Ein Interview „De fofftig Penns“

„Wir sind der Viktor Skripnik der plattdeutschen Sprache“

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Ein Interview mit den Jungs von „De fofftig Penns“

Von Marcel Kloth (19 Jahre) aus Syke –  „Dialektro“ – so heißt das selbst erfundene Genre von „De fofftig Penns“. Die drei Jungs der Elektro-Hip-Hop-Band verfassen ihre Texte ausschließlich in plattdeutscher Sprache. Daher heißen die Lieder auf ihrem Album auch wie Wörter und Sätze aus Omas Mund. Malte „Malde“ Battefeld, Jakob „Jaykopp“ Köhler und Torben „Torbo“ Otten haben ihren Titeln zum Beispiel Namen wie „Löppt“, „Ik mutt gor nix“ oder „Diskodänz“ gegeben. Dass ihre Musik viel besser klingt, als sie heißt, wollen sie am 15. November beim „Hallo Verden“-Festival beweisen. Dort treten sie als Headliner auf.

Moin, Jungs! Vor zwei Jahren habt Ihr den Heinrich-Schmidt-Barrien-Preis gewonnen. Den bekommen nur Künstler, die sich um den Erhalt der plattdeutschen Sprache besonders verdient gemacht haben. Was bedeutet Euch die Auszeichnung? 

Malde: Den haben wir 2012 vor allem als Ansporn gesehen. Wir hatten bis dahin ja nicht mal ein Album draußen. Die Verdienste, für die wir da ausgezeichnet wurden, waren vor allem Live-Auftritte. Jetzt veröffentlichen wir im Dezember schon unser zweites Album. Mittlerweile haben wir uns den Preis also verdient.

Dank Eures Bandnamens, der auf Hochdeutsch „Die fünfzig Pfennige“ heißt, werdet Ihr immer wieder mit dem Rapper „50 Cent“ in Verbindung gebracht. Seid Ihr stolz darauf?

Torbo: Unser erster Song war von „Fifty“. Das war aber eher Zufall. Richtig gut ist, dass wir nicht mit „Village People“ gestartet sind. Sonst säßen wir hier heute als „De Lüe vun’n Dörp“.

Seht ihr Euch als Retter der plattdeutschen Sprache?

Torbo: Wir sind der Viktor Skripnik der plattdeutschen Sprache. Wichtig ist, dass die plattdeutsche Sprache im Winter nochmal auf dem Transfermarkt tätig wird. Mit „Godewind“, Ina Müller und Yared Dibaba haben wir zwar ein paar erfahrene Spieler, aber frische Talente braucht die Sprache immer, damit sie nicht absteigt.

Wie kommen Eure Auftritte im Süden Deutschlands oder im Ausland an? Die Zuschauer können Euch dort vermutlich nicht verstehen? 

Jaykopp: Wir haben diesen Sommer ein paar Konzerte in der Mitte von Deutschland gespielt. Wir waren in Köln, Essen und Bochum. Das waren mit die schönsten Dinger in diesem Jahr. Wenn die Band „LaBrassBanda“ nach Bremen kommt, freuen sich die Zuhörer – auch wenn sie nicht jedes Wort verstehen. Plattdeutsch ist für viele sogar deutlich cooler, als wir vermutet hatten. Wenn dann noch Exil-Norddeutsche im Publikum sind, wird das eine gute Party.

Seid Ihr „Spaß-Musiker“, oder haben Eure Songs auch ernste Hintergründe?

Malde: Das ist eine gute Frage. Natürlich basiert alles, was wir machen, erst einmal auf Spaß. Wir haben eine politische Meinung, auch eine sprachpolitische, aber beide thematisieren wir in unserer Musik eher nicht. Wenn man sich die Songs genau anhört, Platt versteht, und zwischen den Zeilen liest, findet man aber schon raus, wie wir ticken.

Sprecht Ihr alle fließend Plattdeutsch ?

Jaykopp: Mittlerweile ja. Das war nicht immer so. Wir haben durch unsere Musik einen so permanenten Kontakt zur Sprache und zum Plattdeutschen, dass wir uns irgendwann aber nicht mehr gegen die Sprache wehren konnten.

Was sagen Eure Großeltern zu Eurer Musik? Holt ihr Euch Tipps von ihnen?

Torbo: Die verfolgen das mit einem Schmunzeln. Oma war schon immer mein größter Fan. Auch als ich damals als Wynton Rufer (Anm. d. Red.: Ehemaliger Werder-Spieler) laut schreiend mit dem Ball durch den Garten gerannt bin.

Was für Erfahrungen habt Ihr während Eurer Tournee in Japan gemacht?

Jaykopp: Japanern ist es völlig egal, ob man „Läuft“ oder „Löppt“ oder „Lafft“ sagt. Hochdeutsch, Norddeutsch, Bayrisch – hauptsache man hat eine lange Nase und ist freundlich. Problematisch ist natürlich, dass die Japaner sehr viel Karaoke singen und die meisten besser darin sind, als wir. Zum Glück können die kein Plattdeutsch.

Gibt es einen Auftritt, der Euch besonders in Erinnerung geblieben ist?

Malde: Als letztes Jahr leider das Festival „Omas Teich“ abgesagt wurde, haben wir uns spontan einen Gig auf Spiekeroog organisiert. Weil da um sechs Uhr die letzte Fähre zum Festland ablegt und man im Dunkeln nicht surfen kann, war der Rest der Insel praktisch in der Kneipe „Old Laramie“ gefangen. Perfekte Bedingungen für einen denkwürdigen Abend.

Lebt Ihr noch in Bremen?

Torbo: Wir würden gerne in Bremen leben, aber die Anreise zu unseren Jobs in Berlin, Hamburg und Belgien wäre nicht sehr ökologisch. Und wir sind echt umweltfreundliche Typen.

Welche Erfahrungen habt Ihr beim Bundesvision Song Contest 2013 gesammelt?

Torbo: Es war ein bisschen wie auf Klassenfahrt. Plötzlich waren wir von lauter Profimusikern umgeben, die wir selbst auch nur aus der Sendung „Das perfekte Promi-Dinner“kannten. Die wichtigsten Erkenntnisse waren: Max Herre ist ein verdammt netter Kerl, MC Fitti hat einen Top-Bart und außer Thüringen mag eigentlich jedes Bundesland plattdeutschen Rap.

Ihr habt mit „Dialektro" ein eigenes Genre gegründet. Warum? Malde: Wir schwankten damals zwischen Plattstep, der Mischung aus Dubstep und Plattdeutsch, und eben „Dialektro“. Die neue Platte heißt übrigens „Een Vun De Fofftig Penns“.

Eure Jahresabschlusskonzerte am 22. und 23. Dezember spielt Ihr im Tower. Was unterscheidet denn das Bremer Publikum von anderen Fans?

Jaykopp: Bremen ist und bleibt unser zu Hause. Und dort gelten andere Regeln. Wenn der gesamte Abi-Jahrgang im Publikum steht, muss man gar nicht erst einen auf coolen Rapper machen. Dafür würden wir sicher später an der Bar noch eine von den Jungs aus der Handball-AG kassieren. Unsere Bremer Konzerte sind bestimmt die ehrlichsten.

Welche Musiker hört Ihr gerne privat? 

Jaykopp: Kommt natürlich voll auf den Kontext an. Zu „K.I.Z.“ lässt sich schlecht kuscheln und auf dem Dancefloor bouncen „Dogs run free“ irgendwie nicht so richtig. Der einzige Musiker, auf den wir uns alle einigen können, ist „Grillmaster Flash“.

Welche Erwartungen habt Ihr an den „Hallo Verden“-Abend

Malde: Wir haben gelesen, dass wir da als Headliner eingeplant sind. Wir waren noch nie irgendwo Headliner. Das wird bestimmt aufreg

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