Eine Wortakrobatin im Interview

Annika Blanke

Oldenburg – Von Rebecca Göllner - Papier und Stift hat Annika Blanke immer dabei. Sogar unterm Kopfkissen, falls ihr in der Nacht mal wieder eine gute Idee kommt. Wenn sie wach ist, reist und liest sie gerne.

Dabei zieht es sie ganz besonders zu spannenden Orten – in Jugendzentren, Cafés und Clubs zum Beispiel, auf Slambühnen, in Theater oder sogar zu Massenveranstaltungen wie dem „Wacken Open Air“. Andere Menschen mit dem, was sie schreibt, mitzureißen und eines Tages von ihren Geschichten leben zu können – so wie große Buchautoren wie Joanne K. Rowling, Steven King, ja sogar Rosamunde Pilcher – das möchte auch Annika schaffen. Sie ist Doktorandin im Fach Amerikanistik und Lehrerin für Deutsch und Englisch, und nebenbei betreibt sie in Oldenburg zusammen mit ihrem Slam-Teampartner Christian Bruns und in Kooperation mit dem Literaturbüro die Lesebühne „Metrophobia“. Außerdem soll Annikas erster Roman in diesem Herbst erscheinen. Viele gute Gründe, sich mal mit ihr zum Interview zu verabreden.

Wie bist Du zum Schreiben gekommen?

Das grundsätzliche Handwerk wurde mir in der Grundschule beigebracht, die nötige Portion Fantasie vom Elternhaus – danke, Mama und Papa, für eine Kindheit voller Bücher und eine Normalität voller Träume! – und das nötige Selbstvertrauen, meine Texte öffentlich zu machen, entwickelte sich in der Jugend. Ich hatte glücklicherweise auf dem Gymnasium zwei tolle Deutschlehrer, die an meine Fähigkeiten geglaubt haben. Das Bedürfnis, zu schreiben, zu erzählen, war schon da, bevor ich überhaupt richtig schreiben konnte. Literatur war und ist das Medium, in dem ich mich am meisten wiederfinden kann, in dem ich meine Gedanken und Gefühle am besten ausdrücken kann. Andere gründeten mit 14, 15 eine Band, ich habe Geschichten geschrieben.

Woher bekommst Du Deine Ideen?

Es heißt so schön: „Die besten Geschichten schreibt das Leben selbst.“ Genau so ist es auch: Die Geschichten, die den Zuschauern oder Zuhörern meiner Geschichten oft am krassesten vorkommen, sind meist die, die so ähnlich passiert sind. Ich schnappe viel auf, wenn ich auf Lesetour bin – in Zügen, auf Bahnhöfen, aber auch im ganz normalen Alltag. Man glaubt gar nicht, was man alles erleben kann, wenn man aufmerksam hinsieht und -hört! Das schärft den Blick, und die Fantasie spinnt dann so manche aufgeschnappte Inspiration weiter. Hast Du Vorbilder? Puh, das ist schwer! Es gibt Autoren, die ich sehr schätze, aber meist, weil sie so ganz anders schreiben: Kästner, Dürrenmatt, Faulkner, Andrea Gibson (das ist eine US-amerikanische Poetry-Slammerin), auf der Bühne noch vieles von Rainald Grebe. Sie alle verbindet aber diese ganz genaue Beobachtungsgabe, der Blick fürs Kleine.

Autoren gelten ja oft als verschlossen. Du trittst aber häufig bei Poetry Slams auf. Was ist der Reiz daran?

Das direkte Feedback des Publikums. Ich schreibe einen Text und kann gleich sehen, wie er anderen gefällt. Man kann eben mit dieser Form der Literatur unmittelbar viele Leute erreichen. Ein gewisser Hang zum Theatralisch-Darstellerischen ist da schon nützlich, immerhin leben Texte auch von der Performance. Außerdem sieht man gleichzeitig immer bei einem Slam so viele unterschiedliche Charaktere mit so unterschiedlichen Texten auf der Bühne, das macht auch als Zuschauer viel Spaß!

Meinst Du, dass es typische Frauen- und Männerliteratur gibt?

Hm, keine Ahnung, ehrlich gesagt.

Das beste Buch, das Du in letzter Zeit gelesen hast?

Ein Buch, das mich seit Jahren begleitet und an dem ich immer wieder neue Facetten entdecke: „Als ich ein kleiner Junge war“ von Erich Kästner. In letzter Zeit dazu noch verschlungen und geliked: „Neue Mitte“ von Jochen Schimmang.

Lieber eine Million auf dem Konto mit Herz-Schmerz-Romanen oder hochwertige Literatur und am Existenzminimum?

Kann man nicht jeweils den ersten Teil der Optionen miteinander verbinden? Das wäre schön! Geht bestimmt, irgendwie. Es liest doch immerhin jeder gerade „ein gutes Buch“, höre ich zumindest oft, zum Beispiel im Zug, wenn ich unfreiwillig Unterhaltungen oder Telefongespräche mithöre. Nein, im Ernst: Die Literatur bietet so viele mögliche Welten und einen inneren Reichtum, dass es schade wäre, ihn nicht zu nutzen. Was man liest, worüber man mehr erfahren will, in welche Gedanken man abtauchen möchte, das soll jeder selbst entscheiden. Und wer nicht immer lesen mag, der kann sich bei Lesungen oder Poetry Slams auch gerne vorlesen lassen.

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