Hohe Belastung

„Lockdown-Light“ kann hart sein: Das könnt ihr gegen Einsamkeit und fehlende Strukturen tun

Der Corona-Lockdown stellt uns alle vor eine besondere Herausforderung. Für Menschen mit psychischen Erkrankungen sind die Einschränkungen eine zusätzliche Anstrengung. Einsamkeit, Angst und Isolation rücken mehr denn je in den Vordergrund.

Du brauchst Hilfe? Zögere nicht!

Wenn es dir psychisch schlecht geht und du im Notfall sofort mit jemandem sprechen möchtest, melde dich bei der Telefonseelsorge unter 0800/111 0 111, 0800/111 0 222 oder 116 123.

Die Deutsche Depressionshilfe berichtet, dass beispielsweise Menschen mit Depressionen allgemein stärker unter dem Lockdown im Frühjahr gelitten als psychisch gesunde Menschen. Dabei habe der Leidensdruck aber nichts mit der Angst zu tun, sich mit Corona anzustecken, sondern eher mit der fehlenden Tagesstruktur. Jeder zweite Betroffene habe zudem von ausgefallenen Behandlungsterminen beim Facharzt oder Psychotherapeuten während des Lockdowns berichtet, heißt es im „Deutschland-Barometer Depression 2020“.

Coronakrise: Ohnmacht und Hilflosigkeit bedeuten Dauerstress

Nun müssen wir seit einigen Wochen mit dem nächsten Lockdown vorlieb nehmen, der fällt zwar nicht ganz so streng aus wie der erste, doch ein Ende des Teil-Lockdowns ist bislang nicht in Sicht. Bis mindestens 10. Januar müssen wir Einschränkungen in unserem Alltag hinnehmen. Was die Situation zusätzlich erschwert: Die Corona-Pandemie lässt sich mit kaum etwas vergleichen, wir können nicht auf Erfahrungen zurückgreifen.

„Es handelt sich aktuell tatsächlich um eine nie dagewesene Krise, in der es um die gesundheitliche und finanzielle Existenz aller geht. Das führt zu Ohnmacht und Hilflosigkeit und diese bedeuten Dauerstress“, erklärt Dr. Stephanie Grabhorn, Chefärztin der psychosomatischen Privatklinik Blomenburg in Selent bei Kiel.

Die Deutschen Depressionshilfe berichtet, dass beispielsweise Menschen mit Depressionen allgemein stärker unter dem Lockdown im Frühjahr gelitten als psychisch gesunde Menschen. 

Coronakrise: Lockdown ist ein harter Schlag ins Gesicht

Für Menschen mit psychischen Erkrankungen sind eine feste Tagesstruktur, ein Gefühl von Sicherheit und Kontrolle meistens von besonderer Bedeutung. Doch die Coronakrise hat all dies genommen. Die Folgen können Angst und Panik auslösen, und bereits vorhandene Symptome noch verstärken. Da es für psychisch erkrankte Menschen oft heilsam ist, unter Menschen zu sein und Möglichkeiten zu haben, den Alltag abwechslungsreich zu gestalten, ist der Lockdown ein harter Schlag ins Gesicht.

Normaler Alltag? Fehlanzeige. Freunde und Familie treffen? Nur bedingt. Sich ablenken, aus dem Haus gehen? Schwierig. Stattdessen spielt sich ein Großteil des Alltags in den eigenen vier Wänden ab – allein, Tag ein, Tag aus. Ein perfekter Nährboden für Einsamkeit und Angst.

Wir haben ein paar Tipps für euch, wie ihr die hohe psychische Belastung etwas mildern könnt.

  • Auch wenn ihr theoretisch ausschlafen könnt: Bestimmt eine feste Uhrzeit, um morgens aufzustehen.
  • Gebt eurem Tag so viel Struktur wie möglich – selbst wenn es nur die Tasse Kaffee am Nachmittag und ein Spaziergang am Abend sind.
  • Meldet euch bei Freunden und Familie, macht Anrufe oder Videochats.
  • Sprecht über eure Sorgen und Ängste und fresst sie nicht in euch hinein.
  • Manchmal hilft es auch, negative Gedanken einfach mal aufzuschreiben.
  • Trinkt nicht zu viel Alkohol. Sobald die Wirkung nachlässt, geht es euch doppelt so schlecht.
  • Achtet auf eine ausgewogene Ernährung, und ganz wichtig: viel trinken! Am besten Wasser.
  • Aber natürlich hilft ab und zu auch eine fettige Pizza und Schokolade als Nachtisch.
  • Schaut eine Serie oder einen Film, die/der euch ein gutes Gefühl gibt.
  • Hängt nicht die ganze Zeit in Gammel-Klamotten rum, sondern zieht euch hin und wieder „normale“ Sachen an. Das kann oft schon einen Unterschied machen und ein Gefühl von Normalität herstellen.
  • Probiert Aroma-Öle aus, zum Beispiel vor dem Schlafengehen.
  • Falls ihr Probleme mit dem Ein- oder Durchschlafen habt: Probiert Gewichtsdecken aus.
  • Achtet darauf, dass ihr genug schlaft und nicht die Nächte durchmacht
  • Musik! Hört Musik, eure Lieblingssongs und Bands, so oft es geht. Musik macht immer alles etwas besser.
  • Bewegung – auch wenn es manchmal nervt. Aber nach einer Sportrunde fühlt man sich direkt ausgeglichener.
  • Bestimmt feste Tage, um beispielsweise Einkaufen zu gehen. Generell: Stellt euch vor, dass Termine und Erledigungen nicht als nervige Pflicht vor, sondern eher als Vorhaben bzw. als guter Grund, mal wieder aus dem Haus zu gehen.
  • Führt Tagebuch und schreibt jeden Tag eine Kleinigkeit rein, die gut war oder euch glücklich gemacht hat. Euch wird auffallen, dass auch kleine Dinge viel wert sein können, selbst wenn man momentan nicht viel erlebt

Coronakrise: Andere schützen – aber auch die eigene Seele

Die Corona-Pandemie zwingt uns, auf vieles in unserem Leben zu verzichten, die Einschnitte in unseren Alltag sind drastisch. Dennoch sollte man versuchen, im Rahmen der Möglichkeiten möglichst aktiv zu bleiben. Heißt: Dinge, die erlaubt sind, sollte man auch tun, wenn man sich gut dabei fühlt. Wenn es der Seele gut tut, eine Shoppingtour zu machen oder mal wieder zum Friseur zu gehen, dann sollte man auch nicht darauf verzichten müssen, sofern man alle Corona-Regeln einhält.

Bei aller Rücksicht, die wir während der Corona Krise auf andere nehmen, bei allem Verständnis für die Einschränkungen, so sollte das eigene seelische Wohlbefinden nicht in Vergessenheit geraten. Hier findest du eine Übersicht der Krisendienste und Notfallkliniken in jedem Bundesland, solltest du merken, dass du ohne professionelle Hilfe den Halt verlierst.

Rubriklistenbild: © John Holcroft via www.imago-images.de

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