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Die House-Lehrer: DJ-Duo "The Teachers" spielt beim Schul-Battle

Augen zu und durch die Nacht: Das DJ-Duo „The Teachers“ – das sind Jason Durrant (links) und Stephan Spieker – tritt beim „Schul-Battle“ in Verden an, um die Tanzfläche abzufackeln.

Montag bis Freitag im Unterricht sitzen und am Wochenende tanzen, feiern und schwitzen – der „Schul-Battle“ in Verden am 22.2. ist ganz klar Pflichttermin für alle in unserem Alter. Hauptact ist diesmal das DJ-Duo „The Teachers“. Wie kann man sich so nennen und vor Schülern auftreten? Ein Interview:

chili-Autorin Kimberley Kirchmann  (19) aus Kirchweyhe hat das DJ-Duo "The Teachers" - Jason Durrant  und Stephan Spieker  - für uns interviewt:

Jason, war Euer Künstler-Name echt so clever? Wenn Leute in unserem Alter hören: „Die Teachers kommen“ – da läuft man doch aus Reflex schon weg!

Jason (lacht): „Wir haben damals beide Lehramt studiert und saßen beim Bierchen zusammen... Da mussten wir uns nicht lange krampfhaft einen Namen überlegen!“

Aber unterrichten und auflegen sind doch zwei ganz unterschiedliche Welten!

FREIKARTEN FÜR

CHILI-LESER

Am 22.2. brennt in der Stadthalle Verden die Luft: Beim „Schul-Battle“ gibt’s ab 22 Uhr Mörder-Beats, Partystimmung – und fünf chili-Leser plus Begleitung dürfen kostenlos mitfeiern. Schick einfach eine Mai mit dem Betreff "2 mal 22.2. 22 Uhr" an chili@kreiszeitung.de. Viel Glück!

„Oder so wie Ying und Yang: In der Woche bin ich der korrekte Pädagoge mit Vorbildfunktion – und am Wochenende der Partymacher, der den Leuten einheizt. Natürlich beißen sich das seriöse Berufsfeld und das schräge Nachtleben irgendwo. Aber Musik gehört einfach in unser Leben, wir haben schon im Studium den ein oder anderen Taler damit verdient. Und nach einer Woche, in der sich viel angestaut hat, Anspannung und Stress – da ist es schön, die Welt zu wechseln, abzuzappeln und Songs zu spielen, bei denen man einfach mal steil gehen kann.“

Finden die Schüler es cool, dass Ihr Beats baut und am Mischpult steht?

„Meine Grundschulkinder kriegen das noch nicht so mit, aber Stephan unterrichtet in der Realschule, da äußern sich schon mal Schüler zu unserer Musik. Aber wir stoßen die jetzt nicht mit der Nase drauf, denn es ist ja unser Privatleben, und die beiden Bereiche muss man nicht vermischen.“

Legt Ihr in der Woche auch auf, wenn Ihr um acht Uhr früh unterrichten müsst?

„Nein. Der Beruf hat Priorität, wir können ja nicht morgens mit verquollenen Augen in der Schule stehen. Wir sind nur freitags und samstags unterwegs.“

Wie habt Ihr Euch gefunden? Und warum tretet Ihr als DJs im Team auf?

„Wir sind beide in einer kleinen Stadt aufs Gymnasium gegangen, und auf einer Party kamen wir ins Gespräch. ,Hey, Du bist doch der, der haufenweise Platten kauft! Ich hab auch ein paar gute auf Lager, wollen wir uns mal austauschen?‘ Es passte einfach sofort mit der Sympathie. Stephan ist der Stillere, ich bin extrovertierter. Aber zwischen uns ist ein blindes Verständnis, wir brauchen uns nur anzugucken und lesen aus dem Gesicht des anderen. Wir harmonieren sehr gut, darum teilen wir uns auch das DJ-Pult.“

Und Ihr legt nicht nur auf, Ihr produziert auch.

„Ja. Erst haben wir zusammen aufgelegt, dann kam der Punkt, wo wir ein Lied von der Idee her super fanden, aber dachten: ,Mensch, das hätte man auch so und so machen können.‘ Wir hatten das Bedürfnis, kreativ in die Musik einzugreifen. So hat Stephan angefangen, sich das Produzieren anzueignen. Es ist ja heute schon so, dass sich massenweise Leute als DJ bezeichnen. Aber mit eigenen Produktionen kann man sich noch etwas von der Masse abheben.“

Was genau ist Eure Musikrichtung?

„House-Musik fängt ja bei leichten, zarten Beats wie im Deephouse an – ganz ruhig und melodiös – und geht über Festival-Sounds wie ,Tomorrowland‘ bis zu ganz brachialen Nummern. Unser Leitsatz ist: ,It’s all about House-Music‘ – und wir nutzen das ganze Spektrum.“

Ich hab gelesen, Euer zweites Zuhause ist der Residenz Club“ in Paderborn...

"Genau. Wir ziehen da so eine Veranstaltung auf, für die wir uns einmal monatlich Künstler einladen - aus Deutschland und auch aus den europäischen Nachbarländern. Und mit denen machen wir dann zusammen Musik. Wir haben da in letzter Zeit zum Bespiel schon mit Marco Fricke aus Bremen zusammen gespielt. Und mit ,Avicii' oder mit den ,Disco Boys' aus Hamburg... Häufig kommen uns auch befreundete Künstler im ,Residenz Club' besuchen. Wir schlagen dem Laden, dem ,Resi', halt einfach Künstler vor, die wir interessant finden - ,Moguai' zum Beispiel - und spielen dann quasi das Programm vor oder nach dem Künstler. Das machen wir jetzt seit neun Jahren so."

Ihr habt auch eine eigene Radio-Show, die "Today and Tomorrow“ heißt ...

"Ja. Dadurch, dass wir beide an verschiedenen Orten leben, ist alles ein bisschen schwieriger. Die Sendung mache ich. Aber da wir ja immer wissen, was der andere spielt, könnte Stephan auch genauso gut neben mir sitzen, und es wäre immer noch die gleiche Show. Diese zwei Stunden Show mache ich von mir Zuhause aus. Ich habe da 'ne kleine Ecke, ein DJ-Pult, alles zum Streamen... Und diese zwei Stunden fülle ich zum einen mit Sachen, von denen ich persönlich es wichtig finde, dass die Leute sie mal gehört haben. Was auch mal abseits des absoluten ,Clubgenres', aber trotzdem hörenswert ist. Ich möchte meinen Zuhörern zeigen, dass es außer David Guetta noch andere Künstler gibt, die tolle Sachen machen. Und die Sendung ist genauso aufgebaut wie ein Abend im Club – spiralförmig sich steigernd. Nach einer Stunde hat man das Gefühl, man würde wirklich im Club stehen. Natürlich erzähle ich auch gerne mal eine lustige Anekdote zu einem Lied, um der ganzen Show einen netten, interessanten Rahmen zu verleihen. "

Wer macht den ganzen Booking- und Agentur-Kram bei Euch? Schafft Ihr das noch selber?

"Wir sind seit 2005 bei der Nightlife-Records-Bookingagentur unter Vertrag. Das war damals ein Plattenladen, bei dem ich gearbeitet habe. Und der Chef ist einer der Künstler von ,2-4 Grooves'. Er hat dann diese Agentur gegründet und verbucht jetzt darunter Künstler. Wir selbst produzieren unter dem Label ,Scream and Shout'. Die haben so eine Art Unterlabel namens ,Gimme 5', da haben wir angefangen. Erst haben wir noch etwas kommerzieller gearbeitet, dann sind wir in eine etwas clubigere Ecke abgedriftet und dementsprechend auf das Hauptlabel umgestiegen. Wir sind aber nicht nur auf dieses Label festgelegt. Wir konnten auch schon bei anderen renommierten House-Labels Eigenprodukionen und Remixe unterbringen.

Worauf kommt’s an, wenn man die Partystimmung von 400, 500 Menschen aufrecht halten muss?

„Auf Erfahrung. Wie geht man vor, welche Tracks sind zu welcher Zeit angebracht? Man entwickelt über die Jahre einen ,Fühler‘ für das Publikum. Man beobachtet Trends und nimmt die mit ins Repertoire auf. Es bringt nix, gleich mit intensiven Beats und richtig Aktion loszulegen. Man muss den Abend mit Kurven gestalten, wenn man die Leute nicht gleich am Anfang auspowern und verbrennen will. Also: Schön seicht, aber trotzdem tanzbar anfangen. ,Popowackel-House’ sage ich dazu. Groovige Tracks, zu denen man mitwippt aber noch nicht mega abgeht. Dann steigert man die Intensität, und wenn die Tanzfläche voll ist, macht man Zunder. Bekannte Sachen und Groove, aber zwischendurch ein paar Ruhe-Phasen, damit die Leute verschnaufen und sich was zu trinken holen können. Am Anfang hatten wir dieses Gespür aber auch noch nicht so. Da haben wir gespielt, was wir selber gerne mochten, aber dann verliert man natürlich auch Leute, deren Musikgeschmack man gerade nicht so trifft.“

Könnt Ihr überhaupt noch entspannt ausgehen, oder analysiert Ihr als DJs dann auch jede Kleinigkeit?

„Man analysiert absolut immer, sobald man in einen Club kommt. Wie sind die Leute drauf, was spielt der DJ im Vorprogramm, wie spielt er es? Mischt er die Songs beatgetreu? Man muss schon richtig Bock auf den Künstler haben, dass man das ausblenden kann.“

Was hören „The Teachers“ privat zu Hause? Mein typisches Lehrerbild sagt ja: Cordsakko anlassen, ein bisschen Klassik anmachen, dazu ein Gläschen Rotwein...

„Natürlich ziehen wir uns abends nicht mehr das absolute Club-Getrümmer rein. Ich höre genau das Gegenteil von dem, was ich im Club auflege. Mehr so smooth – mein absoluter Favorit ist momentan ,London Grammar’. Stephan hört auch sehr breit gemischt Musik. Auch mal was Alternatives wie ,Laing’ oder ,Mia’... Und ein Cordsakko hat er vielleicht auch... Aber Rotwein trinken wir beide nicht – eher ein zünftiges Bier!“

Jason, bitte beschreib mir Deinen DJ-Kollegen Stephan mal in drei Worten!

"Geduldig, verständnisvoll, positiv verrückt. "

Und Stephan – drei Worte über Jason?

Stephan: "Feierwütig, musikliebend, zuverlässig. "

Ihr tretet nächste Woche beim „Schul-Battle“ in Verden auf. Zufall, oder hahahahahaha – haben die Veranstalter Euch wegen Eures DJ-Namens gebucht?

(lacht): „War doch klar, dass Michael Schulze von ,Alfredo Events’ gleich an ,The Teachers‘ denkt, wenn er eine Booking-Anfrage für einen ,Schul-Battle‘ bekommt!“

Und was erwartet uns?

„Jede Menge Spaß auf jeden Fall – die Schulen treten ja im Vorfeld gegeneinander an. Und die, die am meisten Karten für den Event abgesetzt hat, bekommt am Ende 1.000 Euro für die Jahrgangskasse. Ja, und wir legen als Hauptact auf – und wir werden alles tun, dass Ihr an dem Abend richtig steil geht und merkt, dass nicht nur David Guetta toll zum Tanzen ist!“

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