Erfahrungsbericht

Odyssee in Berlin

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Joko und Klaas sind verrückt, bescheuert aber auch lustig. Spätestens seitdem sie ihre eigene Show "Circus Halligalli" haben, kennt sie eigentlich jeder. chili-Autorin Rieke Klotz hat die Jungs in Berlin besucht und kam enttäuscht zurück.

Von Rieke (21 Jahre) aus Bremen

Circus Halligalli ist eine komplett verklatschte Late-Night-Show, bei der Joko und Klaas (bekannt vonMTVhome) jeden Montag über die Studiobühne des Prosieben-Senders tanzen. Meine Freundin Svenja und ich wollen den ganzen Zirkus live sehen und machen uns auf den Weg nach Berlin. Schon drei Stunden vor Beginn sind wir am Studio. Zusammen mit ein paar anderen Jugendlichen warten wir vor einer großen Holztür. Darüber hängt das Schild: „Circus Halligalli“, daneben sind rechts und links riesige, rote Prosieben-Logos an die Wand gepinselt. Alles im 30er-Jahre-Stil. „Wollt Ihr denn nicht reinkommen?“, fragt ein Showmitarbeiter mit einem Grinsen auf dem Gesicht in die Runde der wartenden Jugendlichen. Der denkt sich bestimmt: „Typisch brave Deutsche.“ Schließlich hat sich keiner von uns getraut, diese beeindruckende Eingangstür aufzustoßen.

Kaum haben wir die heiligen Hallen des Sender betreten, folgt die erste Überraschung: „Bitte gebt alle Handys und Kameras ab!“ Alle Handys? Was? Ist das überhaupt rechtlich erlaubt, dass die uns unsere Handys abnehmen? Aber gut, in dieser Situation traut sich keiner zu widersprechen. Svenja und ich stellen uns direkt vor das Studio fünf, hinter dem sich die großartige Manege des Wahnsinns verbirgt. Alle stehen auch hier wieder, ohne zu drängeln und ohne zu schubsen, in einer Reihe. Typisch deutsch eben.

Eine ganze Stunde lang warten wir! Und das auch noch ohne Handy. Na toll. Aber die Vorfreude lässt alles halb so wild erscheinen. „Zuerst Block A, dann Block B und zuletzt Block C,“ schreit plötzlich ein kleiner Mann mit Prosieben-Baseballcap. Wir machen Platz für die glücklichen Block A-Karten Inhaber – die haben, wie sich nachher herausstellt, im wahrsten Sinne die A-Karte gezogen: Sie sitzenversteckt hinter Kamerakränen, gequetscht an die Studiowand.

Svenja und ich haben da vorerst mehr Glück: „Block B, Reihe 3 – dann freie Platzwahl“, steht auf unseren Karten. Endlich, Block B ist dran und wir stürmen an den langen, schwarzen Vorhängen vorbei, eine rote Treppe hinauf in den Zuschauerraum.

Zum ersten Mal sehen wir das Studio. Aber nach der ersten Euphorie stellen wir fest: Es ist echt klein. Viel kleiner als gedacht. „Im Fernsehen sieht das alles viel größer aus“, sagt auch das blonde Mädchen hinter uns. Und die Security-Frau setzt noch einen drauf: „Das sind eigentlich 280 Plätze. Wir lassen aber 300 Leute rein.“ Beinfreiheit Fehlanzeige.

Unser Ziel: Plätze möglichst mittig in Block B finden. Vorerst schaffen wir das auch. Bis eine gelangweilte Stimme über Lautsprecher krakeelt: „Block B, Reihe 3 bitte gaaaaanz durchrutschen.“ Super, jetzt sitzen wir eng aneinander gekuschelt, an den letzten Block A-Zuschauern und vor uns steht ein riesiger Kamerakran. Von dem berühmten Sofa und dem Schreibtisch, von denen aus Joko und Klaas moderieren, ist auch nichts mehr zu sehen. Wann geht denn die Show los?, schießt es mir durch den Kopf, als auch noch ein 08/15-Animateur anfängt zu nerven: Seine alten Otto-Witze machen die nervöse Aufregung auf Circus Halligalli unerträglich.

Endlich kommen Joko und Klaas auf die Bühne. Wir toben, klatschen und stampfen mit den Füßen. Ich merke, wie sich so ein dämliches Dauergrinsen auf meinem Gesicht breit macht.

Lässig wie immer fangen Joko und Klaas an, mit dem Publikum zu quatschen. Und sagen, dass wir immer klatschen und gut drauf sein müssen und bla bla bla. Joko erzählt von seinem Besäufnis gestern Abend und, dass es ihm momentan schlecht geht. Klaas lästert, dass Joko bis eine halbe Stunde vor der Sendung geschlafen hat. Die beiden hauen einen Witz nach dem anderen raus, gehen permanent auf und ab und können nicht still halten. Die Show beginnt mit Oma Violetta: Die kleine, mürrische, griesgrämige Show-Oma feuert das Publikum an. Dann geht alles ganz schnell, zwei Minuten Talk, fünf Minuten Film, der für uns Studiozuschauer auf sechs großen Fernsehern läuft. Ein paar einstudierte Witze und schon ist alles wieder vorbei.

Joko und Klaas verabschieden sich kurz vom Fernsehpublikum, machen fix ein Bild mit den Gästen der Sendung und das war’s. Klaas verschwindet sofort hinter der Bühne – keine Fotos, keine Autogramme. Wie auch, wir mussten ja alles am Empfang abgeben. Zwei Mädchen flitzen schnell zu Joko, bevor er sich vom Acker machen kann, und umarmten ihn. Danach kommt sofort der Security-Service und würgt alle Fans ab, die dem Comedian näher als zwei Meter kommen wollen. Joko verschwindet auch hinter der Bühne. Was soll das denn? Was würden wir nicht alles für ein Foto mit Joko und Klaas geben!

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