Ein Selbstversuch:

Detlef, mach mich sexy!

chili-Autorin Mara macht für Euch Diät.Zum Beispiel so: Supersexy Suppe kochen.

Es ist noch Winter, aber die Medien ballern uns schon voll mit Diäten, Diäten, Diäten! Deer Sommer kommt auch dieses Jahr - und wie siehts mit der Freibadfigur aus? Da kommt das Programm "I make you sexy" von Drillinstructor Detlef "D!" Soost gerade recht! Mal sehen, ob das auch bei mir hilft...

chili-Autorin Mara Schumacher (20 Jahre) aus Riede macht den Selbstversuch:

TAG 1

 Während ich das Kochbuch durchblättere und nach leckeren Rezepten suche, lese ich, dass einmal pro Woche während der Diät der „Load Day“ stattfindet: Man darf so viel essen, wie man will! Ja, prima, dann starte ich doch gleich mal mit dem Load Day! (Kann sein, dass mit „alles essen“ nur Dinge aus dem Kochbuch gemeint sind, aber da das an keiner Stelle so klar gesagt wird, verbringe ich meine Frühstücks- und Mittagspause mal konsequent bei Mecces! Schokocroissant und Capuccino, Pommes, Burger, Chicken-Nuggets, Eis, Cola. Und weil’s so schön ist, alles in sich reinzuladen, gibt es abends noch ‘ne Tüte M&M’s und Chips. Hach, der „Load Day“ gefällt mir. Aber so richtig sexy fühl ich mich nach meinem ersten Tag des „I make you sexy“-Programms jetzt nicht. Eher wie ein gemästetes Schwein, das gleich zum Schlachthof transportiert wird.

TAG 2

VERLOSUNG

„D!“ macht Dich sexy...

„I make you sexy!“ verspricht Detlef „D!“ Soost. Gerade ist das Buch im Riva-Verlag erschienen, schon steht’s auf der Bestseller-Liste. Wir verlosen fünf dieser Fitness-Bibeln unter allen, die bis zum 31.1.2014 mit dem Betreff "Make me sexy" an chili@kreiszeitung.de mailen.

Wahrscheinlich ist es gerade für jemanden wie mich realistisch, mithilfe der Rezepte in „D!“s Kochbuch abzunehmen, weil ich einfach überhaupt nicht kochen kann und letztendlich vor einem leeren Teller sitzen werde, weil das Essen mal wieder verkohlt im Müll gelandet ist. Aber Gott sei Dank finde ich auch einfache Rezepte – wie zum Beispiel Eistee! Das wird zwar keine Mahlzeit ersetzen und passt auch nicht wirklich zum Wetter, aber egal. Muss mich ja auch erst mal langsam ans Kochen gewöhnen. Und ich denke, Tee kochen wird ja wohl kein Problem sein. Zumindest dachte ich das. Wo kriegt man denn bitte in unserer Region mal eben drei Blätter frische Pfefferminze und losen Grünen Tee her? Muss ich jetzt in den Wald gehen und die Kräuterhexe suchen? Ich entscheide mich dagegen und nehme einfach normale Teebeutel, gieße Wasser drüber und bereite das Ganze dann rezeptgemäß mit Zitronensaft und Eiswürfeln zu. Standesgemäß genieße ich meinen ersten selbstgemachten Eistee dann draußen und stelle mir vor, es wäre Sommer. Und ich hätte schon die supersexy Bikinifigur, die Detlef „D!“ mir versprochen hat. Der Trunk schmeckt gar nicht mal so übel, nur etwas sauer. Aber sauer macht ja bekanntlich lustig. Und sexy! Denn wer lacht, ist ja gleich viel attraktiver. Kelly Osbourne pflegte mal zu sagen: „ Solange ich in den Spiegel gucke und mir gefällt, was ich dort sehe, gehe ich auch nicht auf die Waage.“ Das sind so treffende Worte, die sich ein paar Mädels unserer Generation mal auf der Zunge zergehen lassen sollten (keine Angst, Worte machen nicht dick!). Bei den meisten Mädchen, die ich so kenne, frag ich mich immer: Warum machen die sich so einen Stress, wenn das Spiegelbild doch ganz gut aussieht? Das Problem ist wahrscheinlich, dass viele vor lauter Schlankheitswahn schon Wahrnehmungsstörungen haben und im Spiegel, nicht das sehen, was sie sind. Und was sind die meisten minderjährigen Mädchen, die sich solche Sorgen machen? Erschreckend dünn. Ich verstehe diesen ganzen Mager-Wahn nicht. Warum ist es heute so mega in, wenn überall die Knochen rausragen? Was ist denn schön daran, wenn ein junges Mädchen mehr Ähnlichkeit mit einem Küchenbrett hat als mit einer Frau?

TAG 3

chili-Autorin Mara macht für Euch Diät. Zum Beispiel so: Supersexy Sonne tanken.

Genug geschrieben über Schönheitsideale. Ich mache Diät! Und zwar nicht irgendeine, sondern DIE Diät von Detlef „D!“ Soost. Und wer „D!“ kennt, weiß: Nur harte Arbeit führt zum Erfolg! Also knallhart weiter im Programm. Ich lese in der „D!“-Diätbibel, dass man, um sexy zu werden, jeden Tag etwas Sonne braucht. Tja, wenn ich so rausgucke und den trüben Januarmatsch sehe... Sexy sein wird einem im Moment aber auch echt schwer gemacht! Sonne... Sonne... Ich lasse die Szenen aus „Final Destination“ durch meine Gedanken ziehen, in denen so ‘ne Tussi in einer Sonnenbank eingesperrt wird und elendig verbrennt. Gottseidank! Ein Geistesblitz: Muddis Infrarot-Lampe! Alter Schwede, ich hätte mich vorher mit Sonnencreme einschmieren sollen. Hab das Gefühl, als säße ich in einem Vulkan. Was für eine Gluthitze! So muss sich Frodo gefühlt haben, als er den Ring in den feuerspuckenden Schicksalsberg geschmissen hat. Puuuh. Nach fünf Minuten brauch ich erst mal ‘nen Schluck Eistee. Und, was macht der Schön- und sexy-Faktor? Hm. „D!“ hat wohl Recht. Licht und Wärme sind gut für die Stimmung. Und ist die Seele zufrieden, steigt auch die Sexyness. Die „D!“-Diät funktioniert – boah, fühl ich mich heiß heute!

TAG 4

GEDICHT

Wir und unser Schönheitswahnsinn...

Völlig verkommen sind unsere Werte. Schlecht kaschiert mit Diskretion ist das Wahre, das zeigt, wie wir wirklich sind.

Der Wahn regiert. Und er giert nach äußerlicher Perfektion. Oft beginnt er heutzutage schon ganz früh, wenn wir noch Kinder sind. Fest eingepresst in unsere Köpfe, lässt die Medienwelt uns glauben, wir seien überirdische Geschöpfe, die nur wunderschön und äußerlich perfekt zu etwas taugen.

Aber mal ganz ehrlich: Wer sieht sich denn heute noch selbst im Spiegel an und kann ehrlich sagen: „Ich liebe mich, so wie ich bin!“? Aus Unsicherheit und eingelebter Gewohnheit bedenken wir oft nicht: Viel mehr Sinn macht doch der Verzicht auf all die schönen Dinge.

Dem Wahn verfallen kann man viel zu leicht. Aber viel schwerer, als nur eine weitere Kopie zu sein, deren Willenskraft nur bis Monatsende reicht, ist es, sein wahres Ich im Herzen zu befreien.

Jan Christopher Hoffmann aus Nienburg

So, heute koche ich ganz sexy die Spinat-Kokosnuss-Suppe! Klingt ekelhaft, ich weiß. Darum bin ich auch so neugierig darauf. Das Rezept zielt wahrscheinlich darauf ab, dass man sich ‘ne Magenverstimmung wegholt und den Rest des Tages über der Kloschüssel verbringt. So nimmt man ja schließlich auch ab. Aber zurück zum knallharten Fitnessprogramm! Spinat-Kokosnuss-Suppe! Als ich so die Zutaten zusammenrühre, beschleicht mich das Gefühl, dass das Rezept aus Hogwarts stammt: „ Den Spinat mit dem Zauberstab pürieren“ steht da. Aha! Wie soll ich denn jetzt so schnell zu „Olivander“ in die Winkelgasse kommen und mir einen neuen Zauberstab kaufen... Keine Chance. Und das Problem bleibt, dass der Blattspinat so unbezaubert unpüriert mit seinen überdimensional großen Blätten so gar nicht für eine Suppe taugt. Das Ergebnis sieht so aus, als hätte ich mit dem Kescher Nachbars Gartenteich gereinigt. Nach ein paar Löffeln ist mir schlecht und ich fühl mich so sexy, wie die Suppe aussieht. Ernsthafte Zweifel schleichen sich ein. Dabei habe ich noch nicht mal die Hälfte des Diät-Programms erreicht. Was vermitteln einem solche Ratgeber eigentlich für ein Ideal von Schönheit? Aus meiner Sicht: Ein vollkommen falsches. Und wo ich gerade anfange mit der Systemkritik: Wenn H&M als eins der wichtigsten Modehäuser für unsere Generation aktuell mit einer schlanken, vollkommen normalgewichtigen Frau, die die Kurven an den richtigen Stellen hat, für Übergrößen-Mode wirbt – dann frage ich mich doch, in was für einer arroganten, verkehrten Arschlochwelt wir eigentlich heute leben! Kaum vorstellbar, dass Marilyn Monroe mal als Sexsymbol und wunderschön galt – mit Kleidergröße 42! Heute würde man sie ganz klar als fett bezeichnen, und sie würde es niemals in den H&M-Katalog schaffen!

TAG 5

chili-Autorin Mara macht für Euch Diät. Zum Beispiel so: Supersexy Eistee trinken.

Hab mich wieder eingekriegt. Das „I make you sexy“-Programm geht weiter. Heute gibt’s als kleinen Zwischensnack Joghurt mit Mango, was in „D!“s Kochbuch „Lassi“ heißt. Um die Fettverbrennung anzukurbeln, soll in diesen Fruchtjoghurt eine Chilischote rein. Ich bin mir sicher, dass es sich dabei um einen Druckfehler handelt. Für die Mango braucht man wieder den „Zauberstab“. Ollivander kann mich echt mal kreuzweise – ich krieg die Mango auch so platt! Erst versuche ich’s mit der Gabel. Dann jage ich das Ding durch die Zitronenpresse. Ein anstrengendes Sportprogramm kann ich mir heute guten Gewissens sparen. Nach zwei Löffeln wird mir der „Lassi“ zu langweilig. Und weil „Lassi“ sowieso eher nach Vierbeiner klingt, überlasse ich den Rest meinem Hund. Der kann ein bisschen Fit- und Sexyness auch gut gebrauchen.

TAG 6

chili-Autorin Mara macht für Euch Diät. Zum Beispiel so: Supersexy Schönheitsschlaf.

Ich wache gegen Mittag auf. Es ist Sonntag, und ich fühle mich so la-la sexy. Vor allem tierisch müde und schlapp. Kommt das von der „D!“-Diät? Ich suche im Programm nach irgendeinem Rezept, dessen Zutaten ich im Haus hab und das meine Sexyness-Skala wieder ein bisschen puscht. Aha: Ratatouille! Statt der frischen Tymianzweige schmeiße ich irgendein anderes Gezuppel aus unserem Garten in den Topf, das so ähnlich aussieht. Und siehe da: Lecker! Sexyness-Faktor: steigt! Während ich mein Essen genieße, denke ich über Schönheit nach. Gibt es das eigentlich – eine allgemeingültige Schönheit, sowas wie ein perfektes Äußeres? Schön ist, wer sich so fühlt. Und dieses Gefühl hängt meines Wissens nicht vom Körpergewicht ab. Wieso streben wir also alle ein Ideal an, dem wir höchstens näher kommen, das wir aber niemals komplett erreichen können? Und wenn ich mich in meinem Umfeld umgucke, muss ich feststellen: Diejenigen, die die meisten Chancen beim anderen Geschlecht haben, sind nicht die glatten, makellosen Schönen. Sondern die Leute, die einzigartig und interessant sind.

TAG 7

Meine Tortur neigt sich dem Ende! Weil ich vom Kochen erst mal die Schnauze voll hab, such ich nach anderen Tipps von „D!“, die sexy machen und außerhalb der Küche stattfinden! Und da steht er, der Tipp meiner Träume: Schlafen! Ich soll „täglich sieben bis acht Stunden“ schlafen! Wie geil, das ist ja eine meiner leichtesten Übungen. Wenn das „sexy maken“ soll, dann bin ich ja nach dem Aufwachen so mega attraktiv, dass ich einfach alles wegsprenge und die Welt mir zu Füßen liegt! Mit diesem Gedanken fall ich in einen langen, tiefen Sexyness-Schlaf...

Mein Fazit

chili-Autorin Mara macht für Euch Diät.Zum Beispiel so: Supersexy Suppe kochen.

Als ich wieder aufwache, ist eine Woche „D!“-Diät rum. Zeit für mein Fazit. Ich hasse kochen, und ich kann es auch nicht. Ich denke, da spreche ich für viele Leute in meinem Alter, speziell für die Jungs. Darum halte ich ein Kochbuch als Fitness- und Sexyness-Bibel für unverständlicher als unser Chemiebuch in der Schule. Außerdem haben die meisten aus unserer Generation chronisch wenig Geld, und viele der Zutaten für die Gerichte kannte ich gar nicht und musste stundenlang im Supermarkt danach suchen. Auch was Küchengeräte angeht, denke ich mal, sind Leute zwischen 13 und 25 noch nicht so gut ausgestattet. So gern ich auch einen „Zauberstab“ hätte – ich würde mir keinen Hightech-Pürierstab kaufen, weil man ihn im Alltag einfach nicht sehr oft braucht. Ich denke, wenn man das „I make you sexy“-Programm durchziehen will, muss man sowohl reiche Eltern mit einer Top-Küchenausstattung haben als auch mega viel Zeit. Und hat man die neben der Schule und der Ausbildung? Das Wichtigste ist aus meiner Sicht aber: Man sollte in unserem Alter den Titel und das, was solche Ratgeber uns versprechen, nicht so ernst nehmen. Und das ist schwierig, denn gerade in der Pubertät hat man nicht immer das gefestigste Selbstbewusstsein und man macht vieles einfach nur, weil man gemocht, anerkannt und in irgendeiner Weise gut oder schön gefunden werden möchte. Ein Slogan wie „I make you sexy“ verspricht uns das, was wir uns wünschen, auf eine oberflächliche, aber leider häufig auch wirksame Weise. Das Ergebnis ist, dass wir denken, man könne nur schön, sexy und gut sein, wenn man sehr schlank ist. Und das ist Quatsch. Sexy ist keine Maßeinheit wie Liter oder Volt. Sexy sein ist ein Gefühl, und Gefühle werden nicht auf der Waage definiert. Da steht nur eine Kilozahl. Die höchstens einen Aufschluss darüber gibt, was andere von uns erwarten. Aber wie wir uns mit wie viel Gewicht fühlen, ist für jeden Menschen unterschiedlich. Darum halte ich persönlich mich weiter an Kelly Osbournes Worte. Ich hab keinen Bock auf Kilostress. Solange mein Lieblingskleid passt, weiß ich, dass alles okay ist. Ich bemühe mich, dass nicht jeden Tag bei mir „Load-Day“ ist, an dem ich alles darf. Aber eine krampfhafte, festgeschriebene Diät kommt in Zukunft für mich nicht mehr in Frage. Dafür lebe ich zu ungern nach einem vorgefertigten Plan. Und dafür liebe ich Schokolade viel zu sehr.

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