„Alkohol spielt eine sehr große Rolle“

Ist Mickie Krause nüchtern zu ertragen? chili-Volontärin Charlotte hat ihn getroffen (und sagt: Ja!):

Spät am Abend dringe ich in die hinteren Räume der Halle 7 ein, komme dorthin, wo es das Freimarkt-Volk nie hin verschlägt, renne durch Gänge, und ganz am Ende, in einem Zimmer mit offener Tür, sitzt eine Gruppe von Menschen. Einer von ihnen, kurze rotblonde Haare, blaue Augen, steht auf. Dann erkenne ich ihn erst: Das ist Mickie Krause. Ohne Perücke!

Auf der Bühne ist Mickey Krause ein anderer Mensch

Ich habe ihn, das muss ich zu meiner Schande gestehen, einmal live auf der Bühne gesehen, vor zwei Jahren auf dem Freimarkt. Und jetzt stelle ich fest: Der Mann ist ein echter Profi. Im Gespräch wirkt er ganz seriös – sympathisch! Und dann, kurz nachdem wir das Foto geschossen haben, stürmt er die Bühne und ist ein vollkommen anderer Mensch als eben noch im Interview. Und ich denke: Haha, Ihr Zuschauer. Von Euch weiß ja keiner, wer wirklich unter dieser Perücke steckt...

Mickie, Du singst in einem Deiner Songs „Jede Stelle meines Körpers ist sexy“. Denkst Du das wirklich?

Meine Frau sagt: Ja!

Welche Stelle besonders?

Mein Ellenbogen, der ist besonders zart.

Komisch, meiner ist immer ganz rau. Hast Du einen Pflegetipp für mich?

Ich pfleg den auch nicht so doll, ab und zu mal ein bisschen Melkfett, das reicht.

Deine Haare sind für viele Leute ein Mysterium. Echt oder Perücke?

Für die Zeitung: Echt!

Zurück zu Deinen Liedern: Standen echt schon mal zehn nackte Friseusen vor Dir – oder nur im Traum?

Das ist heute noch ein Traum! Den Song hat der berühmt-berüchtigte Sportmoderator Lou Richter geschrieben. Bei mir standen die Friseusen noch nicht vor der Tür – aber wir arbeiten dran!

Wie viele Deiner Lieder hast Du selbst geschrieben?

Mittlerweile schreibe ich viele Texte selber und produziere sie auch. Das Lied „Ich bin solo“ ist vom Text nicht schwer, aber die Idee ist großartig! Ich geb vielen Liedern den Feinschliff, die Musik macht ein anderer. Ich bin derjenige, der dann sagt: So und so stell ich mir das vor, damit ich den Song auf Festen spielen kann.

Und wie kommst Du auf Deine Texte?

Alkohol spielt eine sehr große Rolle (lacht). „Ich bin solo“ ist unter Einfluss von Alkohol entstanden. Aber „Jan Pillemann Otze“ ohne, da muss man sich nüchtern ransetzen und überlegen: Wie kann ich sowas realisieren? Ich mache mir oft so sehr Gedanken zu Songs, dass ich nicht einschlafen kann, und nachts um vier hab ich dann eine Idee. Darum liegt mein Diktiergerät auch immer auf meinem Nachttisch. So wie bei „Oh, wie ist das schön“. Die Zeile kam ja aus einer Werbung, und ich hab überlegt, wie man das ausbauen kann. Im Skiurlaub ist es mir dann nachts eingefallen.

Welcher Deiner Songs ist Dein Lieblingslied?

Ein ganz großer Favorit ist „Zeig doch mal die Möpse“. Das Problem ist nur, dass ich heute die Originalversion nicht mehr singen kann, weil die in einer sehr hohen Stimmlage geschrieben ist. Ich hatte mittlerweile zwei Stimmbandoperationen und komme nicht mehr an die Tonhöhen ran. Und weil ich immer noch so doof bin, live zu singen, mache ich das Lied nur noch unplugged.

Hörst Du privat eigentlich auch nur Partylieder – Jürgen Drews und so? Oder auch mal was anderes?

Sowohl als auch. Ich muss mich beruflich bedingt natürlich mit Partymusik auseinandersetzen. Aber abends auf dem Sofa hör ich oft U2 oder Coldplay. Dann gibt’s noch so zehn Bands, die kein Mensch kennt. Manchmal fahre ich zu Konzerten, wo nur 80 Leute sind. So kann man mich glücklich machen. Jürgen Drews hör ich aber nicht.

Kein gutes Verhältnis zu ihm?

Ich habe keine Konkurrenz – ich habe nur Opfer! (lacht). Jürgen Drews und ich kennen uns seit 1999. Da war er bei meinem Lied „Zehn nackte Friseusen“ sehr skeptisch und sagte, das wird sich nicht durchsetzen. Wir haben uns aber angenähert, kommen eigentlich gut miteinander klar. Ein kleiner Höhepunkt war „Das perfekte Promidinner“, das letztes Jahr gedreht wurde. Er lernt von mir, wie es geht, und ich lern von ihm, wie es nicht geht (lacht). Er ist 65, der muss sich nichts mehr beweisen. Wenn ich 65 bin und immer noch auf dem Bremer Freimarkt singe, dann darf es von mir aus gerne Leute geben, die sagen „Holt den Opa mal von der Bühne“.

Wo fühlst Du Dich wohler – auf Mallorca oder hier?

Wenn ich auf Mallorca bin, fühle ich mich sehr wohl. Aber für meine Kinder ist Deutschland das Zuhause und Mallorca nur das Urlaubsdomizil. Auch meine Heimat und mein Zuhause ist Deutschland. Aber auf Mallorca ist das Wetter besser. Ich kann mir vorstellen, dort alt zu werden. Wenn die Kinder groß sind oder studieren. Dafür bin ich aber jetzt noch zu jung.

Was ist das Verrückteste, was Dir mal bei einem Auftritt passiert ist?

Dass ich als Michael Wackel angekündigt wurde. Und einmal hatte ich in Graz ein Konzert. Da war ich auf dem Plakat als „Mickey Krause“ angekündigt, und die Person auf dem Plakat war eine ganz andere als ich. Es stellte sich später raus, dass das wohl das Bild eines Mickie-Krause-Double war. Und einmal war ich für einen Auftritt gebucht, wo auch „Modern Talking“ kommen sollten. Mir wurde vorher gesagt, dass ich nur auftreten muss, wenn die Jungs nicht kommen. Das wusste man bei denen früher nie so genau. Sie kamen aber, und ich hatte das erste Engagement, wo ich Geld verdient habe, ohne überhaupt auf der Bühne zu stehen.

Bist Du bei Deinen Auftritten betrunken?

Nein, 80 Prozent mach’ ich in nüchternem Zustand. Ab und zu gibt’s aber mal Veranstaltungen, da hat man fünf Bier getrunken. Vor ein paar Wochen habe ich vor einem Auftritt mit Atze Schröder gefeiert. Ich wohl ein bisschen mehr als Atze… Aber ich gehöre Gott sei Dank nicht zu den Leuten, die auf der Bühne betrunken sein müssen. Wenn ich bei meinen 250 Auftritten im Jahr besoffen wäre, dann könnte ich keinen Marathon laufen…

Hören Deine Kinder eigentlich Deine Lieder – und verstehen sie die Texte?

Die verstehen nicht, was ich singe. Und ich sage ihnen: „Wenn Ihr in den Kindergarten geht, dann singt nicht ,Geh doch zu Hause, Du alte Scheiße’.“ Das machen sie aber auch nicht. Denen ist es eher peinlich, wenn Leute mich auf der Straße ansprechen. Ich verheize meine Kinder auch nicht so wie andere Leute für die Öffentlichkeit. Wir wohnen in einem 8.000-Seelen-Ort, da kennt jeder jeden und ich muss nicht erklären, was ich beruflich mache.

Sind Deine Eltern stolz auf Dich?

Ich denke schon – ich hab noch nichts Gegenteiliges gehört. Klar, 1998 hab ich von denen gehört: „Du bist gelernter Jugend- und Heimerzieher, musst Du das tun?“ Aber das ist wohl immer so, wenn man sich selbstständig macht. Ich denke aber, dass alle Eltern stolz auf ihre Kinder sind. Sonst würde mir das auch zu denken geben.

Wie lange willst Du noch so weitermachen wie bisher?

Keine Ahnung. Bislang habe ich bis zu 250 Auftritte im Jahr, das wird sicherlich irgendwann weniger werden. Ich kann aber nicht sagen: Ich hör mit 45 oder 50 Jahren auf. Es ist auch schön, Musik zu machen, weil es immer mein Hobby war. Ich werde aber nicht mehr auf der Bühne stehen, wenn es nicht mehr glaubwürdig ist. Aber ich habe im Moment immer wieder neue Ideen. Wir versuchen, jedes Jahr ein neues Lied zu machen, so wie jetzt gerade „Schatzi, schenk mir ein Foto“ – das wird ein Erfolg!

Von Charlotte Steenken (24 Jahre) aus Borwede

Rubriklistenbild: © chili

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