"Gar Nichz" ist Bloggerin auf YouTube:

„Ich denke in Videos!“

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"Gar Nichz" ist Bloggerin auf YouTube:

Alles begann mit einer alltäglichen Internet-Suche. „Ich bin auf ein Beauty-Video von Herr Tutorial gestoßen und habe gemerkt, dass es nicht nur Musikvideos bei YouTube gibt, sondern auch Leute, die einfach über verschiedene Dinge reden.“

Von Marcel Kloth (18 Jahre) aus Syke

und Phillip Syvarth (18 Jahre) aus Bassum

Das war für sie inspirierend, und sie begann, weiter zu forschen.

 „Ich habe mehr von solchen Videos entdeckt, allerdings nie YouTuber gefunden, die einfach über ihr Leben reden. Und das wollte ich machen, ich hatte Bock auf mein eigenes Konzept.“

So entschied sie sich vor 1,5 Jahren dazu, ihr erstes eigenes Video zu produzieren. Rückblickend bewertet sie es aber als ziemlich schlecht. „Ich saß da vor der Kamera und habe 10-20 mal neu angefangen und konnte mir kaum vorstellen, jemals routiniert zu werden.“ Mit der Zeit und Erfahrung gelang es ihr jedoch, sodass sie die Entscheidung sehr positiv bewertet. „YouTube war das Beste, was ich machen konnte!“

Ein Name für ihren Kanal war auch schnell gefunden, der Name "Gar Nichz" erschien ihr lustig. Und das wurde dann auch ihr Künstlername. Ihren richtigen Namen möchte die Bloggerin, die übrigens heute 18 Jahre alt geworden ist, nicht veröffentlichen.

Aus Angst vor peinlichen Videos und dem Scheitern des Kanals, erzählte sie zuerst nur ihrer besten Freundin davon. Als sich erste Erfolge abzeichneten, erfuhr auch ihre Familie und der Freundeskreis davon. „Nach einem halben Jahr habe ich ein Video gemacht, dass ich auf meinem privaten Facebook-Account verlinkt habe. Meine Mama hat mich damals kaum wiedererkannt.“ Obwohl Gar Nichz für Bekannte vor der Kamera anders zu sein scheint, sagt sie selbst, dass sie in Videos nicht schauspielert und in keine Rolle schlüpft. „Ich habe einfach eine neue Seite von mir kennengelernt. Ich würde sogar sagen, dass ich manchmal in den Videos mehr Ich selbst bin, als außerhalb von YouTube.“

An ihre Anfangszeit denkt sie positiv zurück, da sie nur wenige Abonnenten hatte und sich über jeden einzelnen gefreut hat. „Jetzt ist das mehr Normalität, es müsste schon viel passieren, damit ich mal wieder so richtig ausraste!“ Nun ist sie schon länger dabei, aber das komische Gefühl, das entsteht, wenn sie allein mit der Kamera redet, bleibt. „Ich weiß ja, dass 15000-20000 Menschen mir später zusehen werden. Das kann man sich schlecht vor Augen führen.“

Mit der Entscheidung für Videos musste es natürlich auch eine Richtung und ein Konzept geben. Dabei ist sie vielseitig und legt sich nicht auf eine bestimmte Art fest. „Ich liebe Videos, in denen ich einfach aus meinem Leben erzähle, das ist lustiger als alles andere. Ich mache auch gerne Collagen und Künstlerisches, eben Aufwändigeres.“ Neu waren natürlich auch die Rückmeldungen von völlig fremden Personen. Diese bezeichnet sie aber als nett und supercool. „Die kennen mich eben nicht in der Wirklichkeit und schreiben mir so unvoreingenommen, was sie von mir denken.“

Ihre zahlreichen neuen Ideen schreibt Gar Nichz in ein kleines Notizbuch. Egal, ob ihr diese Gedanken im Alltag oder mitten in der Nacht bekommt, alles wird festgehalten und später in Videos verpackt. „Ich denke in Videos!“

Trotzdem ist die Reaktion auf neue Videos nicht vorhersehbar. „Letzte Woche habe ich ein Video über Themen wie die Normalität von Homosexualität gemacht. Die Rückmeldungen waren aber sehr positiv.“

Ihr größter Erfolg war der Gewinn eines Contests des bekannten deutschen YouTubers Liont. Die Prämie war ein Videodreh mit ihm. Das Bewerbungsvideo hat Gar Nichz am letzten Tag kurz vor Einsendeschluss abgeschickt. Mit dem Gedanken zu gewinnen und tatsächlich zu Liont zu fahren, konnte sie sich aber lange Zeit nicht anfreunden. „Als es dann immer realer wurde und ich schließlich gewonnen habe, bin ich doch zu ihm und habe ihn dann als wirklich lustigen Youtuber und Mensch kennengelernt. Der Videodreh hat Spaß gemacht.“

Natürlich ist Gar Nichz nicht nur aktiv dabei, sie lässt sich auch gerne von anderen YouTubern unterhalten. „Ich schaue selber gerne die britischen Kanäle. Meine Favoriten sind unter anderem Casperlee und PewDiePie. Das ist der größte Youtuber der Welt und der ist trotzdem nicht abgehoben. Bei den deutschen gefallen mir eher die kleineren und unbekannteren. Und natürlich Liont, den ich jetzt noch viel besser als vorher finde.“ Doch nicht nur mit Liont sondern auch mit dem bekannten ProSieben-Magazin „Taff“ stand sie schon in Verbindung. Die Redakteure wollten mit ihr einen Beitrag über Facebook drehen, da sie dies in einem ihren Videos thematisiert hat. „Leider hat das im Nachhinein nicht geklappt, weil ich eben nicht in der Nähe des Studios in München wohne.“

Unabhängig von diesen größeren Events freuen sich ihre Fans über jedes neue Video. „Der Austausch mit der Community ist etwas ganz tolles! Ich denke, durch eine ehrlich Meinung, kann ich andere zum Nachdenken anregen.“Das ist ein geben-und-nehmen zwischen mir und meinen Abonnenten.“

Doch neben diesen positiven Situation gibt es auch immer negative Aspekte, an die man sich anpassen muss. So muss man mit Hatern umgehen können, das kommt aber selten vor, sodass es ihr eigentlich keine Probleme bereitet. „Da es sich nicht ernstgemeinte Kritik handelt, geht das einfach an mir vorbei.“ Nur die hartnäckigen Anhänger von DSDS-Vizesieger Daniele Negroni haben es ihrer Meinung nach übertrieben. „Ich habe mir mal einen Scherz über ihn erlaubt. Die Fans des Sängers verstehen aber anscheinend absolut keinen Spaß. Seit dem Video versuchen sie mich ständig niederzumachen. Ich ignoriere das einfach und weiß, dass ich genug Leute habe, die mich bei meinen Videos unterstützen.“

Ein anderes negatives Geschehnis, auf das sich nicht nur Gar Nichz sondern jeder YouTuber einstellen musste, ist die kürzlich entstanden Verknüpfung von der Videoplattform und Google+. „Man kann es nicht anders sagen, das ist scheiße! Alles in YouTube ist jetzt auf Google+ bezogen, die wollen nämlich mehr Benutzer. Darunter leidet jetzt unter anderem das Kommentarsystem. YouTube ist nicht mehr YouTube, YouTube ist jetzt Google+.“

Ein weiterer Nebeneffekt ist laut Gar Nichz die Einschränkung der Privatsphäre. Einmal ist ihr echter Name unter einem Video aufgetaucht und seitdem wird sie häufig von privaten Anfragen auf Facebook genervt.

Oft ist es nicht leicht, denn Alltag mit YouTube zu koordinieren. Prioritäten müssen gesetzt werden! Dabei zieht sie Videos anderen Dingen in der Regel vor, da YouTube ihr viel mehr gibt und sie sich auf die vielen Rückmeldungen freut. „Als ich letztens krank war, habe ich trotzdem Videos gemacht. Das macht mich gesund. YouTube ist mehr als ein Hobby, es ist für mich schon ein Nebenjob. Es braucht viel Zeit, mit der Community in Kontakt zu stehen.“

Die Zukunft betreffend sollte Gar Nichz auf jeden Fall noch lange beibehalten werden, ein erstes Ziel ist es die 100.000-Abonnenten-Grenze zu knacken. „Es macht mehr Spaß, wenn möglichst viele Leute dabei sind.“ Ob sie allerdings für immer dabei bleibt, steht noch in den Sternen. „Die nächsten fünf Jahre sind aber sicher!“ Bald wird auch der erste Verdienst dazukommen, da mit der Volljährigkeit auch durch vorgeschaltete Werbung Geld verdient werden kann.

Insgesamt ist es ihr wichtig, sich selbst treu zu bleiben. „Ich will kein Product Placement machen und keine fremden Meinungen verkünden, nur um dabei Geld abzustauben.“ Bei ihrer offenen Art wird ihr dies aber nicht schwerfallen. Mit ihren kreativen und lustigen Einfällen wird sie ihre Zuschauern auch in Zukunft begeistern.

Außerhalb von YouTube findet man Gar Nichz noch bei Facebook. Da ist sie auch relativ aktiv. „Bloggen tue ich aber nicht. Da steht auch erstmal nichts zu an. Was ich loswerden will, sage ich in Videos.“

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