Vollgas !!!

+
Das ist Jarmo's Welt: In freier Natur springt er mit seiner Motorrad über Felsen, Baumstämme und allem, was ihm noch in den Weg kommt.

Von Tobias Kortas. Jugendliche haben alle sehr ähnliche Interessen. Viele treffen sich gern mit ihren Freunden, manche spielen am liebsten Fußball und wieder andere tun alles, um ihre Lieblingsband zu sehen. Jarmo Robrahn (13 Jahre) aus Bargfeld-Stegen hat ein viel aufregenderes Hobby. Er ist Trialfahrer.

Jarmo Robrahn

Was das bedeutet? Jarmo steigt in jeder freien Minute auf ein speziell für Sprünge und Geschicklichkeits-Prüfungen gebautes Motorrad und fährt und springt damit durch freies Gelände, über Hindernisse wie Felsblöcke, Baumstämme und sogar Autos. Klar, dass ich als Motorsport-Narr den Typen unbedingt interviewen wollte.

Jarmo, andere Jungs in Deinem Alter spielen Handball oder Fußball – war Dir das zu langweilig?

„Als ich fünf Jahre alt war, bin ich durch Bekannte darauf gestoßen, die selbst Trial fahren. Sie haben dann zu meinem Vater gesagt, dass ich doch mal ein Trial-Motorrad kriegen sollte.“

Was macht am Trialfahren so viel Spaß?

„Wenn ich irgendwo ganz unten im Hang drinne stehe und Vollgas gebe. Ich fahre den Hang dann bis ganz oben hoch, wo oben eine Zwei-Meter-Mauer ist. Das finde ich viel besser als Motocross, wo man die ganze Zeit über springt und nur über die Cross-Rennstrecke fährt. Beim Trial kannst Du mit dem Motorrad außerdem auch ohne eine Rampe springen.“

Und wie intensiv trainierst Du?

„Am Tag so drei bis vier Stunden. Im Sommer trainiere ich immer dann, wenn ich Zeit habe. Ich hab zweimal in der Woche Fußball-Training und einmal lange Schule. Da bleiben mir mindestens zwei bis drei Tage in der Woche, an denen ich auf dem Motorrad bin. Und am Wochenende sind wir immer auf Turnieren.“

Kannst Du das Trialfahren und das Fußballspielen gut mit der Schule vereinbaren?

„Ja, das klappt ganz gut. Mein Vater sagt, dass er mir, solange meine schulischen Leistungen stimmen, den Sport bezahlt. Sobald ich in der Schule deutlich schlechter werde, stellt er die Motorräder zur Seite.“

Das klingt ja nach krasser Motivation. Wie sehr unterstützen Dich Deine Eltern denn sonst bei Deinem Hobby?

„Ganz viel. Mein Vater macht eigentlich alles mit. Wenn wir ein freies Wochenende haben und nirgends was los ist, sagt er zum Beispiel: ,Guck mal, Jarmo. In Frammersdorf ist ein Lauf. Da müssen wir zwar fünf Stunden hinfahren, aber wollen wir das übers Wochenende machen?’ Das finde ich cool."

Dein Trial-Motorrad unterscheidet sich sehr von einem normalen Straßen-Motorrad. Was sind die Besonderheiten daran?

„Das Heckteil ist zum Beispiel ganz klein. Das Motorrad wiegt nur 65 Kilogramm. Das kann man so hochheben. Außerdem kann man mit dem Motorrad sehr gut springen, und es bleibt schneller stehen als andere. Da kann man aus dem Stand einfach so rumspringen und zum Beispiel eine 180-Grad-Drehung in der Luft machen.“

Wann hast Du gemerkt, dass Dir das Trialfahren liegt?

„Erst spät. So bis zum zehnten Lebensjahr bin ich nur für mich im Gelände rumgefahren. Dann kamen Wettbewerbe dazu, und ich bin in die Klasse 6 – das ist die leichteste Leistungsklasse – eingestiegen. Im nächsten Jahr – das war die Saison 2010 – wollte ich die Norddeutschen Meisterschaften gewinnen. Da bin ich eine halbe Saison lang gefahren und am Ende auf dem dritten Platz gelandet. Das wurde mir aber zu langweilig. Am Ende des Turniers wird immer gewertet, wer bei den Prüfungen insgesamt am wenigsten die Füße abgesetzt hat. Und in der Klasse 6 haben die ersten Drei immer nur einmal den Fuß abgesetzt, und der Sieg musste in einem Stechen ausgefahren werden. Das war für mich schnell uninteressant, so dass ich mitten in der Saison in die höhere Klasse aufgestiegen bin. Da war ich zuerst nicht so gut, bin dann dort aber in der folgenden Saison Norddeutscher Meister geworden. Da wusste ich: Jetzt kannst Du es! Jetzt musst Du einfach nur weitertrainieren. Ich habe auch was, was andere nicht unbedingt haben. Viele sagen bei einem hohen Hindernis im Training gerne mal: ,Ah nee, das ist mir zu hoch. Da kann ich nicht hochspringen.’ Ich bin da nicht so, ich probiere es einfach immer.“

Das ist sehr mutig. Kommt es beim Trialfahren eigentlich häufig vor, dass Du Dich mal verletzt?

„Das ist ganz selten. Da ist Reiten viel gefährlicher.“

Hast Du Vorbilder aus dem Trial-Sport?

„Ja, Antonio Bou, das ist der vielfache Weltmeister. Das ist bisher der beste Fahrer, den es jemals gab. Der gewinnt jeden Lauf, und das immer mit Vorsprung.“

Was sind Deine sportlichen Ziele für die Zukunft?

„Mir wäre es am liebsten, wenn ich es schaffe, dass mein Sport berühmter wird. Den kennt nämlich keiner. In der Schule kommen manche auch schon mal an und sagen: ,Hey, ich hab gehört, Du fährst Motocross.’ Die denken immer gleich, dass man, wenn man Motorrad fährt, automatisch Cross fährt.“

Ist es im Trial möglich, Profi zu werden?

„Ja, das ist möglich. Dafür muss man aber sehr viel Glück haben, denn nur die ersten sechs oder zehn Leute in der Weltspitze können davon leben.“

Was sind bislang Deine größten Erfolge?

„Ich bin jetzt dreimal hintereinander Norddeutscher Meister geworden, und das in immer schwerer werdenden Leistungsklassen. Dieses Jahr bin ich auch drei Läufe in der Europameisterschaft mitgefahren. Der erste war in Italien, der zweite in Tschechien, und der dritte war in den Niederlanden. Da bin ich auf den dritten Platz gefahren. Da war ich nur ganz knapp hinter dem Ersten.“

Was halten Deine Freunde von Deinem Hobby? Sind die auch schon zu Wettbewerben mitgekommen?

„Ja, ein paar haben das gemacht. Die finden das Trialfahren total cool. Wenn ich zum Beispiel auf einem Kurs eine Stufe hochfahre, stehen meine Freunde an der Strecke und fragen sich, wie das geht, was ich da mache. Die schon mal komisch.

Hast Du eigentlich eine Freundin?

„Ja, die geht auf meine Schule und findet Trailfahren auch voll cool.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Hallo-Verden-Festival in der Stadthalle

Hallo-Verden-Festival in der Stadthalle

Band Aha spielt vor ausverkaufter Bremer Stadthalle

Band Aha spielt vor ausverkaufter Bremer Stadthalle

Löw-Team bucht EM-Ticket - "Sehr zufrieden"

Löw-Team bucht EM-Ticket - "Sehr zufrieden"

Jahrestag der Proteste: "Gelbwesten" demonstrieren in Paris

Jahrestag der Proteste: "Gelbwesten" demonstrieren in Paris

Meistgelesene Artikel

Feuerwehrmann wird gefeuert - wegen einer Melone

Feuerwehrmann wird gefeuert - wegen einer Melone

Kinderwunsch ist keine Pflichtveranstaltung

Kinderwunsch ist keine Pflichtveranstaltung

Nie mehr aktuelle Nachrichten verpassen mit Push-Nachrichten von kreiszeitung.de

Nie mehr aktuelle Nachrichten verpassen mit Push-Nachrichten von kreiszeitung.de

„Morgen sind wir frei“ im Kino: Die iranische Revolution frisst ihre Jünger

„Morgen sind wir frei“ im Kino: Die iranische Revolution frisst ihre Jünger

Kommentare