Kult-Gruselserie "X-Factor: Das Unfassbare"

"Aber ist diese Geschichte nun wahr?"

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Dieser Typ!

Von Mara Schumacher. „X-Factor – das ist doch diese Castingshow!“ Das ist richtig, aber eingefleischte Fernsehexperten und Kinder der späten Neunziger wissen, dass hinter X-Factor nicht nur eine Sing-Sendung steckt, sondern auch die wahrscheinlich gruseligste Show, die jemals über den Bildschirm geflimmert ist.

Leider wurden zwischen 1997 und 2002 nur vier Staffeln produziert, aber die Wiederholungen laufen teilweise auf Privatsendern. Trotz der mittlerweile altbackenen Optik ist „X-Factor“ immer noch die perfekte Angsthasen-Sendung für einen trüben Sonntagnachmittag.

Der Moderator

Die erste Staffel, welche 1997 produziert wurde, moderiert James Brolin. Doch irgendwie kann der heute 75-Jährige das Mysteriöse der Sendung nicht richtig an den Mann bringen. Liegt es vielleicht an der gewissen Ähnlichkeit zum „Nackte Kanone“-Komiker Leslie Nielsen? Ab 1998 und Staffel zwei übernimmt Jonathan Frakes, bekannt aus Raumschiff Enterprise, das Grusel-Ruder. Der Typ ist schon an sich rätselhaft und wenn er dann auch noch mit seinem geheimnisvollen Blick das Publikum vor dem Fernseher fragt, ob die Geschichte nun wahr oder nur frei erfunden ist, dann fesselt das schon enorm. Seine seltsamen Wortspielchen, die er ab und zu in die Show streut, sind zwar nur selten witzig, aber das ist okay. Damit auch ja niemand vergisst, wer er ist, sagt er auch oft Sätze wie "Ich bin Jonathan Frakes." Self-Marketing ist alles. Einfach ein Mysterium auf zwei Beinen, dieser Typ.

Das Studio

Spärrliches Licht, Mumien, Ritterrüstungen, Kerzen, Kronleuchter und alte Bücher – ist das Studio tatsächlich auf der Erde oder in einer Art Zwischenwelt? Ist es vielleicht nicht doch das Büro eines Vampirfürsten? Ist Jonathan Frakes vielleicht dieser Fürst? Auf jeden Fall spukt es dort, klare Sache.

Der Aufbau

Jede Folge unterteilt sich in fünf Geschichten, die am Ende für wahr oder falsch erklärt werden. Zu Beginn jeder Folge wird eine optische Täuschung vorgestellt, die einem jedoch meistens schon bekannt ist und die in einem „Ach, das kenn ich schon, voll einfach“- Monolog abgewunken wird. Dem Publikum soll anhand der Illusionen der schmale Grat zwischen Wahrheit und Fiktion veranschaulicht werden, was Kernthema der Sendung ist. Am Ende jeder Sendung stellt sich heraus, welche Geschichten sich tatsächlich so zugetragen haben sollen. Beweise für den Wahrheitsgehalt gibt es keine, aber wenn Jonathan Frakes behauptet, dass die Geschichten wahr sind, dann ist das auch so. Punkt. Da gibt es keine Zweifel! Trotzdem hat sich wohl jeder schon einmal dabei erwischt, die richtig krassen Stories mal eben kurz zu googlen. Allerdings kommt nie etwas dabei heraus und man besinnt sich wieder auf sein grenzenloses Vertrauen zu Frakes.

Die schlimmsten Folgen

Zwar geht es in jeder Folge um gruselige und unerklärliche Dinge, doch die schlimmsten Folgen sind definitiv „Rote Augen“ und „Die Frau im Spiegel“. Wer die nicht kennt, kann nicht mitreden!

In „Die Frau im Spiegel“ geht es um Mona, die immer wieder das Gesicht einer fremden Frau im Spiegel sieht. Als ein Mann bei Mona im Haus einbricht und auch ihm die Frau im Spiegel erscheint, flieht er. Am Ende stellt sich heraus, dass es sich bei dem Einbrecher um einen entflohenen Mörder handelt und sein letztes Opfer die Frau im Spiegel war. Wer meidet nach dieser Folge sämtliche Spiegel?

Die Folge „Rote Augen“ toppt allerdings alles und hat sich so ins Hirn gebrannt, dass man die roten Augen immer noch vor den eigenen Augen hat. Darum geht es: Ein kleiner Junge sieht im neuen Haus ständig rote Augen im Dunkeln. Der Papa kann schnell die Lampen eines Elektrogeräts als Ursache ausfindig machen. Doch irgendwas stimmt nicht, denn die Augen des Kindermädchens sehen plötzlich auch so rot aus. Auch diese Schreckensfolge soll laut Frakes tatsächlich passiert sein. Puh, das ist harter Tobak. Jeder, der „Rote Augen“ gesehen hat, wird sie wahrscheinlich nie wieder vergessen. Sie ist einfach das Aushängeschild der ganzen Sendung.

Die Auflösung

Am Ende der Sendung ist Hoffen und Bangen angesagt, dass die schlimmen Geschichten sich bloß nicht als wahr entpuppen. Die wahren Geschichten sind meistens zwar vor 100 Jahren und nur „so ähnlich“ passiert, aber trotzdem bleibt man völlig verstört vor dem Fernseher zurück und muss zur Ablenkung erst mal was Lustiges gucken. „Ihr Jonathan Frakes.“ Mit diesen Worten und dem mit geheimnisvoller Musik unterlegtem Abmarsch des Moderators endet jede Folge von „X-Factor: Das Unfassbare“ und an friedlichen Schlaf ist überhaupt nicht mehr zu denken.

Hier gibt's ein paar Geschichten zum Mitraten.

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