Basische Ernährung im Selbstversuch

Wenn der Körper sauer ist

Du möchtest was an Deiner Ernährung ändern? Du hast aber noch überhaupt keine Idee, wie Du das anstellen sollst? Vielleicht hilft Dir dann der Text über den Selbstversuch von Sina Cordsen. Sie ernährte sich vier Wochen lang basisch.

Von Sina Cordsen (25 Jahre) aus Bremen – Es ist immer schwierig, Dinge zu empfehlen oder von ihnen zu sprechen, wenn man sie selbst nie ausprobiert hat. Wenn man nicht weiß, wie sie sich auf Körper und Geist auswirken. Um mitreden zu können, wage ich ein Selbstexperiment. Ich werde mich vier Wochen lang basisch ernähren.

Jetzt fragst Du Dich sicher, was eine basische Ernährung überhaupt ist. Richtig? Viele Lebensmittel enthalten Basen und Säuren. Gemüse sowie viele Kräuter und Pilze gehören zur basischen Ernährung. Auf Säurespender wie Fleisch, Milchprodukte, Mineralwasser und Süßigkeiten muss verzichtet werden. Die Ernährung verhindert eine Übersäuerung des Körpers oder hilft diese abzubauen. Ziel ist ein ausgeglichener Säure-Basen-Haushalt.

Wie sauer oder basisch Dein Körper ist, kannst Du über den pH-Wert feststellen. Die Messskala reicht von 1 bis 14. Werte unter sieben sind sauer, Daten darüber basisch. Sieben gilt als neutral, ist also der optimale Zustand. Deinen pH-Wert kannst Du über Deinen Urin oder Deinen Speichel bestimmen. Teststreifen gibt es in der Apotheke. Am besten misst Du den pH-Wert über mehrere Tage zu verschiedenen Zeiten, um einen Durchschnittswert errechnen zu können. Wenn der Körper einen zu hohen Säurehaushalt nicht mit genügend Basen ausgleichen kann, kommt es zu einer Übersäuerung. Häufig bemerkt man das nicht. Anzeichen dafür können sein: Schlappheit, häufige Infekte, Kopfschmerzen, innere Unruhe.

Farbtabelle basischer Lebensmittel

Grün: Nahezu alle Gemüsesorten, Trockenobst, Getreide wie Amarant, Dinkel, Hirse und Quinoa. Weitere Produkte sind Soja, Mandeln, Paranüsse und Leinsamen.

Zu basischen Getränken zählen: Wasser ohne Kohlensäure, Kräutertee, Hafer-, Mandel- und ungesüßte Sojamilch.

Gelb: Nahezu alle Obstsorten, Vollkornprodukte (Reis, Nudeln, Brot), Süßwasserfische.

Rot: Alle Wurst- und Fleischsorten, Eier, Milchprodukte (Quark, Käse, Joghurt, Hüttenkäse, Sahne), Weißmehlprodukte und Backwaren, Butter und Margarine, Süßigkeiten, Ketchup, Senf, Mayonnaise, Fastfood und andere Fertiggerichte.

Getränke, auf die verzichtet werden muss: Fruchtsäfte, Limonaden, Kaffee und Alkohol.

Der häufigste Auslöser für eine Übersäuerung des Körpers ist eine säurelastige Ernährung. Vor meinem Experiment stelle ich fest, dass bei mir eine leichte Übersäuerung vorliegt (pH-Wert 6,5). Ich bin überrascht, denn eigentlich habe ich immer gedacht, mich gesund zu ernähren. Also ist der Zeitpunkt super geeignet für den Selbstversuch. Währenddessen darf ich mich in den ersten zwei Wochen nur von „grünen“ Lebensmitteln ernähren. Dann kommen nach und nach auch „gelbe“ Produkte hinzu. Auf „rote“ muss ich 28 Tage lang komplett verzichten.

Meine Erlebnisse:

Woche 1:

Tag 1: Zum Frühstück gibt es Bananen und getrocknete Aprikosen. Schmeckt ganz lecker. Das Mittagessen – Kartoffelsuppe mit Blumenkohl und Kohlrabi – habe ich vorgekocht, sodass ich etwas zum Mitnehmen habe. Abends esse ich einen Salat mit Mandeln. Der erste Tag klappt wirklich gut. Allerdings muss ich mehr Vorbereitungs- und Kochzeit einplanen.

Tag 2: Es fällt mir schwer, auf den Kaffee zu verzichten. Doch ich kann widerstehen und nehme nur Leitungswasser zu mir. Zum Frühstück gibt es einen Apfel, Aprikosen und ein paar Mandeln. Nach meinem ersten Arbeitstermin bekomme ich Hunger. Weil ich nichts Essbares mehr zu Hause habe, muss ich in den Supermarkt. Vorher verspeise ich noch schnell ein paar Rosinen, weil man nicht mit leerem Magen einkaufen gehen soll. Um für die nächsten Tage besser planen zu können, habe ich mir im Internet verschiedene Rezepte rausgesucht. Ich merke, dass sich mein Körper auf die andere Ernährungsweise umstellt. Mein Bauch „rumort“ ab und zu und ich habe leider Appetit auf Dinge, die mein neuer Speiseplan verbietet. Hungrig bin ich nicht, denn das, was ich esse, sättigt mich gut. Ich bin mir trotzdem nicht sicher, ob ich das noch 26 Tage lang durchziehen möchte.

Tag 3: Ich fühle mich richtig fit. Obwohl ich gestern erst gegen 22.45 Uhr geschlafen habe, bin ich um 6.10 Uhr – fünf Minuten bevor mein Wecker klingelt – aufgewacht. Zwischen den Hauptmahlzeiten esse ich getrocknete Datteln und Feigen mit Sojakernen und Mandeln. Schmeckt lecker, ist nur leider sehr teuer. Aber da muss ich jetzt einen Monat lang durch. Schließlich spare ich bei anderen Dingen, wie Schokolade, Käse oder Alkohol. Am Nachmittag und Abend steht Sport auf dem Programm, was in meinem Beruf nicht ausbleibt. Ich merke aber keinen Leistungsabfall.

Tag 4: Schon wieder bin ich drei Minuten vor meinem Wecker wach und fühle mich ausgeruht. Ein langer Tag steht mir bevor mit vielen unterschiedlichen Terminen, wenig Zeit und Pausen im Auto. Aber ich freue mich auf meine Arbeit und habe mit Müsli, Hirsepfanne, Mandeln und Trockenobst genügend Proviant an Bord. Mein Magen beginnt sich an die neue Ernährung zu gewöhnen.

Tag 5: Müüüüüde! Zwar bin ich wieder kurz vor dem Wecker wach geworden, aber ich hätte auch liegen bleiben können. Bevor ich zu meinem ersten Termin starte, muss ich noch anfangen, das Essen für die nächsten Tage vorzubereiten. Es soll Kürbissuppe geben. Ich habe heute einen sehr aufgeblähten Bauch, was nicht unbedingt angenehm ist. Abends gehe ich auf einen Geburtstag. Dort begnüge ich mich mit Leitungswasser. Das stößt natürlich auf allgemeines Interesse. Fragen wie „Wie schaffst Du das bloß?” und „Hast Du gar keinen Appetit auf etwas anderes?” fehlen nicht. Klar habe ich in Gesellschaft auch Lust auf Salzstangen oder Sekt. Aber ich kann widerstehen. Nach der Feier nehme ich das erste Basen-Bad, weil ich ein paar kleine Pickel auf der Schulter und am Schlüsselbein bekomme. Dies kann ein Zeichen der Giftstoffe sein, die nach außen über die Haut abgegeben werden. Basen-Bäder können helfen, dies zu mindern oder zu vermeiden. Auf jeden Fall ist die Haut danach schön weich!

Tag 6: Bis auf einen Trainingstermin ist heute Pause angesagt. Beim Mädelsabend fragt meine Freundin, ob es für mich okay ist, wenn sie nicht basisch isst. Mich stört es nicht, dass sie Chips knabbert. Ich gönne mir stattdessen Minifeigen und ein paar Aprikosen. Im Allgemeinen esse ich wesentlich mehr Kohlenhydrate als sonst. Normalerweise nehme ich hauptsächlich Eiweiße zu mir. Mal sehen, ob sich daher irgendetwas an meinem Gewicht verändert. Das ist aber definitiv nicht mein Ziel.

Tag 7: Eine Woche ist um. Die Waage sagt minus 0,6 Kilogramm. Das ist für mich aber eine normale Schwankung und kann sich innerhalb von zwei Tagen ins Entgegengesetzte kehren. Sonntags ist bei mir eigentlich immer Kuchentag. Diese Gewohnheit vermisse ich schon. Daher habe ich für nächste Woche schon mal basische Kuchenrezepte rausgesucht, die ich ausprobieren werde.

Woche 2: Ich habe eine Regel gebrochen. Nein, ich habe, nicht wie Du jetzt sicher gedacht hast, Kaffee getrunken. Da ich nicht genug Leitungswasser dabei hatte und es vor Ort nur Wasser mit Kohlensäure gab, habe ich mir eine Flasche gekauft und getrunken.

Meine Mutter und mein Vater haben mich zum Frühstück eingeladen. Mein Essen bringe ich mir selber mit. Da meine Eltern von meiner Ernährungsumstellung wissen, trinken wir kollektiv Kräutertee. Sowas ist bei uns, glaube ich, noch nie vorgekommen. Daher freut mich das total.

Was mir fehlt, ist ein „Wachmacher“, wenn ich mal müde bin. Normalerweise helfen mir grüner Tee, Kaffee oder ein Glas Pepsi (light). Aber die Getränke sind im Rahmen meines Selbstexperimentes leider verboten.

Mir fällt zudem auf, dass es immer mehr Interessierte gibt, die nach meinem Projekt fragen und sich auch vorstellen können, sich mehr mit dem Thema basischer Ernährung auseinanderzusetzen.

Woche 3: Ab dieser Woche darf ich wieder folgende Produkte zu mir nehmen: Walnüsse, Macadamianüsse, Pekannüsse, Haferflocken, diverse Obstsorten, Vollkornnudeln und Vollkornbrot. Meine erste Überlegung ist, mal wieder ein Brot zu kaufen. Leider darf ich keine Auflage essen, denn Käse, Quark, Marmelade, Eier und Wurst sind nach wie vor tabu. Und eine trockene Scheibe Brot ist definitiv kein allzu kulinarischer Genuss.

Auf Geschäftsreise fällt es mir sehr schwer, mich basisch zu ernähren, da Essen und Unterkunft gestellt werden und ich schlecht meine eigenen Lebensmittel mitbringen kann. Ich lege das Experiment also für 36 Stunden auf Eis. Es ist super, nach zwei Wochen mal wieder andere Lebensmittel zu mir zu nehmen. Leider kommt mein Magen damit nicht ganz so gut klar. Er hat sich schon sehr auf die basische Ernährung eingestellt und „rumort“ nun ordentlich rum. Ein sehr unangenehmes Gefühl.

Woche 4: Nach der Geschäftsreise mit den Ausnahmen ist es schwierig, wieder die Regeln meines Experimentes einzuhalten. Die Hemmschwelle, zu sündigen, ist geringer geworden. Doch ich lege meinen inneren Schweinehund an die Kette.

Immer wieder merke ich: Je mehr ich zu tun habe, desto leichter fällt mir die Einhaltung der Ernährung. Von Zeit zu Zeit geistert mir durch den Kopf, dass ich demnächst essen kann, was ich möchte und ich frage mich, was es wohl sein wird. Der erste Gedanke ist: Kuchen! Schön mit Kaffee. Der zweite Gedanke beschäftigt sich mit dem Frühstück. Mal wieder ein Vollkornbrötchen bestrichen mit Kräuterfrischkäse und belegt mit Lachs – das wäre wirklich super lecker.

Doch eigentlich gibt es nicht viel, was ich groß vermisse. Mein Körper hat sich mittlerweile sehr gut auf die Ernährung eingestellt. Nach wie vor habe ich das Gefühl, dass ich mehr esse als sonst, gewichtstechnisch bin ich aber bei etwa minus einem Kilo. Schokolade habe ich ganz gut durch Trockenobst ersetzt.

Mein Fazit: Die vier Wochen sind geschafft! Ich habe die basische Ernährung durchgezogen und fühle mich großartig. Der Appetit auf „Verbotenes” hält sich in Grenzen. Ich werde wohl einige Dinge beibehalten und ab und zu auch in Zukunft einen basischen Tag einlegen. Ich bin stolz auf mich, weil ich es geschafft habe. Es war eine interessante Erfahrung. Man gibt einfach viel zu häufig seinem Verlangen nach. Dabei kann man so viel gesünder snacken.

Ich kann jedem nur empfehlen, das Experiment mal auszuprobieren. Schaden tut es auf gar keinen Fall. Man lernt viel über seine Gelüste. Mit ein bisschen Planung ist die basische Ernährung auch gut umsetzbar. Der Alltag stellt kein Problem dar. Allerdings empfehle ich für Geburtstage und andere Situationen, in denen das Essen fremdbestimmt ist, Ausnahmen in Kauf zu nehmen.

Die Kosten sind ein Punkt, den man beachten muss wenn man sich basisch ernähren will. Man gibt für seine Lebensmittel dann definitiv mehr Geld aus. Körperliche Veränderungen merke ich in folgenden Bereichen: Die basische Ernährung ist sehr gut bekömmlich. Auch nach großen Mengen, die man isst, hat man kein unangenehmes Sättigungsgefühl, wie Magendruck oder Völlegefühl.

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