„Nichts schmeckt so gut, wie sich dünn sein anfühlt“

chili-Autorin Linda.

Verden - Manchmal stecke ich morgens ein paar Sachen in meine Handtasche, die da eigentlich nicht reingehören. Äpfel zum Beispiel. Ich mag keine Äpfel. Oder Gummibärchen. Mag ich auch nicht. Manchmal sogar Schokoriegel. Und die mag ich am allerwenigsten. Diese Sachen sind aber auch nicht für mich. Und auch nicht für die hungernden Kinder in Afrika. Diese Sachen sind für die hungernden Mädchen in meiner Stadt.

Wenn ich eins davon sehe, wie es durch die Horden von Menschen schlüpft, dann reiche ich ihm etwas von meinem Proviant. Ich mache das nie auffällig, immer versteckt. Ich sage: "Hier, das hast Du wohl nötig" und schiebe ihr einen Schokoriegel zu. Manchmal höre ich sie dann hinter mir her schimpfen und möchte lachen und singen: "Man findet keine Freunde mit Salat".

Mein persönliches "Brot-für-die-Stadt"-Projekt läuft schleppend. Vermutlich wird es zukünftig noch schleppender gehen, seit das als Streichholz verkleidete Topmodel Kate Moss den legendären Leitspruch aller Magersüchtigen in einem Interview von sich gegeben hat: "Nichts schmeckt so gut, wie sich dünn sein anfühlt".

Da kann man eigentlich nur gratulieren. Zu vollkommener Dummheit, Verblendung und Ignoranz. Denn mal abgesehen von der Vorbild-Funktion, die Kate Moss innehat, geht es ja hier auch um ihr eigenes Leben. Und das scheint ihr wenig wert zu sein. Ich dachte, wir wären langsam mal aus dem Zeitalter der Magersucht herausgewachsen. Dünn sein ist so 2007. Und ich frage mich, wozu jemand heute noch so extrem mager sein wollen würde. Um im Winter noch schneller zu frieren? Um in der Kinderabteilung Hosen kaufen zu müssen? Um Ùberteuerte Designer-Mode tragen zu können, die sich keiner leisten kann? Um sich ständig Pizza, Schokolade und alles, was man liebt, zu verkneifen?

Ich würde gerne an Kate Moss' Stelle treten. Für ein paar Wochen, nur so zum Spaß. Ich würde jedes Interview-Angebot annehmen und meine Rolle als ich selbst sehr ernst nehmen, ebenso wie meinen Auftrag, unsere Gesellschaft von diesem Knochen-Fetischismus zu befreien. Ich würde dann im Fernsehen sitzen und allen erzählen, dass ich nie Sport treibe. Ich würde meine Cowboystiefel präsentieren und erklären, dass ich mich damit auf 1,80 Meter schummele. Der Reporter würde dann vermutlich fragen, wie viel ich wiege. Ich würde ihn bitten, doch mal zu schätzen. Er würde 75 Kilo sagen, und ich würde mich geschmeichelt fühlen. Wenn er fragt, ob ich nicht finde, dass ich mich etwas zu freizügig für mein Gewicht anziehe, würde ich aufstehen, meinen Minirock präsentieren und ihnen zeigen, wie das bei einer Frau auszusehen hat: Die Oberschenkel sollten sich im Idealfall beim Laufen berühren. Ich würde sagen: "Ich habe da einen Bauch, wo andere Death Valley mit sich herumtragen. Wenn ich mich hinsetze, schlägt der keine fünf kleinen Fältchen, sondern nur noch zwei große."

Na und? Haben wir nicht größere Probleme als Hosengröße Null? Gibt es nicht wichtigere Themen zu besprechen als die Kalorien einer Pizza? Haben wir uns nicht langsam an den Models sattgesehen, denen man nur noch müde entgegenlächeln und ihnen einen Apfel vor die Füße werfen möchte? Kate Moss' Aussage ist beschämend und dämlich. Deshalb, liebe Kate Moss, hier mein neuer Mottovorschlag für Dich: "Nichts ist so fanis... fazni... fasniz... toll, wie sich dumm sein anfühlt."

Linda Remer (23 Jahre) aus Verden

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