Ein Kommentar zu #bibissong

Achtung! Bibi singt

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Bianca Heinicke ist bekannt als Bibi.

Von Johanna Müller. „Jetzt singt sie auch noch“, das war mein erster Gedanke, als eine Kollegin rüber rief, Bibi hätte jetzt auch einen Song veröffentlicht. Doch viel schlimmer ist eigentlich, dass ich überhaupt weiß, wer diese Bibi ist. Dieser Hype sollte endlich aufhören. Ein Kommentar zu #bibissong. 

Leider geht es mir so wie wohl den meisten Leuten, die sich viel im Internet rumtreiben: An gewissen Youtubern komme ich einfach nicht vorbei. Deshalb muss ich mich jetzt mal outen. Ja, ich kenne Dagi, Bibi und so manch anderes Sternchen aus der Szene. Und ja, ich habe mir auch schon einige ihrer Videos angesehen - aus Neugier versteht sich. Denn es muss doch einen Grund geben, warum diese Persönlichkeiten so erfolgreich sind.

Diesen habe ich allerdings noch nicht gefunden. Manchmal frage ich mich, ob ich dafür zu alt bin. Doch selbst im Alter von 12 Jahren hätte ich gemerkt, dass diese Tussen kein Vorbild sein können. Sie färben sich die Haare, essen Süßigkeiten um die Wette oder erzählen einfach, wie sie sich so fühlen. Zwischendrin bewerben sie dann fleißig Produkte. Also mich fesselt das nicht.

Gut finde ich jedoch Videos, in denen ich Tipps erhalte. Zum Beispiel im richtigen Umgang mit Instagram und Co. oder auch Beauty-Tipps. Allerdings letztere nur in Maßen. Denn wenn sich Bibi in eine Eiskönigin verwandeln lässt, habe ich da nicht so viel von. 

Werbung statt Mehrwert bei Youtubern wie Bibi

Aber um einen Mehrwert für die Zuschauer geht es ja scheinbar auch schon lange nicht mehr. Denn aus den Schmink-Mädchen von damals sind Werbemaschinen geworden, die nur noch dazu da sind, Produkte an die Fans zu bringen und sich selbst darzustellen. Gut funktioniert dies wohl auch mit eigenen Marken, die viele Youtuber mittlerweile haben. Noch immer kein Grund, sich diese Videos anzusehen.

Trotzdem gucken viele Leute die Filmchen und stärken damit offenbar das Selbstbewusstsein der jungen Prominenz. Anders kann ich mir nicht erklären, wie es zu dem Musikvideo von Bianca „Bibi“ Heinicke gekommen ist. Denn singen kann sie meiner Meinung nach nicht. 

Bibis Song hat keine positive Botschaft

Hallo? Wie kann man so etwas nur veröffentlichen? Und dann auch noch mit diesem Text: My boyfriend quit, I'm almost dead, I'll have to do my best, I'm up and down, I feel so fat. Super Vorbild! [Achtung, Ironie.] Nur weil ihr Freund sie verlassen hat, fühlt sich Bibi fast tot und fett. Wenn das nun ihre Zielgruppe, die größtenteils aus Teenie-Mädchen besteht hört, denken die Mädels doch auch gleich, sie sterben und sind zu dick, wenn sie verlassen werden. 

Dann passiert der Sängerin noch mehr ärgerliches Zeug: Sie verliert ihren Job, ihre Bankkarte wird nicht angenommen und dann hat sie auch noch Anrufe verpasst. Doch eigentlich soll der Song tatsächlich eine positive Botschaft vermitteln: Das ist ihr alles scheiß egal. Oder wie sie singt: 

But that's just how it is
I sing: Wap-bap, ba-da-di-da-da Wap-bap, ba-da-di-da-da Wap-bap, ba-da-di-da-da-da Everybody sing: Wap-bap, ba-da-di-da-da Wap-bap, ba-da-di-da-da Wap-bap, ba-da-da-da-da
-da

Also sind die Jugendliche halt fett, ohne Job und arm. Da sie ja auch nicht ans Telefon gehen, bekommt das zum Glück auch keiner mit. Dann ist es wohl wirklich egal.

Nein, ist es natürlich nicht. Ich bin ja auch der Meinung, dass es mal schwierige Phasen gibt und man diese auch mal locker sehen sollte, aber doch nicht so, werte Bibi. 

Ich habe noch die Hoffnung, dass spätestens nach diesem Fehlgriff die Jugendlichen in Deutschland merken, dass ihre Stars auch nur Menschen sind - und keine Götter. Es ist nicht alles toll, was sie machen. Und ihr müsst nicht alles kaufen, was sie anpreisen. Schon gar nicht diese Single.

Der Shitstorm ließ nicht lange auf sich warten.

Reaktionen bei Twitter zu #bibissong

Aktualisierung: Shitstorm gegen Bibi geht weiter

Der Tag danach: Auch rund 24 Stunden nach der Veröffentlichung von Bibis Song, bewegt ihr Single-Debüt das Netz. Am Samstagmittag wurde das Youtube-Video zu „How it is ( wap bap ... )“ mehr als 8,6 Millionen Mal aufgerufen. Allerdings behaupte ich, dass diese große Zahl eher aufgrund des großen Interesses zustande gekommen ist. An der Qualität des Liedes kann es nicht liegen. 

Das zeigt sich auch an den Reaktionen im Internet. Direkt unter dem Clip wird deutlich, dass der Song nicht gut ankommt. Mehr als eine Millionen Menschen haben das Video bisher mit einem „Daumen nach unten“ bewertet. Dagegen stehen lediglich rund 201.000 „Daumen nach oben“. 

Und da nun auch wieder kommentiert werden kann - die Kommentarfunktion bei Youtube war kurz nach der Veröffentlichung zusammengebrochen - bekommt auch dort Bibi ihr Fett weg. Sekündlich gehen neue Meinungen über den Song ein. Darunter eine positive zu finden, ist allerdings schwierig. 

„Wenig Leute feiern den Song und ich hasse ihn, er ist zu voll bearbeitet“, „einfach schlecht, verdient eine Millionen dislikes“, „bitte hör auf zu singen. Was ist das?? Haha ekelhafte Stimme, wie so ein Kleinkind“, heißt es dort. 

Einige Sympathisanten gibt es zwar unter den Kommentatoren, doch selbst Bibi-Fans finden das Video nicht gelungen. „Ich finde dich eigentlich cool, aber mit diesem Lied bekommst viele dislikes und du verlierst viele Abos bei Youtube“. 

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