Das innere Kind ist immer bei uns

Komm' mit auf eine nostalgische Reise: Spielzeug

+
Meine Plastik-Ladys auf der Fensterbank.

Von Mara Schumacher. 2016 scheint irgendwie nicht so ganz nach Plan zu laufen beziehungsweise ist gar nicht so modern wie es klingt. Viel Spielzeug und Sammelkram, was als Kind oder Teenie in den 90ern und frühen 2000er-Jahren super angesagt war, erlebt momentan eine richtige Revolution. Und das ist gut so.

Aber warum ist das so?

Vermutlich weil in jedem von uns ein Leben lang das innere Kind wohnt. Und Kind sind wir doch vor allem dann gern, wenn das Erwachsensein mal wieder richtig stresst und abnervt. Die Dinge, Filme, Spielzeuge und Musik, die wir früher geliebt haben, erinnern uns auch heute noch an eine unbeschwertere Zeit, als der Kopf noch nicht voll von Terminen und anderem Krams war. Früher hat man noch tatsächlich gespielt (draußen und im Dreck) und sich intensiv mit Dingen beschäftigt, heutzutage bedeutet Spielen für Kinder vor allem mit dem neuesten iPhone rumzueiern. Und wenn an allen Ecken der ach so tolle Fortschritt lauert, ist es doch super, auch mal einen Schritt zurückzugehen und sich mal eine Weile in der Vergangenheit zu entspannen und zu erholen. Die Welt und das Leben werden technischer, moderner, aber auch oberflächlicher und hektischer. Und was gibt es Schöneres, als einen kleinen Teil der Kindheit mit ins Diesseits zu nehmen, der uns ins schwierigen Situationen ein wohliges Gefühl gibt – dieses Gefühl von damals.

Spielzeug und Sammelkram

Pokémons, niemand kam an ihnen vorbei. Und selbst wenn man keine Ahnung von den kleinen Taschenmonstern hatte, besaß eigentlich jeder die ein oder andere Karte oder hat sich zumindest ein Poster ins Zimmer gehängt, wo alle Pokémons als Übersicht drauf waren. Sich auf dem Schulhof als Anti-Pokémon-Fan zu outen, war nämlich 'ne heikle Sache. Zusätzlich zum Kartensammeln wurde nach der Schule auf RTL 2 die Serie dazu geguckt. Jeden verdammten Tag. Tja, und ein Blick aus dem Fenster verrät, dass die Pokémons wieder da sind - und mit ihnen ganze Wandergruppen verschiedener Generationen, die Marathonläufe ablegen, um ein wildes Taubsi mit ihrem Handy einzufangen. Ich sage ja, das innere Kind bleibt immer bei uns.

Auch wenn der aktuelle Hype wirklich jeden vereinnahmt, waren Pokémons früher eher so 'n Jungsding, genauso wie Digimons, die irgendwann später auftauchten. Mädels waren eher von einer anderen japanischen Figur namens Sailor Moon besessen. Hachja, die war so cool. Natürlich ist jedes sieben- bis zwölfjährige Mädchen mindestens einmal im Leben mit einem selbstgebastelten Diadem als Sailor Moon  oder Jupiter Moon oder "Was-auch-immer-Moon" zum Schulkarneval gegangen und hat sich eingebildet, auch magische Kräfte zu haben. "Komm, du hast die Magie der Macht". Und wo wir schon bei japanischen Figuren sind: Wann wird Takeshi's Castle endlich wieder ausgestrahlt? Jeder, wirklich jeder wollte in dieser völlig abgedrehten Show einmal mitmachen. Vor allem, weil man es selbst natürlich viiiiel besser hinbekommen hätte, als die Kandidaten.

Awwww, Sailor Moon. <3

Barbie, das war eindeutig die schlimmste Sucht der Kindheit. Damals haben sich die kleinen Barbie-Fanatiker ein Millionen-Imperium mit der Puppe aufgebaut, das noch viel krasser war, als das von Paris Hilton: An sich hatte jedes Mädchen so an die 30 Barbies, und für jede dann auch coole Klamotten und alles, was es an Zubehör so gab, vom Kleiderschrank, über das Barbiepferd, Barbieboot bis hin zum Traumschloss. Ken war nicht so der Bringer, weil er immer gleich aussah und keine langen Haare hatte. Außerdem war Barbie auch als Single glücklich. Das absolute Desaster bahnte sich an, wenn die Eltern keine 40 D-Mark für die 87. Barbie ausgeben wollten und mit der Billig-Kopie ankamen, die es bei Ernsting's Family zu kaufen gab. Wie hieß die noch? Erika oder so? Das ging gar nicht und war oft Auslöser für stundenlange Heulkrämpfe. Tja, beim Thema Barbie wurden auch kleine Rotzgören ein bisschen zur Diva. Wie viele erinnern sich wohl noch an das schmerzhafte Erlebnis, wenn der kleine Fuß in einen kleinen spitzen, Barbie-Schuh getreten ist, den man zuvor unter Tränen stundenlang gesucht hatte? Aua. Meine Plastik-Ladys sitzen immer noch auf meiner Fensterbank, allerdings haben sie keine Klamotten an, die sind einfach zu teuer. Nun verstehe ich meine Eltern.

Super Puppen-Alternative war Polly Pocket. Heute frage ich mich, wie sich Mädels mit diesen winzigen Figürchen so lange beschäftigen konnten. Im Grunde konnte man damit überhaupt nichts anfangen, außer Polly und ihre Chicas immer wieder woanders hinzusetzen. Der Burner war allerdings, als eine magnetische Landschaft auf den Markt kam, wo man Polly mit einem kleinen Hebel bewegen konnte. Boooooa. Achja, wie viele Einzelteile der Polly-Häuser im Laufe der Jahre im Nirgendwo verschwanden, bleibt bis heute ungeklärt.

Ein gefülltes Diddl-Sammelalbum war damals gefühlt drei Millionen Mark wert.

Auch wenn es super-klischeehaft ist, aber damals haben Mädels nun mal mit Püppchen gespielt und Jungs mit Autos, zum Beispiel mit der Carrera-Bahn, die es von Oma und Opa zu Weihnachten gab und die Papa natürlich noch an Heiligabend aufbauen musste. Oder mit dem Rennsimulator, bei der die Formel 1 plötzlich so greifbar nah wie nie erschien. Die eigene kleine Welt haben sich die kleinen Architekten auch gerne mit Playmobil zusammengeschustert. Und zwar so, dass das Kinderzimmer wirklich nur aus Playmobil bestand: Von der Ritterburg bis zum Piratenschiff gab es einfach alles und jeder Kinderzimmer-Besucher musste höllisch aufpassen, um nicht irgendwo reinzutreten und das Gesamt-Kunstwerk zu zerstören. Denn dann gab es wieder ein dreistündiges Heul-Konzert der Extraklasse. Leider war Playmobil ziemlich teuer. Selbst ein winziges Figürchen kostete ein gefühltes Vermögen. Da half nur, bis zum Geburtstag oder Weihnachten zu warten oder die 2 D-Mark Taschengeld jahrelang zu sparen. Das ging allerdings auch nicht so einfach, weil man die schon beim Kiosk für krasse "Center Shocks" ausgegeben hatte.

Mein größtes Sammellaster waren Diddl-Blätter, die ich natürlich fein säuberlich ins Album einsortiert hatte. Ich fand es völlig legitim, einen ganzen Block zu kaufen, aus dem ich nur ein Blatt brauche. Das Album wurde jeden Tag mit in die Schule geschleppt, um auf dem Pausenhof ganz fachmännisch mit den Blättern zu dealen. Dabei gab es normale und seltene Diddl-Blätter. Wobei ich bis heute nicht verstanden habe warum manche nun einen angeblichen Seltenheitswert haben sollten.

Flummis habe ich auch wie verrückt gesammelt. Ich war ein richtiger Junkie: Vor jedem Automat habe ich 50 Pfennig rausgekramt, damit ich mir den coolen Glitzer-Flummi ziehen konnte. Natürlich kam nie der Glitzer-Flummi raus, sondern ein total hässlicher. Und was hab ich mit den ganzen Flummis gemacht? Durch die Gegend geschmissen, bis irgendwann alle weg waren. Toll.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Meistgelesene Artikel

Brustkrebs: Es sind nicht nur Knoten – diese Anzeichen solltet ihr ernst nehmen

Brustkrebs: Es sind nicht nur Knoten – diese Anzeichen solltet ihr ernst nehmen

Brustkrebs: Es sind nicht nur Knoten – diese Anzeichen solltet ihr ernst nehmen
„Es ist normal, hin und wieder nackt zu sein“

„Es ist normal, hin und wieder nackt zu sein“

„Es ist normal, hin und wieder nackt zu sein“
Diese Wörter sind vom Aussterben bedroht

Diese Wörter sind vom Aussterben bedroht

Diese Wörter sind vom Aussterben bedroht
Wenn nach der Trennung die Welt still steht....

Wenn nach der Trennung die Welt still steht....

Wenn nach der Trennung die Welt still steht....

Kommentare