Glosse zu ersten Folge „Der Bachelor“

„Das Pipi muss drinbleiben“

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Sebastian, ist der Bachelor 2017. 

Von Mara Schumacher. Ich habe so gehofft, dass Honey der neue Bachelor ist. Es hätte so gut gepasst, nach dem Dschungelcamp hätte er noch ein paar Tage Zeit gehabt, um die Föhnwelle ordentlich durchzupusten und sich ein paar Schmierlappen-Sprüche zurechtzulegen. Was hätten wir gelacht über unsere kleine, süße Biene im klebrigen Tussi-Honigtopf. Aber Honey steht nicht vor der Tür. Es ist Sebastian, 30 Jahre, aus Köln. Er spricht kein Kölsch, aber mag Karneval. Letztes Jahr hat er sich als Cowboy verkleidet. Jetzt können wir gespannt darauf warten, bei wem er zuerst sein Lasso rausholt.

Sebastian hat sich augenscheinlich Reflektoren auf die Zähne geklebt, denn sein Gebiss strahlt so penetrant, dass man sich die ganze Beleuchtung vor der Villa hätte sparen können. „Ich hab das Gefühl, alles ist perfekt“, meint eine Kandidatin, nachdem sie auf 2-Meter-Stelzen aus der Limo stieg und mit ihrem Monster-Glitzer-Pailletten-Kleid dem Strahle-Sebastian ganz arg Konkurrenz machte. Ja, alles so perfekt. Blöd ist das. Wann stellt RTL denn endlich mal den bierbäuchigen Opel-Corsa-Fahrer vor die Villa-Tür, der die Mädels mit Dosenbier begrüßt und im Vorspann offenbart, dass er Sport und Romantik scheiße findet? Wann? 

Nun ja, zurück zu Bastilein. Der wollte eigentlich Fußball-Profi werden, aber das hat wegen eines Schulterbruchs nicht geklappt. Also modelt er. Gesehen hat man ihn allerdings noch nirgends. Das fällt auch einer Kandidatin auf. „Wieso hab ich dich noch nie gesehen?“ Mit der Antwort will Sebastian nicht so recht rausrücken. Wahrscheinlich hat er es bislang nur ins Lidl-Prospekt geschafft, um Scheibenenteiser fürs Auto zu bewerben. Trotz der großartigen Model-Karriere scheint die gescheiterte Fußball-Karriere ein kleines Trauma hinterlassen zu haben, denn zu jeder Gelegenheit erwähnt Sebastian seine endlose Liebe zum Fußball. Als Bachelor kann er dieses Trauma eventuell besiegen, denn er hat immerhin 22 Spielerinnen auf dem Feld, die den Ball auch sicherlich mal reinlassen. 

„Wer viel Bein zeigt, muss auch viel Brust zeigen.“

Sebastians Traumfrau muss übrigens nicht aussehen wie ein Model und sie solle auch keine Maske tragen. Das haben die meisten Ladys leider nicht beherzigt und die komplette Schmink-Kollektion von Maybelline New York in einem Wisch aufgetragen. Auch bei der Kleiderauswahl haben die Damen wohl wieder folgendes Motto beherzigt: „Wer viel Bein zeigt, muss auch viel Brust zeigen.“ Modisches Highlight ist allerdings die blonde Lady, die gleich mal mit einem Cinderella-Hochzeitskleid aus der Limo stolpert. Ihr Fazit zum Bachelor? „Jooa, den werde ich mir heute krallen. Wenn isch durchkomme, ne. Da sind ja so viele Furien.“ 

Die Furien glänzen auch in dieser Staffel wieder mit höchst poetischen Worten, mit tiefgründigen Gesprächen und sehr charmanten Komplimenten: „ Du bist echt scharf, man! Du Schnitte!“ Die beliebteste Wortkombination ist „Oh mein Gott“. Ein Universal-Spruch, der einfach immer geht: „Oh mein Gott, seine Augen“ „Oh mein Gott, ich bin so aufgeregt. „Oh mein Gott, seine Zähne.“ „Oh mein Gott, die Villa“, Oh mein Gott, das Pipi muss drinbleiben.“ Ja, denn – oh mein Gott – eine Kandidatin ist so aufgeregt, dass sie Angst vor spontaner Blasenschwäche hat. Aber alles blieb drin. 

22 Mal die gleiche Horror-Plauderei

Auch die peinlichen Kennlern-Gespräche beginnen meistens mit besagten Worten: „ Oh mein Gott, du kommst aus Köln?“ Und dann ging es belanglos weiter, 22 Mal die gleiche Horror-Plauderei, bei der immer nur Name, Alter und Wohnort variiert: „Und wo kommst du her?“ „Aus Düsseldorf. „Oooooh. Ich bin übrigens 27 und heiße Schakkeline-Esmeralda.“ Sorry, ich habe mir keinen einzigen Namen der Damen gemerkt, aber ich könnte schwören, dass drei Mädels so ähnlich hießen. Wenn nach drei Sätzen dann die peinliche Stille eintritt, bittet der Bachelor seine High-Heel-Gipelstürmerinnen, die Treppen der Villa hinauf zu kraxeln. Denn dort habe er was vorbereitet: Sekt. Der hilft zumindest, um die peinlichen Gespräche wieder zu vergessen. 

Aber es wird noch schlimmer. Die Damen zerren wie die Verrückten an ihrem Objekt der Begierde, ich fürchte schon um Sebastians Schulter. „Kann ich dich mal sprechen?“ Blablabla. „Ich würde auch gerne eben mit dir allein sein.“ Jaja. Vielleicht wäre es sinnvoller, mal dieses Nummern-Ding aufzustellen, was es an der Fleischtheke immer gibt. So sind alle brav nacheinander dran. Eine Single-Lady hat Sebastian noch einen Apfel mitgebracht, weil er sich ja bestimmt gesund ernähre und seine Zähne so weiß seien. Aha, okay. Ich würde ja nicht reinbeißen, ich hoffe der Bachelor kennt Schneewittchen. Achja, am Ende sind drei Mädels rausgeflogen. Die mit dem Hochzeitskleid, eine Riesin und eine, die ich schon wieder vergessen hatte. Aber die Hauptsache ist ja „Erika bleibt in Amerika!“ Der total kreative Siegesspruch einer Kandidatin, die eine Runde weiter ist. Aber ganz ehrlich: Das muss erstmal von Donald Trump abgesegnet werden. 

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