Glosse zur 13. Staffel „Bauer sucht Frau“

„Würdest du vor einer Frau pupsen?“

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Der waschechte Westerwälder Uwe mit Iris Foto:

Von Mara Schumacher. „Die größte Ernte, die ein Bauer einfahren kann, ist die große Liebe“, läutet Inka Bause die drölfmillionste Staffel „Bauer sucht Frau“ ein. Blöd nur, dass die Bauern, die eigentlich nur so halb Bauern sind, lediglich was für die Kiste suchen oder ne Olle, die beim Kochen ganz hübsch aussieht oder am besten gar nicht weiter auffällt.

Eigentlich sind alle Landwirte, die RTL von ihren Höfen im Nirgendwo gelockt hat, nur Landwirte im Nebenerwerb. Die meisten machen lediglich nebenbei irgendwas, was Bauer laut RTL halt so machen: mit Entenküken kuscheln, ne Pferdekutsche fahren, sich von Muddi herumkommandieren lassen, selbstgemachten Käse auf einer klebrigen Wachstischdecke essen, Heu durch die Gegend schmeißen oder schlichtweg zu blöd zum Bettenbeziehen sein. Willkommen in der Klischeehölle. 

Elf Männer haben sich also mal wieder dazu bereit erklärt, das Bild des Bauers in den Abgrund zu reißen und sich öffentlich zu zurückgebliebenen Vollpfosten herabstufen zu lassen. Aber da wäre noch der zwölfte Kandidat, der als Quoten-Sunnyboy herhalten muss. Gerald ist Farmer, lebt in Namibia und kann mehr als drei Sätze geradeaus sprechen. Optisch ist er quasi der Christian Lindner unter den Bauern. Ich nenne ihn Gerald, den geilen Gepardenflüsterer. Ist klar, dass die Ladies voll auf ihn abfahren. So werden auch direkt fünf Mädels zum Hoffest gekarrt. Die Stimmung unter den Damen ist frostig, schließlich kann nur eine Germany's next Farmerfrau werden. Gerald muss sich fühlen wie der Bachelor, aber für diesen Titel fehlt ihm die klebrige Amarula-Arroganz. 

Aber kommen wir zu Benny, dem treuen Traktor-Fan. Er lebt mit seinen Eltern aufm Hof und ist seit zwölf Jahren Single. Auch seinen Zahnarzt hat er offensichtlich seit zwölf Jahren nicht gesehen. Vielleicht gibt es Zusammenhänge. Beim Anblick seiner Hofdamen rutscht ihm das Herz in die Hose, sagt Inka Bause, und das ist möglicherweise nicht das einzige, was nervös in seiner Hose hin und her rutscht.

Ándre (ausgesprochen Ooooondre) aus der Schweiz macht einen auf Franzose und hat eine Ziegenzucht mit Käserei. Leider hat er keine Zeit, um zum Hoffest zu kommen. Wer soll denn in der Zeit seine heruntergekommene Bruchbude in den Bergen  in Schuss halten? Ándre braucht eine rüstige Frau. Keine mit Farbe auf den Nägeln!! Bah, pfui! Vielleicht sollte sich der Fake-Franzose darauf einstellen, sein ganzes Leben mit Ziegen statt mit einer Frau zu verbringen. 

Klaus Jürgen hat auch konkrete Vorstellungen: Die  Frau muss kochen können! Willkommen in den 50er-Jahren. Der Meinung ist auch seine Mutter, die mit Argusaugen die Pornofotos anguckt, die Klaus Jürgen von den Bewerberinnen bekommen hat. „Hoffentlich kommen da noch andere“, meint Muddi. Und betont noch mal, dass sie gerne für Klaus Jürgen bügelt, seine Frau dann aber kochen muss. Obacht Ladies, hier wird eine Hofsklavin unter der Diktatur von Mutter Anna Elise gesucht.

Uwe, der waschechte Westerwälder, ist ein echter Charmebolzen. „Was machst du da Schönes?“, fragt Inka Bause, als sie ihm seine übersichtliche Liebespost vorbeibringt. „Heu runterschmeißen!“ Romantisch, oder? Seine Traumfrau sollte nicht weiter auffallen, also wahrscheinlich ist Farbe auf den Nägeln  auch bei ihm nicht erwünscht. Uwe wurde die Oberdeppen-Rolle zugeteilt. Er verhält sich ein wenig wie Gollum und auch die Tatsache, dass er beim Kofferpacken für die Scheunenfete daran erinnert wird, genug Unterhosen einzupacken, macht ihn nicht gerade sympathisch. „Du bist da eine empfindliche Person“, wird ihm gesagt. Der Zuschauer fragt sich: In Sachen Hämorrhoiden oder Bremsstreifen? Doch Unterhosen-Uwe ist wählerisch. Seine Hofdamen findet er nur „Joa, geht so.“

Bauer Herbert hat einen Pferdekutschbetrieb und ist zu dumm zum Bettenbeziehen. Aber dafür sucht er ja ne Frau und die sollte auch hübsch sein, wie er selbst sagt. Herbert, du bist ein Vollidiot. Setz dich bitte in deine Kutsche und fahr irgendwo hin, wo dich niemand ertragen muss.

Die Arschkarte des Jahres hat Micha, der bodenständige Brandenburger, gezogen. Seine Angebetete macht sich noch vor der Hofwoche vom Acker und so sitzt er ganz allein herum. Aber Inka  Bause hat einen tollen Tipp für den traurigen Junggesellen: Such dir doch eine von den Frauen aus, die übrig geblieben sind! Ach klasse! Das ist so ähnlich, als sei man nach zehn Cola-Korn um vier Uhr morgens in der Dorfdisko auf der Suche nach der großen Liebe. Doch alles, was man findet, sind juckende Geschlechtskrankheiten. Viel Glück, Micha. 

Sigrid, eine Kandidatin von Bauer Reinhold, hat verdammt große Ähnlichkeit mit Beatrix von Storch. Die Frisur ist nur etwas anders, Sigrid sieht aus, als hätte sie sich einen plattgeklopften Lachs über die Stirn gelegt. Wir wissen alle, dass es Chaos innerhalb der AfD gibt, aber man muss ja nicht gleich von der einen Trash-Show in die nächste hüpfen. Sigrid ist dafür eine echte Smalltalk-Expertin: „Reinhold, kennst du Schäs of Gräis nicht? Das ist der größte Sexfilm aller Zeiten.“ 

Auch sonst finden die Damen immer wieder unverfängliche Themen, die gut für ein erstes Treffen geeignet sind: „Würdest du vor einer Frau pupsen?“ Kommen wir zu den Ladies von Gerald, dem Granaten-Geparden. Die haben nämlich alle tolle Talente und Eigenschaften. Die eine ist von Polen nach Deutschland ausgewandert, die andere hat mal Kinderbücher illustriert und die nächste hat eine Pole-Dance-Stange im Keller. Das ist wirklich alles sehr beeindruckend, aber die mit der Pole-Dance-Stange sollte man echt hervorheben. Bin direkt etwas wehmütig geworden, dass ich keine habe. Aber naja, never give up. 

Das Schönste beziehungsweise das Schlimmste der ersten Folge von „Bauer sucht Frau“ kam aber kurz vor Schluss: Schäfer Heinrich tritt beim Scheunenfest mit seinem Song „Ladykiller“ (den er sicher nicht selbst eingesungen hat) auf und zappelt dabei rum wie Rumpelstilzchen auf Koks. Bilder, die sich in mein Hirn brennen. 

Das war der Moment, in dem ich den Fernseher ausschalten musste, obwohl noch acht weitere Horrorminuten bevorstanden. Ich schaffte es nicht. Daher beende ich diesen Text mit dem Zitat einer Hofdame, das euch hoffentlich alle zum Nachdenken anregen wird: „Ich werde mit meinen Geizen nicht reizen.“  

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