Power-Senkel-XXL

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chili-Autorin greift zu den Schläuchen und schwitzt für Euch beim "Aquarope"-Selbstversuch.

Sie sind lang, schwarz und prall mit Wasser gefüllt: chili-Autorin Louisa Heyne testet für Euch den neuen Fitness-Trend "Aquarope" und lässt die Seile schwingen.

Von Louisa Heyne

Zwei dicke, schwarze Seile liegen schlaff auf dem Boden. Mehr nicht. Und die sollen dieser bahnbrechende neue Fitnesstrend „Aquarope“ sein? Ich muss sagen, ich bin ein wenig enttäuscht.

„Aquarope“ soll angeblich supereffektiv sein und jeden noch so kleinen Muskel trainieren. Beim Anblick der zwei Schläuche auf dem Boden frage ich mich nur, wie man mit denen Sport machen soll.

Ich schleiche ein bisschen um diese schwarzen Rüssel herum, die am Ende an einem Holzblock befestigt sind, und stupse sie vorsichtig mit dem Fuß an. Misstrauisch gucke ich mich um. Keiner scheint es seltsam zu finden, dass hier ein Mädchen ausgiebig zwei stinknormale Seile inspiziert.

Von einem Hochglanzplakat an der Wand strahlt mir eine sportliche Blondine in neonfarbenen Yogaklamotten entgegen, die enthusiastisch ein Seilende in jeder Hand hält. So ist das also gedacht – ich greife nach den Strippen und hebe sie hoch. Sie sind schwerer als gedacht, aber okay. Ich stelle mich breitbeinig hin, reiße die Schläuche gleichzeitig hoch und wieder runter und verziehe dabei meine Lippen zu dem selben 1.000-Watt-Lächeln, wie es die Blondine auf dem Plakat aufgesetzt hat. Gar nicht so unangenehm, dieser neue Trend.

Als ich so Beifall heischend in die Runde gucke, fällt mir eine Fitnesstussi auf, die kichernd ihre Arme abwechselnd nach oben und unten bewegt. Was will die von mir? Oh, ach so soll das gehen. Ihren Anweisungen folgend reiße ich an den Seilen – allerdings nicht besonders gleichmäßig und ziemlich ruckartig.

Nach geschätzten zwanzig, gefühlten zweihundert Sekunden wische ich mir den Schweiß von der Stirn, und ich merke jetzt schon, wie mein T-Shirt langsam feucht wird.

Meine Oberarme fühlen sich nach dieser kurzen Einheit an, als hätte man mich an eine Klippe gehängt, meine übergewichtige Großtante noch unten dran, und ich hätte uns beide wieder hochziehen müssen. Meine Muskeln brennen einfach so krass. Und jetzt stellt sich diese Fitnessfrau auch noch genau neben mich und erzählt mir, dass es noch „viiiiel“ mehr Übungen für „Aquarope“ gibt und sie mir „natürlich liiiiebend“ gerne zeigen würde, was man alles so Tolles machen kann...

Nach ein paar wackeligen Kniebeugen mit parallelem Seilgewackel geht mir die Puste, aus und ich brauche zur allgemeinen Belustigung ein paar Minuten, um wieder zu Atem zu kommen. Diese Gelegenheit nutzt sie, um mich zuzutexten. Eigentlich sei das Training mit den „Ropes“ – so nennt sie die schwarzen Seile – ein Outdoorsport, patentiert und made in Bremen. Hauptsächlich würden diese „Power-Senkel-XXL“ aber in Fitnessstudios und von Physiotherapeuten eingesetzt – weil sie so gelenkschonend seien. Und so effektiv... Mit keinem anderen Trainingsgerät würde man so schnell aus der Puste kommen. Okay, das mit der Puste muss ich schon mal bestätigen.

Die Idee zu „Aquarope“ gebe es schon länger, quatscht die Fitnessfrau weiter. Bisher seien die Ropes aber immer zu schwer und zu lang gewesen und hätten sich deshalb als Massen-Fitness-Gerät nicht durchgesetzt. Dies wollten die Macher aus Bremen jetzt mit dem „extrem flexiblen Kunststoffschlauch“, der mit Wasser gefüllt ist, ändern.

Ich hoffe, dass die Fitnessfrau langsam mal mit ihrem Gerede über „perfekte Trainingsergebnisse in kürzester Zeit auf engstem Raum“ und „effektive Muskelbeanspruchung wegen der vielen kleinen Wellen“ aufhört.

All ihre Versprechungen und Erklärungen klingen, als kämen sie aus dem Teleshopping-TV. Kann man sie also glauben? Ich zumindest ja. Auch wenn ich vor meiner „Aquarope“-Einheit davon überzeugt war, dass ich super in Form wäre und mir so ein paar schwarze Seile nichts anhaben könnten, ist die traurige Wahrheit leider eine andere: Am nächsten Tag kann ich meine Arme keinen Millimeter mehr bewegen. Allein der Gedanke daran, jemals auch wieder nur noch ein Blatt Papier anheben zu müssen, geschweige denn mich in Richtung irgendeiner Zappelbude zu bewegen, treibt mir dicke Schweißperlen auf die Stirn.

Wenn Ihr jetzt verachtend lacht und meint, „das Mädchen soll sich mal nicht so anstellen“ und „für mich wäre ,Aquarope‘ mal sowas von kein Problem“, dann probiert es doch erst mal selbst aus – und ich verspreche Euch: Der Sport bringt Euch schneller auf den Boden der Tatsachen zurück, als Ihr mit den „Ropes“ Wellen schlagen könnt, und Euer Selbstbewusstsein wird fix drei Bizeps kleiner. Und beeindruckende Resultate in Form von Muskelkater sind garantiert.

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