In 80 Frauen um die Welt

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Thilo Mischke

Borwede - „Schön finden wir’s nicht. Aber, Junge – mach, was Du möchtest.“ Thilo Mischke hat eine Wette verloren – und das Buch „In 80 Frauen um die Welt“ geschrieben.

Wenn Du es schaffst, auf Deiner dreimonatigen Weltreise 80 Frauen ins Bett zu kriegen, bezahlen wir Dir den Trip.“ Das war die Wette. Was draus geworden ist: Ein Buch. Inzwischen ist Thilo Mischke, der Autor von „In 80 Frauen um die Welt“, von seiner Reise zurückgekehrt – höchste Zeit, chili-Volontärin Charlotte Steenken (24) aus Borwede auf ihn anzusetzen und mal nachzuhaken, wie’s war.

Thilo, Dein Buch heißt „In 80 Frauen um die Welt“. Waren es wirklich 80?

Nein. So an die 20. Ich habe irgendwann nicht mehr richtig mitgezählt, weil es dann nicht mehr darum ging, so viele Frauen wie möglich ins Bett zu bekommen.

Erzähl doch noch mal ganz genau: Was steckt hinter dem Titel?

Es war eine Wette, eine Schnapsidee zwischen drei meiner besten Freunde und mir. Dahinter verbirgt sich die Unruhe, die wir alle haben, uns nicht auf eine Frau festlegen zu können. Wir waren so genervt davon, dass wir einen von uns losgeschickt haben – mich – der um die Welt reisen sollte, um mit seinen Dämonen fertigzuwerden und die Fähigkeit wiederzufinden, sich zu verlieben. Beziehungsweise: sich zu öffnen.

Ey – wie verrückt bist Du, dass Du auf so eine Wette eingehst...

Man muss nur betrunken sein, nicht verrückt.

Du hast ja jetzt jede Menge Erfahrungen – in welchem Land leben die besten Liebhaberinnen?

Tatsächlich sind die Fähigkeiten nicht vom Land abhängig, sondern von der persönlichen Erfahrung, die eine Frau hat. Glaube ich. Auffällig ist aber, dass es sich in jedem Land unterscheidet, wie man sich kennenlernt. In Polen ist es so, dass extrem offen sexuell und offensiv getanzt wird, was aber nichts zu bedeuten hat. In Israel geht man sehr ehrlich miteinander um: Jede ehrliche sexuelle Anspielung ist auch ehrlich sexuell gemeint. In Japan existieren überhaupt keine Anspielungen, dafür aber 5.000 Regeln, wie man sich gefälligst anzumachen hat. Wenn man die nicht einhält, fällt man gleich durchs Raster.

In wie vielen Ländern bist Du insgesamt gewesen?

In 14. Und in 22 Städten.

Welches Land hat Dich am meisten fasziniert?

Japan. Weil ich mal Japanisch studiert habe. Und Israel. Durch seine politische Verwaschenheit und Gefährlichkeit und die Einstellung zum Leben, die dort vorherrscht. Und dass man mit jeder Frau, mit der man dort spricht, über den Holocaust redet, was ich interessant fand.

Welches Land hat Dich am meisten angekotzt?

Indien, weil ich dort ausgewiesen wurde. Aus einem ganz dummen Grund: Weil ich kein Visum hatte. Ich dachte, Indien wäre auch eins dieser Länder, die sich einreihen in das „Visa-on-arrival“-Ding. Ist aber nicht so. Wenn man nach Goa reisen will, um irgendwelche alten Hippies zu beobachten, aber dann direkt in eine pakistanische Bomberzelle gesteckt wird, ist einfach der Eindruck des Landes schwierig. Aber richtig angekotzt hat mich eigentlich kein Land. Das ist auch eine persönliche Stimmungssache. Wenn ich mich einsam gefühlt habe, was häufig passiert, wenn man alleine reist, kann auch das Land zum Kotzen sein. Und am nächsten Tag ist es wieder wunderschön.

In der Kurzzusammenfassung Deines Buches lese ich, dass die Liebe am Ende stärker ist als eine Wette. Was ist passiert? Hast Du Dich auf der Reise verliebt?

Das ist richtig, ja. Die Liebe existiert auch noch, aber es ist komplizierter, in der Realität eine Liebe zu haben, als auf einer Fidschi-Insel, wo man sich kennenlernt.

Und aus welchem Land kommt die Liebe?

Sag ich nicht. Zum Schutz der Person.

Du schreibst als freier Journalist unter anderem für „Neon“, „Penthouse“ oder „Cosmopolitan“, und Sex ist immer wieder Thema. Warum beschäftigt Dich das so, wie wichtig ist Dir Sex?

Nicht wichtiger als anderen Menschen, aber ich mache mir sehr viele Gedanken darüber. Wie es funktioniert und warum wir’s haben und was daran so spannend ist. Wenn man mich in echt trifft, ist es aber nicht so, dass ich die ganze Zeit über Penisse und Muschis rede.

Sind es wirklich immer ehrliche, eigene Erfahrungen, über die Du da schreibst?

Selbstverständlich. Natürlich hat man im Buch immer viel mehr Raum zum Zuspitzen. Natürlich macht man da mal eine Falte weniger oder eine Haarsträhne schöner, aber ‘ne ganze komplette Geschichte zu faken, das ist mir zu gefährlich.

Stell Dir vor, es gäbe nur eins von beidem: Sex oder Liebe. Was würdest Du wählen?

Sex. Weil: Sonst gibt es uns ja nur genau eine Generation lang. Und dann sind wir alle tot.

Du ziehst Dich so vor der Öffentlichkeit aus, schreibst über Deine Erfahrungen beim Gruppensex oder beim Onanieren – wie einfach ist für Dich dieser Seelenstriptease?

Es gibt natürlich zwei Thilos. Ich schreibe oft über den sexuellen Konsens. Wenn man das liest, fühlt man sich möglicherweise schockiert, besonders bei dieser Neon-Geschichte (Anmerkung der Redaktion: In dem Text hat Thilo beschrieben, wie er und seine Freundin nach einem anderen Paar für Vierer-Sex suchen), aber trotzdem haben sich die meisten Menschen beim Lesen bei dem Gedanken ertappt: Das will ich auch mal ausprobieren. Damit bin ich nichts anderes als jemand, der die Fantasie aller aufschreibt. Ich versuche, immer so zu schreiben, dass man sich dran erinnert fühlt: So könnte ich auch sein. Aber niemals: Das ist Thilo Mischke.

In dem Fall war ja aber auch Deine Freundin involviert, sogar auf einem Foto drauf. Wie findet sie es denn, dass Du ihr Intimleben in die Öffentlichkeit stellst?

Ich hab fast nichts über ihr Intimleben geschrieben. In dem Artikel stehen Klassiker drin, wie: Sie ist eifersüchtig, wir beschwören uns, dass unsere Beziehung felsenfest ist wie Beton – was sich dann später als nicht richtig herausgestellt hat. Aber das hatte keinen Zusammenhang mit dieser Geschichte.

Über welche Themen schreibst Du am liebsten?

Sexualität und Holocaust. Ich mag es, zu entlarven. Da kann das Thema egal sein. Ich kann nicht über Autos, Sport oder Politik schreiben. Wenn jemand fragen würde: „Worüber möchtest Du Dein Leben lang schreiben?“, würd ich sagen: Partnerschaft und Sexualität und die Deutschen und ihr großes Trauma. Das ist nicht nur der Holocaust an sich, sondern das sind die 80 Millionen traumatisierten Menschen hier. Das liegt daran, dass an unserem Familienabendbrottisch über nichts anderes gesprochen wurde als über Politik, Holocaust und Sexualität.

Lesen Deine Eltern Deine Texte?

Ja. Alles. Die sind sehr offen. Selbst meine Oma liest es. Ich hab mal zwei Jahre bei der „Vice“ gearbeitet als Redakteur, und die Texte für dieses Magazin waren echt hart. Richtig fies. Und selbst da sagten meine Eltern: Schön finden wir’s nicht, aber Junge, mach, was Du möchtest.

Im November erscheint ein zweites Buch von Dir, das Du zusammen mit Dietlind Tornieporth geschrieben hast – „Wir, intim“. Die Beschreibung verspricht „Sex pur und Aufklärung im besten Sinne“. Bist Du ein moderner Bravo-Dr.-Sommer für die Generation 20+?

Das hat der Heine-Verlag so entschieden, ich nicht. Es gibt 40 Texte zu sehr spezifischen sexuellen Themen. Das Tolle an einem Sachbuch ist, Du kannst einfach behaupten: Das ist so. Du musst nichts beweisen. Ich wälze nicht irgendwelche Statistiken, sondern schreibe, wie unsere Generation bestimmte sexuelle Themen sieht. Extrem harsch und grob in manchen Texten. Wie wichtig ist das Thema Sex im Jahr 2010? Genau so wichtig wie in den letzen vier Millionen Jahren der Evolution des Menschen. Das einzig Tolle ist, dass wir darüber ganz anders kommunizieren können, weil wir uns von den religiös- moralischen Dingen lösen können. Wir können jetzt über Masturbation sprechen, ohne dass wir uns danach unsere Hände abschneiden müssen. Das ist eine Errungenschaft. Sex ist einfach das Zentrum menschlicher Kommunikation. Man findet keine Kochrezepte an Urzeithöhlen, sondern Sexstellungen – und das hat auch einen Grund. Weil es die Triebfeder unserer Existenz ist. Es wird überall und ständig über Sex gesprochen. Und über Gas und Autopreise.

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