Fairer Handel

Billige T-Shirts – Wer zahlt den Preis?

Schüler des Syker Gymnasiums setzten sich kritisch mit der Kleidungsindustrie in Niedriglohnländern auseinander

Wo kommt unsere Kleidung her? Unter welchen Umständen wird sie produziert? 24 Schüler des achten Jahrgangs des Syker Gymnasiums beschäftigten sich in den letzten Wochen im Unterricht intensiv mit dem Thema „Billige T-Shirts – Wer zahlt den Preis?“. Stellvertretend für ihre Mitschüler beantworteten Rina Rehenbrock (13 Jahre) aus Barrien und Moritz Volkmann (13 Jahre) aus Bassum die Fragen von chili-Volontärin Anne Schmidtke.

Warum beschäftigt ihr Euch mit dem Thema?

Moritz: „Wir finden das Thema spannend. Außerdem ist im Lehrplan festgelegt, dass wir an dem Schülerwettbewerb zur politischen Bildung teilnehmen müssen. Es gab verschiedene Vorschläge. Zusammen mit unserem Lehrer haben wir dann beschlossen, dass wir uns Gedanken machen zu ,Billige T-Shirts – Wer zahlt den Preis?’.“

Wo kommt Kleidung denn überwiegend her?

Rina: „Aus dem Ausland. Hauptsächlich aus China, Bangladesch und der Türkei. China ist der zweitgrößte Lieferant für Kleidung. Fast alle chinesischen Frauen arbeiten in der Textilindustrie.“

Moritz: „Ich habe mir vorher nie Gedanken darüber gemacht, wo meine Klamotten herkommen.“

Rina: „Die wenigsten Unternehmen produzieren in Deutschland. Hätte ich keine Sachen aus dem Ausland, wäre mein Kleiderschrank ganz schön leer.“

Wie sind die Arbeitsbedingungen der Näherinnen?

Moritz: „Unterschiedlich schlecht. In China bekommen sie pro Monat nur 30 Euro Lohn. In Bangladesch gibt es 30 bis 50 Euro. Die Näherinnen haben kaum freie Tage, Überstunden werden nicht bezahlt und die Schichten dauern von 8 bis 22 Uhr. Außerdem atmen sie ständig die Chemikalien vom Bleichen der Stoffe ein und in den Räumen fliegen viele Fussel herum. Die Näherinnen sind daher oft krank. Doch wenn sie nicht zur Arbeit gehen, sind sie ihren Job los.“

Rina: „Ein Großteil hat keine Kranken- und Rentenversicherung. Dafür haben sie kein Geld. Die Näherinnen müssen also so lange arbeiten, wie es geht.“

Moritz: „Außerdem sind viele Hallen, in denen gearbeitet wird, nicht stabil.“

Könnt Ihr Euch vorstellen, so lange zu arbeiten?

Rina: „Das kann sich doch kaum jemand vorstellen. Ich bin oft schon nach einem Schultag kaputt. Und da gibt es Pausen. Außerdem ist die Arbeit körperlich sehr anstrengend. Ich könnte nicht die ganze Zeit sitzen.“

Moritz: „Ich könnte das nicht. Ich muss ja auch mal auf Toilette, was Essen und was Trinken.“

Gibt es überhaupt Fair-Trade-Kleidung?

Rina: „Es gibt, glaube ich, mehr Fair- Trade-Lebensmittel als Kleidung. Da, wo ich alleine zum Shoppen hinkomme, also nach Syke und Bremen, gibt es, so viel ich weiß, keine Läden, die fair gehandelte Klamotten verkaufen.“

Moritz: „Im Internet gibt es Fair-Trade-Klamotten. Aber die sind sehr teuer. Die kann ich mir von meinem Taschengeld nicht leisten.“

Wärt Ihr bereit, mehr für Kleidung zu bezahlen?

Rina: „Letztens habe ich mir einen Rock selbst genäht. Ich musste mir Bündchen-Stoff, Jersey-Stoff, Garn und passende Nadeln kaufen. Da war ich bei 20 Euro. Den Zeitaufwand und die Stromkosten für die Nähmaschine noch nicht mit einberechnet. Einen ähnlichen Rock habe ich mir letztens für vier Euro gekauft. Und der sah schöner aus als der, den ich selbst genäht habe. Die Nähte waren viel besser und aufwendiger verarbeitet. Ich fände es daher gut, wenn die Näherinnen mehr Geld bekommen würden. Mehr als die Hälfte des Verkaufspreises sollte an sie und nicht an die Firmen gehen.“

Warum produzieren denn viele Firmen ihre Waren im Ausland?

Rina: „Die Produktionskosten sind in China oder Bangladesch geringer als in Deutschland. Für die Firmen springt somit ein höherer Gewinn dabei raus.“

Moritz: „Wenn die Unternehmen die Sachen hier herstellen würden, wäre die Kleidung nicht mehr so günstig.“

Rina: „Aber wenn die hier produzieren würden, hätten sie auch nicht mehr so hohe Fahrtkosten, die bezahlt werden müssten.“

Was wünscht Ihr Euch für die Näherinnen in den Billiglohnländern?

Moritz: „Ich wünsche mir, dass die Arbeitsbedingungen für die Näherinnen besser werden. Sie sollten definitiv auch mal Urlaub bekommen. Außerdem hoffe ich, dass die Menschen beim Klamottenkauf mehr darauf achten, was sie mit nach Hause nehmen.“

Rina: „Die Leute sollen sich Gedanken darüber machen, was sie kaufen. Ihr Einkaufsverhalten kann man allerdings sicher nicht von heute auf morgen ändern. Ich achte auf jeden Fall jetzt viel mehr darauf, was ich trage. Außerdem hoffe ich, dass die Situation für die Näherinnen besser wird. Sie sollten nicht länger unter so gesundheitsgefährdenden Umständen arbeiten müssen.“

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