Meine Meinung

PRO: Für unseren Volontär sind Ultras wichtige Fans

Ultras sind gewalttätige Chaoten, die nur Ärger machen, keine Regeln kennen und die Sicherheit im Stadion gefährden - das sind nur einige gängige Vorurteile gegenüber den meiner Meinung nach wichtigsten Fans des Fußballs.

Wer jetzt beim Lesen gleich empört aufschreckt und sich fragt, welche verschrobenen Ansichten veröffentlicht werden dürfen, sollte sich erstmal informieren, was Ultras wirklich sind. Die ganzen eingangs erwähnten Vorurteile entsprechen nämlich kein bisschen dem Grundsatz dieser Bewegung. Ultras definieren sich nicht als Krawallmacher oder Hooligans, sondern als besonders leidenschaftliche Fans, die ihrer Mannschaft überallhin folgen und sie unterstützen.

Darüber hinaus sind Ultras oft gesellschaftspolitisch engagiert. Viele distanzieren sich zum Beispiel von rechtem Gedankengut und manche gehen sogar ganz gezielt gegen Rassimus, Homophobie und Gewalt vor. In meinem Verein – Werder Bremen – macht die Gruppierung ,Caillera’ mit Aktionen und Spruchbändern ihren antifaschistischen Charakter sehr deutlich. Zudem setzen sich Ultras verschiedener Vereine mit sozialen Projekten ein, indem sie zum Beispiel Kleidung an Obdachlose verteilen oder Geld für arme Kinder oder Asylbewerber sammeln. Wer Ultras also mit Rechtsextremen in Verbindung bringt, ist auf einem völlig verkehrten Weg.

Damit mich jetzt aber nicht alle für bekloppt und naiv halten: Natürlich gibt es unter den Ultras auch gewaltbereite Fans, die sich mit gegnerischen Anhängern prügeln und die im Stadion Bengalos abbrennen. Das ist nicht richtig, und das verurteile ich. Die vermummten Fans, die man zuletzt bei Hannover gegen Braunschweig gesehen hat oder auch die Pyro-Geschosse der Dortmunder auf Schalke – das hat nix mit Fußball zu tun. Das waren Aktionen von Gruppen, die übers Ziel hinausgeschossen und sogar Angst geschürt haben. So ein Extremismus muss geahndet und bestraft werden, ist aber die Ausnahme. Deswegen sollte man nicht alle Ultras über einen Kamm scheren.

Die Diskussionen um Pyrotechnik im Stadion ist mir insgesamt auch zu emotional aufgeladen. Ich will gleich klarstellen, ich finde, man sollte das auf keinen Fall erlauben! Aber seien wir mal ehrlich, wann ist da jemals was passiert? Ich will nicht sagen, dass es komplett ungefährlich ist, das ist es sicher nicht. Schon gar nicht wenn es Ausmaße nimmt wie beim besagten Spiel zwischen Schalke und Dortmund. Das geht, wie gesagt, gar nicht. Deshalb bin ich auch klar gegen eine Legalisierung. Aber wenn mal ein einzelner Feuerwerkskörper hochgeht, gefährdet das andere Fans überhaupt nicht und schränkt sie auch nicht ein. Permanent zu betonen, wie gefährlich Stadionbesuche heute sind, finde ich bescheuert. Das stimmt nämlich einfach nicht und dann dürfte man auch Silvester nicht mehr vor die Tür gehen.

Aber zurück zum Ursprung: Dass nicht alle Ultras eine weiße Weste haben und es einzelne Chaoten und auch chaotische Gruppen gibt, ist ganz klar. Aber wenn ich Stimmen höre, die grundsätzlich sagen, Ultras würden den Stadionbesuch kaputt machen und sollten ausgeschlossen werden – da kommt mir der Mock hoch! Die Ultras unterstützen ihre Mannschaft, egal wohin es geht, nehmen Kosten auf sich, um auch beim entferntesten Auswärtsspiel dabei zu sein. Sie singen und feuern ihren Verein an, auch wenn das Team mal schlecht spielt. Und sie zeigen oft mit großartigen und kreativen Choreografien, wie sehr sie sich auch außerhalb der Spiele für ihren Verein engagieren. Das macht sie zu einer immens wichtigen Gruppe für den Fußball. Denn sie repräsentieren die absolute Leidenschaft, die – sorry, aber so ist es nun mal – kein Geschäftsmann im Anzug und kein Familienvater, der bei jedem Tor im Stadion artig aufsteht und klatscht, so auszudrücken vermag. Ich wusste deshalb schon als Kind: Wenn ich groß bin, will ich in die Ostkurve! Denn ich habe gesehen, da steht die pure Freude, die pure Lust auf Fußball und auf Werder. Bei Toren ist es dort wie eine Explosion des Glücks – einfach geil.

Natürlich muss man zu keiner organisierten Ultra-Bewegung gehören, um diese Leidenschaft zu leben. Ich bin ja selbst in keiner. Aber ohne die Ultras wäre der Stadionbesuch für alle schlechter. Man stelle sich mal vor: Fast keine Fans bei Auswärtsspielen, Stille im Stadion, kein Fahnenmeer auf den Tribünen – würde das nicht jeder Fußballfan langweilig und beschissen finden?

Deswegen sag ich Euch, wenn Ihr das nächste Mal wieder gegen alle Ultras, die in Stadien rumlaufen, pöbeln wollt, haltet vorher mal kurz inne. Und dann könnt ihr gerne auf die einzelnen Chaoten schimpfen, die so oft für Ärger sorgen und die es weiterhin zu bekämpfen und zu bestrafen gilt. Aber hütet Euch davor zu sagen, dass deshalb alle Ultras weggesperrt gehören. Dem Fußball würde ohne sie nämlich eine ganze Menge fehlen.

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