Generation der Leistungsträger

Tobias Kortas (21 Jahre) aus Weyhe

„Unsere Generation ist so...“ Ja, wie denn eigentlich? Und was genau soll das denn überhaupt heißen: „unsere Generation“? Eine Generation ist eine Gruppe von relativ gleichalten Menschen, die gemeinsam Erfahrungen machen und die gleichen Ereignisse, Phasen und Trends durchleben.

Aber reichen diese gemeinsamen Merkmale als ernstzunehmende Eckpfeiler aus? Ich stelle beim Betrachten meiner eigenen Generation jedenfalls fest, dass zwar munter Identifikationen ablaufen, aber die nehmen zum Teil sehr groteske Züge an. Oder sind Karriere und scheinbar müheloser Erfolg tatsächlich die Maße, die das heitere „Mitschwimmen“ innerhalb einer bestimmen Altersgruppe zu etwas Einzigartigen machen? Wenn dem so wäre, könnte sich der Staat großzügig bei uns – wie es aussieht, einer frischen Generation von Leistungsträgern – bedanken. Aber das reale Bild sieht dann schon wieder etwas anders aus.

Es ist so, dass man sich heutzutage als junger Mensch viel zu oft verläuft. Nicht weiß, was man wirklich möchte und vom Leben erwarten soll, weil es in der heutigen Welt so viele Freiheiten und Möglichkeiten gibt. Das Wort „Freiheit“ klingt zuerst nach einem der größten Menschheitsträume, aber viele von uns haben schon die Erfahrung gemacht, dass das Erreichen von immer mehr Freiheit auch das Gegenteil vom ersehnten Glück bewirken kann. Wer zu frei ist, für den verliert die Freiheit allmählich an Bedeutung. Außerdem sind wir gar nicht mehr im Stande, die unzähligen Optionen, die uns geboten werden, zu überblicken. Weil die Schule nur wenig zur beruflichen Selbstfindung eines Jugendlichen beitragen kann (es wird mehr auf eine möglichst allgemeine Bildung abgezielt), verstärkt sich diese Orientierungslosigkeit noch.

Das muss ja nix Schlechtes sein. Ein bisschen Zweifel schützen uns auch vor einer blinden Berufswahl. Schwierig wird es nur, wenn der Betroffene zwar motiviert ist, aber nicht weiß, in welche Richtung ihn diese Motivation führen soll. Gerade dieser Zustand kann ein heilloses Erfolgsdenken zum Vorschein bringen. Karriere, egal wie. Was interessieren da schon persönliche Neigungen und Fähigkeiten, wenn andere Menschen sowieso nicht wissen, wofür das eigene Herz schlägt?

Vor einiger Zeit war es noch das Größte, gegen von der Gesellschaft aufgesetzte Normen zu rebellieren und selbst hervorgebrachte Vorstellungen zu vertreten, die zwar oft utopisch wirkten, aber bei der Bildung von Charakterstärke halfen. Heute ist man dagegen nur noch angepasst, erhebt sich selten und ist ein Meister im Erfüllen von Vorgaben, die eigentlich keiner gesetzt hat. Das ist doch paradox!

Ob wir nun wirklich eine „Generation der Leistungsträger“ sind oder nicht – ich finde, es sollte darum gehen, Ideen und Konzepte für die Zukunft zu erstellen und zu versuchen, seinem Ideal erst mal möglichst nahe zu kommen. Dabei kann dieses Ideal auch wieder verworfen werden – wichtig ist es nur, dass man die eigene Persönlichkeit stärkt und erkennt, was man wirklich möchte. Aus meiner Sicht ist das der Weg zu einer glücklichen Existenz.

Ich will das Karrieredenken jetzt aber auch nicht komplett aburteilen. Es ist positiv, wenn man ehrgeizig an Zielen arbeitet. Nur muss nur klar sein, dass es nicht um das bloße Abliefern von Leistungen geht, nur um die Vorgaben einer Gesellschaft zu erfüllen. Sondern um unser eigenes Leben und unsere ganz persönliche Vorstellung davon, wie wir glücklich werden können.

Tobias Kortas (21 Jahre) aus Weyhe

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