geguckt & gedruckt: „Immer wieder Jim“

Wietzen – Selbst so ein harter, männlicher Mann wie ich möchte ja ab und zu mal ein bisschen was Nettes, Ruhigeres. Manchmal sitze ich also vor meinem gigantischen Kritiker-Fernseher in meinem gigalomanischen Kritiker-Sessel und denke mir: „Philipp, nachdem Du heute so viel getan hast, gönn Dir doch mal ein bisschen Ruhe.“

In diesen seltenen Momenten gucke ich auf Youtube „Immer wieder Jim“, eine amerikanische Sitcom, die sich durch... Nun ja, durch eigentlich nichts Besonderes auszeichnet. Die Story ist weder besonders lustig noch besonders gut geschrieben, die Gags sind alle ziemlich ähnlich, und es läuft immer auf das Gleiche hinaus.

Eine normale Folge „Immer wieder Jim“: Jims Frau will irgendwas von ihm oder aber Jim will etwas, jeder weiß, dass es nicht klug ist oder dass es am Ende eine Katastrophe gibt. Zum Schluss ist alles wieder gut, und alle haben sich lieb. Jims Frau verzeiht ihm, die Familie von Jims Frau verzeiht ihm. Alle haben sich am Ende lieb – sag ich doch.

Also, was gefällt einem tollen Typen wie mir an einer so durchschnittlichen Serie? Hm, vermutlich ist es wirklich die Durchschnittlichkeit. In dieser schnelllebigen Zeit – sehnt sich da nicht jeder mal nach einem Moment der Ruhe? Nur ein paar Minuten, um sich zu entspannen, um sich auszuruhen, um einfach mal nicht von großen Effekten und großen Geschichten erschlagen zu werden? In diesen Momenten hilft mir „Immer wieder Jim“.

Es ist, als würde ich eine durchschnittliche Geschichte lesen, ein Buch, das ich schon mal gelesen habe, aber immer wieder lese, einfach, weil es mich beruhigt. Aus dem Grund gucken manche Menschen romantische Komödien – weil sie wissen, dass es am Ende gut ausgeht.

Eine kleine Heile-Welt-Familie. Ein hart arbeitender Mann mit einer eigenen Baufirma, eine hübsche, kluge Hausfrau, drei süße Kinder. In dieser Bonbonwelt gibt es keine Finanzkrise, es gibt keine Drogen, mal davon abgesehen, dass Mama mal geraucht und die kleine Tochter es gesehen hat. Die Schwester heiratet einen Zahnarzt, der dicke Bruder hat kein Glück mit Frauen – aber wird er darum depressiv oder tötet wahllos Prostituierte? Nein. Es gibt eine Folge, in der Jim Angst hat, dass sein Sohn schwul werden könnte – aber wird das zu einem Problem? Natürlich nicht, am Ende tragen einfach alle Kleider. Es gibt keine Probleme in diesem schönen weichen Butter-und-Zucker-Land. Es gibt auch keinen wirklichen Stress. Alles ist gut... Alles ist gut... Alles ist gut.

Böse Menschen könnten mir armem Kritiker jetzt vorwerfen, dass „Two and a half men“ genauso ist. Jeder Charakter hat einen Witz, die Folgen gehen eigentlich immer gleich aus, kaum eine Folge hat irgendwas mit der nächsten zu tun oder Einfluss darauf. Stimmt, aber bei „Two and a half men“ konnte ich mich nie einfach treiben lassen.

Natürlich gibt es bessere Serien, anspruchsvollere und tollere mit witzigeren Dialogen und schöneren Bildern. Aber warum sollte man nicht auch mal einfach was gucken, wonach man am Ende des Tages zufrieden einschlafen kann?

Philipp Schockenhoff (22 Jahre) aus Wietzen

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