Lieblingsjahreszeit Festivalsommer?

Nina von Eyß (18 Jahre) aus Twistringen

Twistringen – Sommer. Worauf freuen sich Jugendliche am meisten? Ein leckeres Eis, das man unter strahlend blauem Himmel isst? Laue Sommerabende mit Freunden im Garten? Einfach mal entspannen? Denkste! Ein Großteil freut sich noch mehr auf die Festivalsaison.

Dann heißt es: Viel Bier, viel laute Musik und viele neue Leute. Pogen und moshen gegen den Alltagsstress; mitgröhlen, bis die Stimme versagt. Tagelang in Zelten wohnen, schlechtes Wetter in Kauf nehmen, Ravioli in Dosen und die berühmten Dixi-Klos – und das alles nur, um später mit einem bunten Festivalbändchen um das Handgelenk nach Hause zu fahren. Ich bin da ja skeptisch, aber für so manchen Jugendlichen symbolisiert genau das den Himmel auf Erden.

Seit Monaten höre und lese ich nur noch Festival, Festival, Festival. Erste Line-Ups stehen, und natürlich ist „Rock am Ring“, die Mutter aller Festivals, schon längst ausverkauft. Viele junge Leute wissen genau bescheid, welches Festival wann, wo und mit wem stattfindet, und wenn gerade kein solcher Experte parat steht, gibt es ja immer noch das Internet, das eh alles weiß.

Auch hier werde ich ständig mit dem Thema konfrontiert. Kaum bei Facebook eingeloggt, springen mir Meldungen wie: „Person X nimmt am Hurricane-Festival teil“ entgegen. Da stelle ich mir die Frage: Was ist das Besondere daran, ein paar Tage im Schlamm zu verbringen, in der schwitzenden Menge fast totgetrampelt zu werden und so viel Alkohol zu trinken, dass man fast denken könnte, es fließt mehr Bier als Blut im Körper?

Trotz meiner Skepsis: Bei dem Rummel um die Festivals fällt es mir schwer, mich herauszuhalten. Also lasse auch ich mich mitreißen und springe auf die Festivalwelle auf. Ich informiere mich über potenzielle Festivalkandidaten, befrage Freunde nach ihren Plänen und mein Konto nach dem nötigen Kleingeld. Und wenn alles passt, dann werden die Tickets geordert, und das große Warten beginnt. Zwischendurch bekomme ich dann noch unzählige E-Mails vom Veranstalter, dass die Karten aufgrund großer Nachfrage verzögert geliefert werden. Ich lasse mich trotzdem weiter von der Vorfreude meiner Freunde anstecken.

Endlich ist der langersehnte Tag der Ticketübergabe gekommen. Gespannt öffne ich die Tür, und wie in der Werbung steht ein muskulöser, gut aussehender Mann mit einem perfekten Zahnpasta- Lächeln davor. Von hinten unterstreichen goldene Lichter sein charismatisches Strahlen, und während Himmelschöre und lieblicher Engelsgesang die Szenerie untermalen, reicht er mir mein Päckchen. Ich drehe mich langsam um, schließe die Tür und tanze vor lauter Freude durch das Haus... Okay, in Wirklichkeit war es nur ein alter Postbote, der mir mit einem schmierigen Grinsen an einem verregneten Samstag die Karten überreicht hat – aber mein Glücksgefühl war so groß, als wäre es wirklich der junge Mann mit dem schönen Körper gewesen.

Aber ist die Vorfreude überhaupt berechtigt? Frage ich Freunde, die schon oft auf Festivals waren, bekomme ich von allen die gleiche klare Antwort: „Na klar, das Feeling ist einmalig!“. Einen tiefgründigen Sinn haben diese Veranstaltungen ja nicht, aber wen interessiert das schon, wenn man jung ist? Auch wenn die Festivals nur im Sommer stattfinden – die Freude ist ganzjährig. Mal sehen, ob sie bei mir auch so lange anhalten wird.

Nina von Eyß (18 Jahre) aus Twistringen

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