Der Beruf von Dennis Grünenbaum ist sein Kindheitstraum - er verdient sein Geld mit seiner Leidenschaft für Lego:

Der Bauarbeiter

Dennis Grünenbaum war schon als kleines Kind verrückt nach den bunten Bausteinen mit diesen Noppen zum Zusammenstecken. Heute ist er Chef-Modellbaumeister im Legoland. Wie das kam und was er da macht, erzählt er uns im Interview

Dennis, erinnerst Du Dich ans allererste Mal, als Du Legosteine in die Finger bekommen hast?

„Nicht mehr genau. Aber es war natürlich Lego-Duplo, alles gemischt in einer großen Waschmitteltonne. Meine Hochphase war im Alter von neun bis 17. Während meine Freunde mit der Playstation gespielt haben, habe ich versucht, Roboter oder Fahrzeuge zu bauen. Dann gab es eine Zeit, wo mich andere Dinge mehr interessiert haben und die Steine für eine Weile im Keller eingelagert waren.“

Was fasziniert Dich an den bunten Steinchen?

„Das Gesamtpaket aus Tradition, Vielfalt und der ständig neuen Entwicklung. Für mich war Technik immer spannend. Sowas wie ,Moc’s‘ – ,My own creations‘ – da konnte ich meine Phantasie entfalten. Egal, ob man später Star-Wars-Bausätze gut findet oder Städte baut – ich finde, jeder sollte einige Kilo gemischte Bausteine zu Hause haben und eigene Modelle bauen.“

Der klassische Legofanatiker ist männlich. Warum driften Mädchen irgendwann in eine andere Richtung ab? Was können Barbiepuppen und Lillifee, was man mit Bausteinen nicht machen kann?

„Vielleicht ändert sich das ja bald mal. Es gibt seit zwei Jahren sogar eine Reihe, die speziell für Mädchen entwickelt wurde. Viele rosa oder lila Steine.“

Woran erkennt man, ob jemand als Kind mit Lego gespielt hat?

„Naja, ich habe mich wegen Lego-Technik nach der Schule für eine Ausbildung als Elektriker entschieden. Und ich glaube, dass viele Handwerker und Architekten aus ähnlichen Gründen ihre Berufe ausgesucht haben.“

Heute bist Du Chef-Modellbaumeister im Legoland. Wie wird man denn sowas?

„Durch Zufall habe ich die Stellenausschreibung gelesen und mich gleich beworben. Es gibt diesen Job ja nur zehn Mal, weil es nur zehn ,Legoland Discovery-Center‘ gibt. Demnach war das Vorstellungsgespräch auch kein gewöhnliches. Es war wie ein Casting. Ich musste mich in mehreren Baurunden gegen andere Bewerber behaupten, dann gab’s auch noch Bewerbungsgespräche mit Kindern, die bewerteten, wie gut meine Modelle sind und ob sie spannend genug sein könnten, um nachgebaut zu werden.“

Was genau ist Dein Job?

„Das Planen, Designen und Bauen von neuen Modellen und das Reparieren und Pflegen von vorhandenen Modellen. Und die Interaktion mit den Besuchern, vor allem mit den kleinen.“

Was machst Du so in einer normalen Arbeitswoche?

Dennis Grünenbaum

„Morgens reinige und repariere ich die Ausstellungsstücke. Wenn Events anstehen, muss ich die mit unserem Team planen und vorbereiten. Zwischendurch gebe ich Workshops für Kinder. Dafür denke ich mir immer neue Modelle aus. Zurzeit plane ich gerade das nächste große Modell für unser ,Miniland‘. Je nach Maßstab und Schwierigkeitsgrad kann es von der Idee bis zur Fertigstellung mehrere Monate dauern. In diesem Fall wird es ein Turm, den ich in den Maßstab 1:125 runterrechnen muss, weil er in unserem normalen Maßstab 1:45 viel zu groß geworden wäre. Es ist toll, so ein Modell bauen zu können. Ich sehe mir im Vorfeld die Original-Baupläne an und erstelle dann einen eigenen Bauplan. Man fühlt sich dann wie ein kleiner Architekt!“

Wie sieht Dein Arbeitsplatz aus? Ist der ordentlich?

„Meine Werkstatt ist ein länglicher Raum, auf beiden Seiten stehen drei Meter hohe Regale. Dadrin sind weit über 250 Sortierkästen mit Steinen. Ich gehe von einer knappen Millionen aus. Es ist natürlich nicht immer top aufgeräumt – etwas Chaos fördert ja die Kreativität.“

Welche Arbeit war die kniffligste bisher?

„Ich musste ein Mammut bauen. Ich hatte nicht sehr viel Zeit und habe bei der Planung am Computer gemerkt, dass es viel zu lange dauert. Also hab ich das Tier aus dem Kopf heraus gebaut. Es war mein erstes großes 3-D-Modell – eine echte Herausforderung.“

Bist Du schon mal an einer Aufgabe verzweifelt?

"Das Bewerbungsgespräch war wie ein Casting - mit Kindern in der Jury": Dennis Grünenbaum ist Chef-Modellbauer bei Lego.

„Während einer Bauphase kommt es immer mal zu Problemen, die man vorher nicht bedacht hat. Wenn man dann nicht gleich eine Lösung findet, verzweifelt man natürlich auch mal. Aber es gab bisher für alles eine Lösung.“

Welche Fähigkeiten muss man in Deinem Beruf unbedingt drauf haben?

„Leidenschaft für die bunten Steine ist wohl das Wichtigste. Außerdem sollte man auf jeden Fall Spaß haben, mit Kindern zu arbeiten. Räumliches Denken und Kreativität spielen auch eine große Rolle. Man wächst da natürlich auch rein, aber wer einen durchschnittlichen Bürojob erwartet, der ist hier falsch.“

Was ist, wenn einem plötzlich die Geduld ausgeht?

„Wenn man längere Zeit an einem Modell baut, fällt es schon schwer, sich die ganze Zeit zu konzentrieren. Man muss ja sehr genau arbeiten, oft die Noppen zählen und darf keinen Fehler machen, weil man nur einen einzigen Versuch hat, wenn man die Modelle klebt. Aber ich bin von Natur aus ein ruhiger Typ. Mich bringt nichts so schnell aus der Ruhe.“

Wie sieht’s bei Dir zu Hause aus? Auch so bunt?

„Natürlich fällt’s mir schwer, so eine Leidenschaft, mit der ich mich den ganzen Tag beschäftige, da abzustellen. Ich baue gerne auch privat neue Sets zusammen und erwisch mich manchmal dabei, dass ich irgendwas sehe und überlege, mit welchen Lego-Steinen ich es nachbauen könnte. Aber meine Möbel sind nicht selbstgebaut, sondern alle im Möbelhaus gekauft. Ich bin seit einem halben Jahr verheiratet. Meine Frau hätte bestimmt was dagegen, wenn alles bei uns aus bunten Steinchen wäre. Bisher findet sie meinen Beruf klasse. Sie schimpft aber mit mir, wenn ich Lego-Steine in meiner Arbeitshose vergesse und die dann in der Waschmaschine rumfliegen.“

Was machst Du sonst so, wenn Du mal keine Legosteine in der Hand hast?

„Ich mache gerne Ausflüge und unternehme viel mit Freunden und/oder meiner Frau. Außerdem hab ich vier Chinchillas und zwei Taranteln, die auch Aufmerksamkeit haben wollen.“

Wie reagieren die meisten, wenn sie Dich auf einer Party kennenlernen und hören, was Du arbeitest?

„Bis jetzt wurde ich immer beneidet. Die häufigsten Sätze, die ich höre, sind: ,Den ganzen Tag mit Lego bauen zu dürfen – das ist ja der ultimative Traumberuf!‘ oder ,Kennst Du noch das Set aus dem Jahr...?‘“

Gibt es irgendein Land auf der Welt, in dem man Lego nicht kennt oder hat?

„Ja, zum Beispiel in Teilen von Asien und Afrika.“

Welche Ausbildungsmöglichkeiten hat ein chili-Leser, der Deinen Beruf jetzt interessant findet und auch sowas machen möchte?

„Ich muss zugeben, dass es gar nicht so leicht ist, einen Job zu bekommen, wo man direkt mit Lego baut. Modellbauer gibt’s nicht viele, dementsprechend begehrt sind sie, und sehr selten ist mal eine Position frei. Es gibt keine direkte Ausbildung für diesen Job. Da spielen Leidenschaft und die eigene Erfahrung wohl schon eine große und wichtige Rolle. Aber es gibt ja auch noch andere Bereiche in unserem Unternehmen, zum Beispiel Marketing, Produktion undVertrieb. Oder man kann in die Entwicklung gehen, da sollte man allerdings am besten studieren – zum Beispiel Ingenieur.“

miu

FREIKARTEN FÜRS LEGOLAND

Du würdest gerne mal sehen, was für Gebäude, Gestalten und Kunstwerke Dennis da so den ganzen Tag zusammenbaut? Dann guck’s Dir doch einfach mal an – wir verlosen vier Familien-Freikarten fürs „Legoland Discovery Centre“ in Oberhausen. Und das Beste ist: Eine Karte gilt für bis zu fünf Personen. Wer gewinnen möchte, der schickt bis Sonntag um 23.23 Uhr eine Mail mit dem Betreff „Ich bau auf Euch!“ an chili@kreiszeitung.de

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