Interview

„Es ist normal, hin und wieder nackt zu sein“

Alligatoah

Im wahren Leben heißt er Lukas Strobel und ist 24 Jahre alt – unter dem Künstlernamen „Alligatoah“ füllt er momentan die ganz großen Konzerthallen. Im Interview verrät der Deutsch-Rapper, dass er seinen Künstlernamen ja eigentlich scheiße findet. Und dass er kein Problem damit hat, sich nackt zu zeigen. 

Von Anne Hundt

Lukas – „Triebwerke“ heißt Dein aktuelles Album. Wann hast Du Dich das letzte Mal von Deinen Trieben leiten lassen? „Jeden Morgen, jeden Abend, jeden Tag. Triebe sind doch ein stetiger Begleiter im Leben. Ich glaube nicht, dass man sie jemals ausschalten kann. Ich wollte das Album nicht machen, um meine Triebe zu benennen. Aber ich fand es interessant, was über Triebe rauszufinden.“

Du singt auf dem Album, dass man, um ein Mädchen rumzukriegen, lügen und Narben haben muss. Hast Du echt die Erfahrung gemacht, dass wir Mädels so oberflächlich und leicht übers Ohr zu hauen sind? „Das ist der entscheidende Punkt, den man missverstehen kann: Der Song ,Narben’ soll nicht die einfache Gestricktheit einer Frau zeigen, sondern einen zu kurz gedachten Gedankenschluss von einem Mann.“

„Von einem Mann“? Hast Du dabei eine konkrete Person vor Augen? „Nein, das habe ich nie, wenn ich Texte schreibe. Ich erfinde die Personen, die ich darstelle. Und die Person in ,Narben’ geht halt davon aus, dass man mit Narben bei Frauen Erfolg hat. Darum schmiert sie sich Scherben ins Gesicht. Das sind Figuren, in die ich am liebsten schlüpfe – die eine gewisse Beschränkung im Kopf haben.“

Alligatoah und chili-Volontärin Anne Hundt

Wieso erzählst Du in Deinen Liedern nicht was Persönliches aus Deinem eigenen Leben? „Weil’s langweilig wäre und mir nicht gefallen würde. Das klingt, als wäre mein Leben trostlos, traurig, grau und kahl. Das ist es nicht. Aber sowas machen doch die meisten. Als ich angefangen habe, Musik zu machen, war meine Bestrebung, eine Rangehensweise zu wählen, die sonst nicht so oft vorkommt. Ich wollte herausstechen. Was hätte die Welt von noch so einem, der aus seinem eigenen Leben erzählt?“

Wenn Du jetzt aber gezwungen wärst, was Persönliches aus Deinem Leben zu texten – was wäre das? „Dann müsste ich mich fragen, was man aufbauschen könnte. Aber das wird nie passieren.“

Du bist auf Deinem Albumcover nackt zu sehen. Was hat Dich dazu getrieben?  „Die Nacktheit, die sich gut verkauft, ist natürlich das Erste, was man als Anschuldigung hört – ,Du hast Dich nur ausgezogen, um Deine Platte besser zu verkaufen. Du willst mit diesem standardmäßigen Trick Aufmerksamkeit erlangen!’ Ich war mir dieser Skandalträchtigkeit, ehrlich gesagt, nicht bewusst. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass Facebook so weit gehen könnte und das Cover löscht. Ich finde es traurig und unnachvollziehbar. Im Laufe der letzten Jahrzehnte gab es doch tausend Albencover, die den Skandalwert von meinem bei Weitem überschreiten.“

Was wolltest Du denn damit ausdrücken, wenn’s Dir nicht um den schnellen Hingucker ging?  „Mir ging’s um die bildhafte Umsetzung des Titels ,Triebwerke’. Ein Maler steht vor seinen Werken. Ein Aktzeichner, der nackte Frauen malt. Der Clou an der Sache ist, dass nicht die Frauen auf den Bildern nackt sind, sondern nur der Maler sich entblößt.“

Was haben Deine Eltern zum Album mit dem Nacktbild von Dir vorne drauf gesagt? „Ach, die sind 68er. Ich bin freizügig groß geworden. Es ist normal, dass man hin und wieder nackt ist. Meine Eltern meinten: ,Schickes Album.’ Meine Oma sagte: ,Apart!’ zum nackten Hinterteil.“

Warum nennst Du Dich eigentlich „Alligatoah“? „Weißt Du, als ich damals so durch den Dschungel lief... Nein – die Wahrheit ist: Es gibt keine Geschichte. Ich finde den Namen nicht mal gut. Ich war 16, als ich ihn mir gegeben habe. Aber ich bin froh, dass ich mit ,Alligatoah’ einen Namen habe, mit dem ich unzufrieden sein kann. Denn einen Namen zu haben, mit dem man zufrieden ist, ist die größte Strafe. Worüber will man denn sonst noch meckern?“

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