„Das Buch der fast vergessenen Wörter“

Diese Wörter sind vom Aussterben bedroht

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Wörter wie Vatermörder oder Wuchtbrumme sind nicht mehr zeitgemäß. 

Von „Beelzebub“ bis „Gesichtserker“: Eine Auswahl der Begriffe, die Petra Cnyrim in ihrem Buch „Das Buch der vergessenen Wörter“ vorstellt:

Beelzebub 

Der Teufel. Im Alten Testament wird die Bezeichnung „Beelzebub“ (dort: „Beelezebul“) erstmalig als Umschreibung für das Böse erwähnt. Ursprünglich bedeutete der Begriff, der aus dem Hebräischen stammt: „Herr der Fliegen“ beziehungsweise „Herr des Misthaufens“.

Backfisch

Backfisch kommt aus dem Englischen und bezeichnete ursprünglich zu kleine Fische, die wieder zurück, also auf Englisch „back“, ins Meer geworfen wurden. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts wurden so pubertierende Mädchen genannt.

Lümmeltüte

Kondom. Obwohl der Ursprung des Begriffs nicht hundertprozentig geklärt ist, hält sich die Vermutung, er sei in der Zeit des Ersten Weltkriegs entstanden, am hartnäckigsten.

Kondome

Vokuhila 

Kurzform für die Beschreibung einer bestimmten Frisur: „vorne kurz, hinten lang“. Die „Vokuhila“ ist ein Akronym der in den 80er-Jahren so populären Frisur, bei der das Haupthaar kurz und in Igelform geschnitten war, während die Nackenhaare bis zur Schulter reichten. Wichtig waren dabei auch die Fransen, die in die Stirn gezogen wurden. 

Wuchtbrumme 

Vollweib. Das Wort „Wuchtbrumme“ entstand in den Sechzigerjahren aus der Zusammensetzung von „Wucht“ und „Brumme“, letzteres ist ein anderes Wort für „Hummel“. 

Vatermörder 

Ironische Bezeichnung für Stehkragen. Der „Vatermörder“ war ein im 19. Jahrhundert getragener Stehkragen, der unter einer Halsbinde angebracht wurde und für das typische männliche Erscheinungsbild sorgte. 

Juniortüte 

Kindermenü einer bekannten Fast-Food-Kette. Zugegeben, die „Juniortüte“ ist nicht gerade ein Beispiel für gehobene Wortkultur. Dennoch ist sie faktisch ein Wort, das eine bestimmte Generation prägte und inzwischen gänzlich verschwunden ist. 

Blaustrumpf 

Abwertende Bezeichnung für Frauen im 19. Jahrhundert, die aufgrund ihrer Bildung und Einstellung als unweiblich galten. 

Heiermann 

Fünfmarkstück. Das vor allem im norddeutschen Raum bekannte Wort„Heiermann“ war die gängige Bezeichnung für ein Fünfmarkstück.

Lang ist’s her: Fünfmarkstück

 

Klimbim 

Unnützes Zeug. Herkunft und Entwicklung des Begriffs „Klimbim“ sind leider nicht genau nachvollziehbar. Sicher ist jedoch, dass es sich um eine Art Modewort der Siebzigerjahre handelte, das damals so populär war, dass man sogar eine Fernsehsendung danach benannte. 

Feiner Pinkel 

Bezeichnung für jemanden, der sich für etwas Besseres hält. Der „feine Pinkel“ entstand in Berlin gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Gemeint waren damals Angehörige der oberen sozialen Schicht, die dem Normalbürger durch ihr Verhalten arrogant und unangenehm erschienen. 

Grüne Witwe

Sie bezeichnete eine einsame Ehefrau, die tagsüber, wenn ihr Mann in der Arbeit war, an Hof und Haus gebunden war und kaum soziale Kontakte hatte.

Muckefuck 

Der Begriff „Muckefuck“ bezeichnet ein Kaffee-Ersatz-Getränk, das aus verschiedenen Getreidesorten gebrüht wurde. In Zeiten, in denen es unmöglich war, an echte Kaffeebohnen zu gelangen, war der Ersatzkaffee sehr populär. 

Zornbinkel/Zorngickel 

Leicht zu erzürnender und schreiender Mensch, in den meisten Fälle ein kleines Kind. Der „Zornbinkel“ war vor allem in Österreich und Bayern bekannt und trieb dort sein Unwesen. Im Hessischen spricht man vom Zorngickel.

Trockenwohner

Bezeichnung für Mieter während der Industrialisierung, die übergangsweise in Neubauten lebten, die noch nicht vollständig durchgetrocknet waren.

Isegrim

Bis vor nicht allzu langer Zeit war der „Isegrim“ jedem als der Wolf im Märchen bekannt.

Der Wolf heißt im Märchen auch mal Isegrim

 

Hahnrei

Eine Bezeichnung, die zuerst für kastrierte Hähne (Kapaune) verwendet wurde und seit dem Hochmittelalter für betrogene, also „gehörnte“ Ehemänner Anwendung fand.

Gummitwist

Hüpfen mit einem Gummiseil, ein beliebtes Kinderspiel auf den Schulhöfen. In diesem Fall starb das Wort vor der eigentlichen Tätigkeit aus. Denn obwohl man schon lange nicht mehr vom „Gummitwist“ sprach, wurde er auf den meisten Schulhöfen in der Pause noch gerne und ausgiebig praktiziert.

Nase. Gerade in kabarettistischen Texten oder betexteten Karikaturen taucht der „Gesichtserker“ immer wieder auf, bis er dann aber ab ungefähr der Mitte der Achtzigerjahre gänzlich ausstirbt.

Hupfdohle

Als Hupfdohle wurden besonders in den 50er-Jahren Tänzerinnen aller Art bezeichnet. Später bekam er einen eher missbilligenden Bei-Ton und wurde hauptsächlich als Spottname für Nackt- beziehungsweise für Revuetänzerinnen gebraucht.

Spöttischer Name: Hupfdohlen

Hier sammeln wir einige Wörter, die unsere Leser im Alltag vermissen. Vielen Dank für alle Einsendungen!

Fisimatenten

Ein umgangssprachlicher Ausdruck mit der Bedeutung Unsinn, Faxen oder Blödsinn. Im weitesten Sinne sind alle Handlungen gemeint, die Umstände oder Probleme verursachen. - Danke an Edgar Jakobs für diesen Begriff. 

Groschen

So wurde das 10-Pfennig-Stück genannt. - Danke an Andy für diesen Begriff

Schwiegermutter

Klammer mit einem kurzen Gummizug, mit der früher Verbände geschlossen wurden. Heißt eigentlich Verbandklammer, wird aber im Volksmund „Schwiegermutter" genannt. - Danke an Marion Waldera für diesen Begriff. 

Mumpitz

Unsinn, den man nicht zu beachten braucht. - Danke an Kiki van Nistelrooy. 

Duckmäuser

Jemand, der sich wegduckt und seine eigene Meinung, Haltung verleugnet; eine Aufgabe nicht übernehmen will. Ein Jawoll-Sager. - Danke an Hanns Gehrke.

Lokus

Ein anderes Wort für das WC, die Toilette, das "stille Örtchen" - Danke an Frauke Simon.

Brimbamborium / Brimborium 

Drumeherum, überflüssiger Aufwand, Rummel, Gehabe, Getue - Danke an Frauke Simon

Joppe

Bezeichnung für eine taillenlose Jacke, meist aus dickem Wollstoff, für Zuhause, auch Teil der bayrischen Tracht - Danke an Jürgen Timm

Dünkel

Hochmut - Danke an Jürgen Timm

Weitere Begriffe gesucht: Haben Sie auch ein kaum mehr gebräuchliches Wort, vielleicht sogar ein norddeutsches, das Ihnen ans Herz gewachsen ist? Dann schicken Sie uns Ihr „fast vergessenes Wort“ und die Bedeutung des Wortes per E-Mail mit der Betreff-Zeile „Vergessene Wörter“ an onlineredaktion @kreiszeitung.de. Wir wollen so viele Begriffe wie möglich sammeln, die früher alltäglich waren, aber heute nur noch selten verwendet werden.

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