„Birth of the Cool“

„Birth of the Cool“ im Kino: Meilenweit voraus

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Miles Davis mit seiner Frau Frances Taylor.

Der Dokumentarfilm „Birth of the Cool“ erinnert an den Jahrhundertmusiker Miles Davis.

Es gibt eine Mode in Dokumentarfilmen über Kunst, vor der man sich in acht nehmen muss. Was man von ihnen üblicherweise erwarten würde, die Vermittlung von Kultur, scheint ihren Machern suspekt. Immer scheint etwas interessanter sei als die Kunst, um die es geht: Ist es Malerei oder Fotografie, kann man sie nicht kurz genug zeigen. Und wenn es Musik ist, gibt es kein größeres Tabu als ein ausgespieltes Stück. Was früher ein kluger Kommentar in wenigen Worten ausgedrückt hätte, erklären nun, meist weit ausschweifender, sprechende Köpfe; gerne aber mehrfach. Stammt die Kunst aus der Vergangenheit, ist auch die Zeitgeschichte, am liebsten in schnellen Archiv-Montagen aufgefächert, nicht selten interessanter als das Eintauchen in ein Kunstwerk.

Der Dokumentarfilm „Miles Davis: Birth of the Cool“ hat all diese Probleme, aber eigentlich hätte er einen guten Grund, das Werk des großen Jazztrompeters in einen zeithistorischen Kontext einzuordnen. Der Rassismus in den USA war für den visionären Trompeter, der bereits 1949, am Anfang seiner Karriere, in Frankreich die Anerkennung führender Intellektueller fand, besonders tragisch. Kurz nach seiner Rückkehr stürzte er in eine Heroin-Abhängigkeit, von der Zeitzeugen wie der legendäre Jazzpromoter George Wein (heute 94) erzählen. Juliette Greco (92), seine einstige Pariser Geliebte, hat sich immer wieder ausführlich über Davis geäußert, auch über den Rassismus, den sie gemeinsam in New York erlebten.

Miles Davis: Birth of the Cool. Dokumentarfilm. USA/GB 2019. Regie Stanley Nelson. 115 Min.

In dieser BBC-Koproduktion ist sie nur mit wenigen Sätzen präsent. Auch wenn Regisseur Stanley Nelson dem Privatleben in seinem fast zweistündigen Film viel Raum gibt, zeigt er Juliette Greco nur für ein paar Sekunden. Nichts deutet auf ihre lebenslange Freundschaft hin. Umso wertvoller die langen Interviewpassagen mit seiner ersten Ehefrau, der 2018 verstorbenen Tänzerin Frances Taylor. Offen spricht sie über die erlittene häusliche Gewalt, für die sich Davis in seiner Autobiographie halbherzig entschuldigte: „Jedes Mal, wenn ich sie schlug, fühlte ich mich schlecht, denn oft war es gar nicht ihre Schuld, sondern hatte mit meinen Launen und meiner Eifersucht zu tun.“

Das janusköpfige Bild des Musikers, der seine wahren Empfindungen nur in der Kunst ausdrückt, zieht sich durch den Film. Angesichts all der ausgesparten Facetten seiner Biografie und seines Werks misstraut man freilich zusehends dem Mangel an Zwischentönen. Davis selbst ist lediglich in Zitaten aus seiner Autobiographie präsent, nachgesprochen vom Schauspieler Carl Lumbly. Dabei hat sich der Musiker in seinen zahlreichen Interviews oft offener und streitbarer ausgedrückt. Etwa als er sich 1969 gegen die Verwendung des Begriffs Jazz ausspricht, den er für ein „Onkel-Tom-Wort“ hält. Auf die Frage des Interviewers Les Tomkins nach einer Alternative, entgegnet er: „Einfach Musik. Wir können alles da draußen spielen.“

Filmemacher Stanley Nelson, der 2015 einen wichtigen Dokumentarfilm über die Black-Panther-Bewegung realisierte, streift leider auch das Politische am Künstler Miles Davis nur oberflächlich. Das Werk dieses unvergleichlichen Musikers sprengte alle Schubladen, aber wie es aussieht, sind sie heute enger gefasst als je zuvor. Wenigstens in den einengenden, heute allgegenwärtigen Dokumentarfilm-Formaten.

Liegt der Musiker Ozzy Osbourne im Sterben? Wie mehrere Medien nun erfahren haben wollen, soll Osbourne tatsächlich auf den Tod warten.

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