Bescheidener Boxchampion

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Bernhard Lekaj

Von Rafael Kaluza. Für gewöhnlich haben pubertierende Jungs ein paar Flausen im Kopf, sie finden sich selbst toll, wollen keine Schwächen zeigen und sowieso überall am stärksten sein. Gerade wenn man irgendwas besser kann als andere Jungs, darf damit auch gerne mal geprahlt werden.

Bernhard Lekaj ist anders. Der 13-Jährige hätte eigentlich die Möglichkeit anzugeben und ein bisschen auf den Putz zu hauen. Denn sein Hobby ist boxen – und darin ist er überaus erfolgreich. Noch nie hat Bernhard einen Kampf verloren und im letzten Jahr wurde er trotz großer und älterer Konkurrent Landesmeister in seiner Gewichtsklasse.

Trotzdem ist der Bassumer mit den dunklen Haaren und den braunen Augen nicht abgehoben. „Ich weiß es nicht“, antwortet Bernhard auf meine Frage, ob er mich (älter, größer und schwerer, aber blutiger Box-Anfänger) in einem Kampf vermöbeln würde. „Vielleicht hast Du einen besseren Punch als ich oder instinktiv eine gute Boxerfahrung“, erläutert er. Frei nach dem Motto: Selbstvertrauen ist gut, Bescheidenheit ist besser.

Bernhard spricht leise und zurückhaltend, fast ein bisschen zaghaft. Im Gespräch kann man sich noch nicht so richtig vorstellen, dass er im Ring zum Tier werden kann. Nur sein fitter Körper lässt diesen Gedanken zu. Dass er den einsetzen kann, daran besteht kein Zweifel.

Aber wie kommt man eigentlich zum Boxsport, während sich die Freunde mit Fußball, Handball oder Computer spielen beschäftigen? „Vor drei Jahren hat mich mein Vater nach Bassum zum Training geschickt, weil ich gesagt hab, dass ich gerne Kampfsport machen will. Das hat mir gleich sehr gut gefallen, also hab ich weitergemacht“, erzählt Bernhard, der vorher auch Judo und Basketball ausprobiert hatte. Aber erst das Boxen hat es ihm angetan. Vielleicht auch, weil es ihm im Blut liegt, denn schon sein Vater war leidenschaftlicher Boxer.

Schnell wechselte er zum TuS Syke, weil dort die besseren Trainingsbedingungen auf ihn warteten. Hier arbeitet er drei Mal in der Woche an sich, vor allem mit Zirkeltraining. „Kondition ist am wichtigsten beim Boxen. Es gibt den Spruch ,Kondition schlägt Technik’ – und das stimmt“, erklärt Bernhard, der als Vorbild Luan Krasniqi angibt, dessen Kämpfe er schon als Kind begeistert geguckt hat.

In seiner Freizeit geht Bernhard gerne auf’s Basketballfeld und wirft ein paar Körbe – mit seinen Freunden, die sich seit er boxt nicht verändert haben. „Die haben jetzt keine Angst vor mir oder so“, nuschelt das Talent verlegen. „Aber sie wünschen mir immer viel Glück vor den Kämpfen.“

Ob er das nötig hat, ist ungewiss bei seiner starken Bilanz. Einmal hat er seinen Gegner sogar fast K.O. geschlagen, eine absolute Seltenheit bei den Jugendlichen. Dabei entscheidet er im Kampf eigentlich alles aus dem Bauch heraus. Durch den Kopf gehe ihm eigentlich gar nichts, grinst Bernhard, der zugibt, dass er vor den Kämpfen schon ziemlich nervös ist. „Vor dem Kampf hab ich immer ein bisschen Bauchschmerzen.“ Was aber nicht bedeutet, dass er Angst hat, denn das ist ihm, auch dank des Boxens, relativ fremd. Wenn ihn auf der Straße jemand versuchen würde anzugreifen, würde er jedenfalls versuchen sich zu verteidigen. „Es sei denn, da kommt ein Riese an, dann wird’s natürlich schwer“, lacht Bernhard, der sich bei seinem Sport übrigens noch nie verletzt hat. Nur ein blaues Auge hat er bis jetzt davon getragen.

Wie es für ihn im Boxen weitergeht, darüber macht sich Bernhard noch keine Gedanken, erstmal will er in ein paar Jahren das Abitur schaffen. Derzeit besucht er die Oberschule in Bassum. Und da läuft es für ihn besser, seit er angefangen hat, zu boxen. „Früher saß ich total viel am PC, jetzt hab ich da keine Zeit mehr für. Boxen ist für mich der Ausgleich zum Lernen geworden“, erklärt der Sportler. Bessere schulische Leistungen durch ein tolles Hobby – idealer hätte es für Bernhard wohl kaum kommen können.

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