Die hässliche Seite der Schönheitsshow

chili-Autorin Julia.

Bassum - Du bist eins der schönsten Mädchen der Welt, alle Männer streiten sich um einen Blick von Dir. Du wachst jeden Tag in einem anderen Luxushotel auf, feierst auf den angesagtesten Partys, trägst die teuersten Klamotten und siehst Dich abends selbst im Fernsehen.

Das ist der Traum, den die Kandidatinnen in Heidi Klums Casting-Show „Germany’s Next Topmodel“ haben. Und nicht nur die. Circa vier Millionen Zuschauer gucken wöchentlich die Sendung mit den Möchtegern-Models, und viele glauben wirklich, dass alles echt ist und nur zufällig von der Kamera eingefangen wurde – die schrägen Zickenkriege, die dämlichen Fotoshootings, die idiotischen Jobanforderungen und die ganz großen Gefühle.

Als ob die Kandidatinnen in solchen Shows nach ihrem Talent beurteilt werden würden!

In Wirklichkeit zählt nur der Unterhaltungsfaktor, um Quote zu machen. Der Sender überlässt dabei nichts dem Zufall. Hier arbeiten Profis, die genau wissen, wie man richtig viel Geld verdient: Man braucht eine prominente Jury, einen witzigen Catwalk-Coach und Kandidatinnen mit den richtigen Körpermaßen.

„Wer hier weiter will, braucht Talent, Ausdruck, Charisma!“, wird uns vorgegaukelt – Fehlanzeige! Es reicht, wenn man einfach ein auffallender Charakter ist. Zicken, Tussis, Lästermäuler und Heulsusen kommen weiter. Begründungen wie: „Du hast Deine Leistungen leider nicht gesteigert“ oder „Wir glauben nicht, dass Du Deine Mängel bis zum Finale ausbessern kannst“ sind nur vorgeschobene Ausreden. Theoretisch hat doch jede Kandidatin irgendeine Schwäche, auf die man sich stürzen kann, um sie rauszuschmeißen. Wirklich gehen müssen aber nur die Langweiler.

In der letzten Zeit wurde von mehreren Medien aufgedeckt: Jede Kandidatin kriegt vom Sender ihre Rolle zugeteilt, und die Kamera ist immer in der Nähe, um jedes Geschehen zu dokumentieren. Ein gewitzter Regisseur schneidet dann das Amüsanteste über die Kandidatinnen zusammen. Die Mädchen werden ständig von einem Mitarbeiter des Fernsehsenders überwacht, damit bloß nichts entgeht. Ihre Handys müssen abgegeben werden. Bevor überhaupt irgendjemand in der Show weiter kommt, muss erst mal ein Vertrag unterschrieben werden. Wer sich weigert, darf gar nicht erst mitmachen. Im Vertrag steht dann unter anderem drin, dass die Kandidatinnen dem TV-Sender alle Rechte am Bildmaterial gagenfrei zur Verfügung stellen. Die ausgeschiedenen Mädchen gehen also ohne einen Cent nach Hause – und meistens auch mit einem geschädigten Ruf. Alles nur, um ein paar Minuten im Fernsehen zu sehen zu sein.

Die Siegerin, so habe ich gelesen, muss im ersten (also im erfolgreichsten) Jahr 40 Prozent ihrer Gagen abgeben! 20 Prozent an „ProSieben“ und 20 Prozent an die Modelagentur, die übrigens von „ProSieben“ gegründet wurde. Außerdem muss sie PR-Auftritte beim Sender für ein Jahr gagenfrei ausführen. Das Fiese: Die Verträge dürfen ohne das Einverständnis der Mädchen verlängert und bei Bedarf an die Modelagentur von Heidi Klums Vater übergeben werden. Alle verdienen sich dumm und dusselig an den Mädels – außer die Kandidatinnen selbst, die für den Erfolg der Sendung überhaupt verantwortlich sind.

Wer eitel, blöd oder verzweifelt genug ist, sich das anzutun, bitte sehr. Die nächste Staffel kommt bestimmt. Ich finde, man sollte solche Sendungen verbieten!

Julia Telis (17 Jahre) aus Bassum

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