doch wie frei lebt man wirklich, wenn man sich ständig der Frage stellt, ob das nächste Reiseziel gut genug für Instagram ist? 

November. Einer der düstersten Monate des Jahres, wie ich finde. Der goldene Oktober mit seinen letzten lauwarmen Sonnenstrahlen ist vorbei und auf den nächsten Sommer zu waren, wäre auch vertane Zeit. Also womit lässt sich am schnellsten und einfachsten das Herz erwärmen (neben dem Abarbeiten der Weihnachtsfilm-Watchlist auf Netflix)? Richtig – mit dem Durchschauen alter Fotos aus vergangenen Sommern. Während es mir häufig reicht, Momentaufnahmen bloß mit mir selbst oder Freunden bei einem Glas Wein zu teilen, sind viele Profile auf Instagram voll mit Reisepostings.

Montag ein Foto am Strand von Ko Samui, Mittwoch Grüße aus Australien und am Wochenende ein Selfie aus Machu Picchu. Was mir am häufigsten auffällt: Die Wahl des Reiseziels. Kein Mensch der sogenannten Millennials gibt sich mit einem Kurzurlaub auf Norderney oder einem Ausflug in den Harz zufrieden. Wenn man nicht mindestens in einem Flugzeug gesessen und einen Ozean überquert hat, ist man quasi noch gar nicht unterwegs. Das Motto lautet: Höher, schneller, weiter.

Opodo-Umfrage: Instagram-Tauglichkeit entscheidet über Reiseziel

Beim Durchscrollen meines Instagram-Feeds muss ich mich regelmäßig erden - „Leben und leben lassen“, sagt meine innere Stimme zu mir. Wenn ich aber sehe, dass Nele* (18) in Airlie Beach am Strand posiert, die Zeile „Travel is the only thing you buy that makes you richer“ und der Hashtag #travelgirl unter dem quadratischen Foto prangen, wird mir schlecht. Ein sehr reifer Spruch, über den sich ein Mensch definiert, der diese Reise vermutlich nicht selbst finanziert und bis zuvor im wohl behüteten Nest gelebt hat.

Ich will Reisen keinesfalls verteufeln, sofern das Kennenlernen fremder Länder und Kulturen oder andere plausible Gründe im Vordergrund stehen. Aber die Realität ist leider eine andere: Das Online-Reiseportal Opodo veröffentlichte bereits zu Anfang des Jahre Ergebnisse einer Umfrage, die zeigen: Fast ein Drittel der Befragten gab an, Instagram-würdige Kulissen bei ihrer Wahl des Reiseziels zu berücksichtigen. Auch Motive und passende Hashtags sollen bereits im Vorfeld überprüft werden. 34 Prozent der Männer und 28 Prozent der befragten Frauen stimmten dem zu. Hashtags wie #travelgirl und #totravelistolive stehen weit oben auf der Liste.

Ist das noch Freiheit?

Ich frage mich bloß: muss das sein? In Zeiten, in denen uns die Welt offen steht, um für das eigene Leben zu lernen, lassen wir uns von Infinity-Pools und Retro-Toiletten anlocken, bloß um Likes auf Instagram zu bekommen? Das scheint mir sehr eingeschränkt in einer ach so freiheitsliebenden Generation. 

Wichtig ist für mich gar nicht, dass ich möglichst viele Länder von der Welt sehe. Viel mehr möchte ich auch künftig im November mit Freunden alte Fotos anschauen und gemeinsam über eine tolle Zeit lachen. Egal, ob es ein Camping-Urlaub zwei Autostunden von Zuhause entfernt ist, oder doch mal eine Flugreise ins entfernte Kanada. Wichtig ist, mit wem ich diese Erlebnisse teilen kann.

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