„Liebe hat nicht nur schöne Seiten“

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Lina Wilms

„Die anderen nennen mich Schlampe“ – so heißt der erste Roman von Lina Wilms (25 Jahre). Sie erzählt darin die Geschichte von Raffaela, die mit 20 Jungs etwas anfängt. Ist das schlampig?

Von Kimberley Kirchmann

Lina, ab wann ist man eigentlich eine Schlampe? „Man gilt manchmal schon bei den kleinsten Kleinigkeiten als Schlampe. Ich finde aber, dass man, solange man sich selbst treu bleibt, tun und lassen kann, was man will. Wenn Du Dich ausprobieren möchtest, nur zu.“

Wurdest Du schon mal als Schlampe bezeichnet? „Also ins Gesicht hat mir das noch niemand gesagt. (lacht) Man sollte sich so eine Bezeichnung nie zu Herzen nehmen. Außer man merkt, dass es stimmt.“

Warum gibt es kein Wort für männliche Schlampen?  „Es gäbe gewiss Worte für männliche Schlampen. Aber das Wort ,Schlampe‘ ist negativ konnotiert. Und es wird nicht so kritisch gesehen, wenn Jungs sich ausleben.“

Du hast bereits mit zehn Jahren Liebesgeschichten geschrieben. Was für eine Vorstellung von Liebe hattest Du in diesem Alter denn schon? „Ich habe damals noch all diese romantischen Geschichten über Liebe geglaubt, weil ich fast nur schnulzige Happy-End-Liebesgeschichten gelesen habe.“

Was denkst Du heute über die Liebe?  „Eigentlich bin ich immer noch sehr romantisch. Aber mein Verständnis von Liebe ist nicht mehr so kitschig und naiv. Natürlich glaube ich immer noch an sie, weiß jetzt aber, dass die Liebe nicht nur schöne, rosa verblümte Seiten hat.“

Was findest Du romantisch – verstreute Rosenblätter und ein Meer von Kerzen? „Oh nein, bitte nicht! (lacht) Das wäre zu viel! Romantik ist für mich eher eine ,erfüllende Liebe‘, als dass man Rosen und Schokoladenherzchen geschickt bekommt. Einfach einen Menschen zu finden, mit dem man alles teilt und dem man gerne alles gibt.“

Wann hast Du Deine erste große Liebe kennengelernt? „Das war mit 13 oder 14 Jahren. Aber wie es eben mit der ersten großen Liebe ist, ist sie selten die wahre große Liebe. Ich war naiv, voller Hoffnung und habe alles wie durch eine rosarote Brille gesehen. Aber ich denke auch, dass jedes Mädchen diese Zeit trotzdem genießen sollte.“

Ist es wirklich so, dass man an der ersten großen Liebe immer ein Stück weit hängen wird? „Da habe ich letztens erst mit meinen Freundinnen drüber gesprochen. Und wir sind uns einig: Die erste große Liebe wird immer einen Teil Deines Herzens einnehmen – egal wie alt Du bist. Auch wenn man Mutter wird und längst Kinder hat.“

Wie war Dein erster Liebeskummer? „Ich habe mir Liebesfilmklassiker angeguckt und aus allertiefstem Herzen geheult! Und wenn ich heute Liebeskummer habe, dann schreibe ich. Damit durchlebe ich diese Liebe nochmal und die Wunden auf dem Herzen heilen. Es befreit. Liebeskummer ist einfach die beste Inspiration!“

Was rätst Du Mädchen, die wegen Liebeskummer denken, dass sie sich nie wieder verlieben? „Nicht aufgeben! Es ist sehr wichtig, sich dem Liebeskummer eine Zeit lang hinzugeben. Dann bekommt man eben fünf Tage nichts von der Außenwelt mit. Aber danach geht das Leben weiter. Umgebt Euch nur mit Dingen, aus denen Ihr neue Kraft schöpfen könnt. Ihr dürft den Glauben an die Liebe nicht verlieren!“

Raffaela, die Protagonistin in Deinem Buch, wird aus Affären mit 20 Jungs immer schlauer. Denkst Du, dass man aus jeder Beziehung etwas lernt?  „Für Raffi war jeder Typ nötig, um am Ende bereit für ihre große Liebe zu sein. Jeder dieser Jungs hat ihr was gegeben oder genommen. Die Menschen um uns herum prägen uns.“

Was hast Du selbst aus Deinen bisherigen Beziehungen gelernt?  „Meine größte Erkenntnis ist, dass man Jungs nicht ändern kann! Und das musste ich auch auf die harte Tour lernen.“

Was meinst Du damit?  „Menschen kann man nicht ändern. Man möchte sich selbst ja auch nicht für jemanden verändern. Dass es aber einfach nicht passt, ist manchmal schwierig zu akzeptieren.“

Sind die 20 Typen von Raffaela in Wirklichkeit Deine Affären?  „Nein, die sind fiktiv und haben nichts mit meinen Leben zu tun. Vielleicht gibt es mal Parallelen zu Gefühlen, die ich auch kenne. Aber primär habe ich mich von Klischees und Menschen in meiner Umgebung inspirieren lassen.“

Wie bist Du auf die Idee gekommen, Deinem Buch den Titel „Die anderen nennen mich Schlampe“ zu geben? „Ich erwachte eines Nachts während meines Sprachaufenthaltes in Paris, und der Titel war da. Auch wenn eine kleine Provokation hinter dem Titel steckte, konnte ich ihn nicht mehr ändern.“

Wie weiß man, ob jemand die große Liebe ist?  „Wenn man vor der großen Liebe steht, weiß man einfach, dass sie es ist. Es ist einfach ein Gefühl, was man noch nicht zuvor hatte, eine Nähe, eine Verbindung, die man plötzlich spürt.“

Wie sollte man mit Herzensbrechern umgehen?  „Natürlich ist man erst todtraurig, dann unglaublich wütend und schmiedet Rachepläne. Bis man der Person wieder neutral gegenübertreten kann, dauert es. Bis dahin durchläuft man Phasen von Trauer und Wut. Und man muss einfach bei Herzschmerz durch jede dieser Phasen.“

Wie muss Deine große Liebe drauf sein?  „Am besten wäre es, wenn er mich zum Lachen bringen kann. Humor ist immer eine gute Eigenschaft.“

Sonst nichts? (lacht) „Ich bin Gott sei Dank nicht so anspruchsvoll. Mein Traumtyp sollte einfach fest im Leben stehen und auf dem Boden geblieben sein.“

Es gibt viele Mädchen, die immer wieder an „Bad-Boys“ geraten und mit den Guten nichts anfangen können. Warum ist das so? „Ich glaube, dass Mädchen dieses ,Bad-Boy-Syndrom‘ bis zu einem bestimmten Alter in sich tragen, es dann abstreifen und sich endlich die guten Jungs angeln. Wir Mädels wissen ja, dass uns diese bösen Typen nicht gut tun, aber wir wollen sie trotzdem. Und am Ende werden wir mit ihnen nicht glücklich. Leider wird man das ,Bad-Boy-Syndrom‘ nicht einfach los. Aber das ist doch auch nicht schlimm. Wenn Du noch ein, zwei ,Bad Boys‘ brauchst, ist das doch okay.“

Findet man die Liebe, oder wird man von ihr gefunden?  „Meine romantische Ader sagt, dass die Liebe uns findet. Aber man muss auch bereit für sie sein. Man kann nicht zu Hause sitzen und damit rechnen, dass die große Liebe im nächsten Moment an der Tür klingelt.“

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