Meine Meinung

CONTRA: Rieke Klotz (22) sieht Ultras kritisch

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Rieke Klotz sieht Ultras kritisch

Ich kann nur mit dem Kopf schütteln, wenn ich im Fernsehen Bilder von verqualmten Stadien sehe. Was soll das denn? Wer ist denn bitte so hohl und bringt Pyrotechnik mit zu einem Fußballspiel? Es gibt tausend logische Begründungen dagegen.

Von Rieke Klotz

1. Mit Feuer spielt man nicht. Wurdet ihr denn nicht brav erzogen Zuhause? Habt ihr nie den Struwelpeter gelesen? Die Geschichte von Paulinchen, die mit dem Feuerzeug spielt? Daraus resultiert: 2. die Gefahr. Für mich immer noch unbegreiflich wie viele Menschenleben man riskiert um ein bisschen Leuchtfeuer im Fanblock anzuzünden. Der Bengalo muss doch nur einmal aus der Hand fallen, einem Kind in die Kapuze und durch die Funken entsteht ein Brand. Panik bricht aus – alle sterben. 3. Der Sinn. Warum? Ich frage mich ernsthaft wozu braucht man Bengalos im Stadion? Macht das Stimmung? Nein. Ist das spaßig? Nein. Gewinnt meine Mannschaft dadurch? Nein. Also: Wo ist der Sinn in dieser hirnverbrannten Idee? Ein Bengalo im Stadion führt doch eher zu (Nummer 4 auf meiner Liste logischer-Gedanken-warum-man-keine-Pyrotechnik-ins-Stadion-mitbringen-sollte:) Spielabbruch. Wenn alles voller Rauch und Qualm ist, können nicht nur die Fans den Aufenthalt im Stadion nicht genießen, auch die Fußballspieler haben nichts davon. Wenn die nämlich auch nichts sehen, dann fällt das ganze Spiel flach. Schließlich hat der Schiedsrichter die Macht das Spiel abzubrechen. Das führt mich direkt zu Punkt 5. Gelder. Entweder kostet es den Verein eine hohe Summe das Spiel zu wiederholen, oder auch einfach eine Geldstrafe dafür, dass die Fans Bengalos gezündet haben, oder aber es findet ein Geisterspiel statt, was wiederum auch Einnahmebußen für den Verein zur Folge hat.

Und das waren bisher nur fünf Gründe, warum ich nicht viel von solchen Gesetzesbrechern halte, die Feuerwerk mit ins Stadion bringen.

Leider sind es vermehrt „Ultras“, die sich nicht an die Regeln halten. Dabei stimmt man bei Betreten des Stadions der Hausordnung zu. Und die besagt ausdrücklich, dass Bengalos verboten sind. Wer sich nicht daran hält, dem droht Stadionverbot. Aber wie setzen die Stadien das um? Ich bin mir nicht sicher, ob jeder Securityman am Eingang die Gesichter kennt, die ein Stadionverbot haben. Schließlich kann man sich ja auch Tickets kaufen, auf denen kein Name steht. Wie wird mir, als friedlicher Stadionbesucher, also gewährleistet, dass ich nicht in einer Reihe neben den Unruhestiftern stehe, die in jedem Moment wieder eine Rauchbombe zünden könnten?

Auch habe ich mir die Frage gestellt, warum die Fahne für die Ultras so wichtig ist. Wenn mir einer meine Fahne klaut, dann male ich mir halt eine neue. Ich renne dann nicht auf die Straße und zeige meinen Hass. Warum auch? Juckt doch keinen. Außerdem finde ich den Flaggen-Klau sowieso lächerlich. Wir sind doch nicht mehr im Kindergarten, wo man der gegnerischen Gruppe das Spielzeug wegnimmt, um stärker zu wirken. Es wäre schön, wenn man im Zeitalter der Information sich vielleicht mit Intelligenz und Wissen „battled“. Wenn eine geklaute Fahne das größte Problem einer Interessengruppe ist, dann mache ich mir ernsthaft Sorgen um unsere Gesellschaft.

Mein letzter Punkt ist die Auseinandersetzung mit der Polizei. Da würde ich einfach raten: „Macht keinen Scheiß, dann kackt euch die Polizei auch nicht an!“. Ich hatte noch nie Probleme mit der Polizei. Allerdings spiele ich in meiner Freizeit auch nicht Fußball auf der Sielwallkreuzung oder gehe mit angeschlagenen Bierflaschen auf auswärtige Fans los. Falls man trotzdem in einen Konflikt mit der Polizei gerät, dann heißt es: Maul aufmachen. Einfach erzählen was los war, was einen bedrückt und warum man so gehandelt hat. Konversation hilft bei allen Beziehungsproblemen – auch privat. Nicht mit der Polizei reden ist der größte Schwachsinn. Dadurch wird schließlich auch nichts besser. Und die Männer in Grün haben eventuell mehr Erfahrungen und können weiterhelfen.

Jetzt wird mancher sagen: Ach, Rieke hat doch gar keine Ahnung vom richtigen Fan-sein. Na klar! Ich bin auch Fußball-Fan. Ich bin fast jedes Wochenende im Weserstadion und wenn ich es nicht schaffe, dann gucke ich es mir auf jeden Fall auf dem Sofa an. Ich liebe die Fan-Gesänge und das Gefühl, wenn alle in der Ostkurve springen. Aber das eben nur Samstag, von 15.30 Uhr bis 17.15 Uhr. Davor und danach bin ich eben nur Rieke und lebe ein Leben außerhalb des Stadions. Ich male keine Fahnen und Banner, beschimpfe andere Fußballvereine oder hecke Pläne aus, um Flaggen zu mopsen. Gegen friedliche Fans habe ich auch nichts. Trefft euch ruhig, sauft und singt und tanzt. Mir alles egal. Ich danke euch ja auch für die gute Stimmung im Stadion. Die Trommeln, die Ansager mit dem Megafon und natürlich die großen Flaggen. Aber bitte verlegt doch jegliches Gehetze und Gekämpfe in eure eigenen Wohnzimmer. Oder hört am Besten ganz damit auf.

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