Britischer Sänger im Kleid

Harry Styles und das Vogue-Cover: Eine Liebeserklärung an die „Unmännlichkeit“

Als erster Mann alleine wird der britische Popsänger Harry Styles das Titelbild der hauptsächlich an Frauen gerichteten US-Ausgabe der „Vogue“ zieren. Und hier könnte diese Nachricht eigentlich enden. Eigentlich...

  • Als erster Mann alleine wird Harry Styles auf dem Cover der US-Vogue erscheinen.
  • Auf dem Dezember-Cover trägt der Sänger ein Kleid.
  • Das führt zu einer Diskussion über Männlichkeit.

Zunächst einmal ist es natürlich eine Nachricht wert, dass Harry Styles der erste Mann ist, der es solo auf das Cover des Modemagazins Vogue geschafft hat, das seine erste Ausgabe 1892 auf den Markt brachte. Unbestritten erwähnenswert. Als ich die Neuigkeit gelesen habe, war mein erster Gedanke: „Oh, prima für ihn. Das freut mich. Go, Harold!“. Eine Freundin schickte mir dann einen Link, über den ich mir einige der Fotos ansehen konnte, die in der Dezember-Ausgabe der Vogue von Harry Styles erscheinen werden.

Mein zweiter Gedanke: „Es ist eine Frechheit, dass der Mann einfach alles tragen kann, ohne schlecht oder albern auszusehen!“ Mein dritter Gedanke bei Sichtung eines der Outfits des Vogue-Shootings: „Endlich! Ein Outfit, das selbst Harry Styles nicht retten kann!“ Und damit endete dann eigentlich auch meine Beschäftigung mit der Thematik. Eigentlich...

Harry Styles wird als erster Mann solo auf dem Cover der amerikanischen Vogue zu sehen sein.

Fakt ist, dass der One-Direction-Sänger (ich spare mir das „ehemalige“. Die Band macht nur eine Pause!) und erfolgreiche Solo-Künstler auf dem Vogue-Cover nämlich zur Aufregung einiger keine Hose trägt! Aufgeregt wird sich aber nicht, weil er womöglich nackt ist. Nein! Harry Styles trägt ein Kleid. Und neben Corona-Krise, Lockdown und mächtigen Menschen, die sich wie verzogene Kinder verhalten, scheint das wohl ein weiterer Grund zu sein, den Untergang der Welt zu befürchten.

So ist die politische US-Aktivistin Candace Owens scheinbar der Ansicht, dass das nicht in Ordnung sei: „Bringt männliche Männer zurück“, schrieb sie bei Twitter und „begründete“ ihre Aussage später mit: „Stabile Männer tragen keine Ballkleider“. Bis zu diesem Zeitpunkt war mir tatsächlich nicht bewusst, dass sich Männlichkeit über Kleidung definiert. Definiert sich Weiblichkeit somit auch über Kleidung, frage ich mich, während ich in meiner Hose am Schreibtisch sitze.

Im Kleid auf der Vogue: Prominente stellen sich auf Harry Styles Seite

Nein. Ernsthaft. Natürlich stelle ich mir diese dämliche Frage nicht. Ich frage jetzt auch nicht weiter, was Owens unter Männlichkeit versteht. Sicher ist, dass sie darunter etwas anderes versteht als ich. Und das ist ihr gutes Recht. Es ist auch ihr Recht, Harry Styles‘ Outfit nicht zu mögen. Ich mag eines der Outfits auch nicht. Es sieht meiner Meinung nach aus wie ein Sack mit Muster.

Woran ich aber stark zweifele ist, dass Harry Styles‘ Kleidung in irgendeiner Weise relevant ist, um ihn als Menschen - oder von mir aus auch als Mann - zu beurteilen. Woran ich ebenfalls zweifele ist, dass sich Harry Styles ernsthaft darum kümmert, was die Owens dieser Welt über ihn sagen. Ich hoffe zumindest, dass es ihm egal ist. In den sozialen Medien setzen sich viele für den Sänger ein und stellen auch das Männlichkeitsbild der Owens dieser Welt in Frage. Darunter unter anderem Backstreet Boy Alexander James und Schauspieler Elijah Wood.

Gehen wir einmal davon aus, dass es „die“ Männlichkeit gibt, wie sie die Owens dieser Welt durch Harry Styles gefährdet sehen. Bedeutet das nicht, dass die „männliche Männlichkeit“, von der sie sprechen, von einem „unmännlichen Mann” gefährdet wird? Wie „unmännlich“ ist das denn? Aber logische Wirrungen beiseite. Lassen wir Harry Styles männlich sein, lassen wir ihn feminin wirken, lassen wir ihn machen, was er möchte. Beurteilt werden als Mensch sollte er - und jeder andere Mensch - nach seinem Handeln.

„Treat People with Kindness“: Behandle Menschen freundlich, ob in Jeans oder im Kleid

Und wenn die positive Botschaft, Menschen mit Freundlichkeit zu behandeln, die Harry Styles nicht nur durch einen Song in die Welt hinaus singt, unmännlich ist, dann wünsche ich mir viel, viel mehr Unmännlichkeit in der Welt. Und das für die Owens dieser Welt vermutlich Unfassbare daran ist: Harry Styles kann Positives in die Welt bringen in Skinny Jeans, einem Kleid, einem Sack mit Muster und, wenn er das möchte, auch nackt.

Während die Candace Owens dieser Welt nämlich mit verurteilenden Tweets über toxische Bilder von Männlichkeit Schlagzeilen machen, macht Styles sie, indem er veraltete Normen nicht nur in Frage stellt. Er schreitet über solche Grenzen einfach hinweg, die oftmals nur da sind, weil zu selten über sie getreten wird. Gleichzeitig ermutigt er damit andere so zu sein, wie sie sich wohlfühlen. In der Vogue erklärt er, dass Kleidung Spaß machen soll und wenn man sich darin wohl fühlt, sei sie wie ein Superhelden-Outfit. Sobald man Grenzen entfernt, wie „es gibt Kleidung für Männer und es gibt Kleidung für Frauen“, habe man viel mehr Möglichkeiten, damit zu spielen und Spaß zu haben

Harry Styles auf dem Vogue-Cover: Lasst uns positive Menschen wertschätzen

Und es kann mir keiner erzählen, dass nicht gerade jetzt ein bisschen Spaß und Freude willkommen sind. Dinge und Menschen, die glücklich machen und Positives ausstrahlen. Nicht ohne Grund finden sich bei Youtube unter den One-Direction-Videos viele Kommentare aus diesem Jahr, in denen die Verfasser erklären, dass Corona sie dorthin zurückgeführt hat. Nicht umsonst versammeln sich Tausende Menschen weltweit vor ihrem Laptop, um auf die Premiere eines neuen Harry-Styles-Musikvideos zu warten. Nicht unbegründet haben viele die Band und ihre einzelnen Mitglieder erst mit Corona entdeckt und schätzen gelernt, weil sie so viel positive Energie bringen. Und zu letzteren zähle ich mich selbst. 

Kein Mensch braucht diese Negativität, die die Owens dieser Welt verbreiten. Weder jetzt noch irgendwann anders. Lasst uns sein, was wir sein wollen, lasst uns tragen, was wir tragen wollen. Lasst uns positive Menschen wie Harry Styles wertschätzen. Und wer sich unbedingt über seine Kleidung aufregen möchte, sollte sich eher mit diesen furchtbaren Outfits beschäftigen, in die man ihn zu Beginn seiner Karriere gesteckt hat. Dann doch lieber der Sack mit Muster...

Rubriklistenbild: © Ian West / picture alliance / dpa

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