Der beste Teil des Abends

Beim Vorglühen geht‘s nicht ums Trinken, sondern um Freundschaft❤

Beim Ausräumen meines alten Jugendzimmers fiel mir ein Foto von 2008 (ein echtes, entwickeltes!) in die Hände. In schwarz-weiß, das war cool. Fünf Mädels sitzen auf einem Zweisitzer-Sofa, machen die Peace-Pose und ziehen Schnuten, haben furchtbare Klamotten an, aber dafür gut geglättete Haare. Auf dem Couchtisch stehen angebrochene Flaschen von viel zu süßem Asti-Sekt und klebrigem Erdbeerschnaps. Wir wollten los, irgendwo feiern. Aber vorher feierten wir uns selbst und unsere Freundschaft: beim Vortrinken.

Wer glaubt, es gehe beim Vortrinken nur darum sich die Lichter auszuschießen, bevor man wirklich loszieht, dem sei gesagt: Nein! Es gibt zwar so Nächte, die vor 23 Uhr zu Ende sind, weil jemand heulend oder würfelhustend im Badezimmer kauert. Aber das ist eine ärgerliche Ausnahme.

Klassiker: der 1,99-Fruchtsecco

Bei einem richtigen Vortrinken sind die alkoholischen Getränken nur Beiwerk. Flüssige Deko fürs Wohnzimmer, von der jeder etwas mitbringt: Uralter Bailey‘s, in dem schon Stückchen schwimmen, ungenießbarer Sekt oder der klassische Fruchtsecco für 1,99 Euro mit 100-prozentiger Kopfschmerz-Garantie.

Jeder hat ein volles Glas vor sich stehen, an dem ab und zu mal genippt wird. Aber so richtig trinken tut man standesgemäß erst dann, wenn das bestellte Taxi PLÖTZLICH vor der Tür steht: „Scheiße, austrinken! Wir müssen los!“ 

Vorher ist man beim Vorglühen mit 100 anderen Dingen beschäftigt, die sehr viel wichtiger sind als der bloße Alkoholgenuss: Cocktailrezepte ausprobieren, die alle misslingen, dritte Schicht Mascara auftragen, nochmal umziehen, Playstation zocken, lästern, lachen, aus Versehen Gläser umschmeißen, Haare glätten, singen, alle Apps auf dem Smartphone checken, tanzen, sich gegenseitig alle fünf Minuten erzählen, wie lieb man sich hat, viele hässliche Fotos machen, Pizza essen, WhatsApp-Chatverläufe analysieren oder im schlimmsten Fall auf Instagram live gehen. Das alles ist das Beste am ganzen Abend.

Beim Vorglühen geht es nicht um den Glimmer im Schädel (also auch, aber nur ein bisschen), bevor es los in die große weite Feier-Welt geht. Es geht um Freundschaft, um gemeinsame Zeit in einem zu kleinen Wohnzimmer, um geteilte Momente mit Vorfreude auf das, was am Abend oder auch im Leben noch kommt. Und wenn das nicht so gut wird, war zumindest das Vorglühen gut. Auf uns!

Rubriklistenbild: © imago images / PhotoAlto

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