„Alkoholfrei“

"Ich kann auch so super ausflippen"

Eine beeindruckende junge Frau: Simone Bauer ist mit 22 Jahren schon erfolgreiche Buchautorin.

Es wäre wohl übertrieben zu sagen, Simone Bauer wäre ungewöhnlich, aber zumindest ist sie nicht wie jede andere junge Frau. Denn die 22-Jährige trinkt keinen Alkohol.

Dieses Thema hat sie nun zum Anlass für ihren zweiten Roman genommen. „Alkoholfrei“ ist zwar keine Biografie, doch auch die Hauptfigur Emma schwört dem Trinken früh ab und bekommt dadurch ungeahnte Probleme. Im Interview erzählt die Buchautorin mehr über ihr neues Werk.

Simone, wann hast Du Dein letztes Bier getrunken?

„Das war bei meiner damaligen besten Freundin im Zimmer. Ich habe mit 14 aufgehört zu trinken und habe früh festgestellt, dass mir Bier überhaupt nicht schmeckt. Vermutlich war's mit 13, dass ich's einmal probiert und gedacht hab ,Oh mein Gott wie ekelig'."

War das nur mit Bier so?

„Es war eigentlich generell so. Ein paar Sachen fand ich ganz gut, aber auch nicht so erschreckend gut, dass ich sag ,Mein Gott, das muss ich jetzt immer trinken'. Ich habe wirklich keinen Sinn darin gesehen, warum ich so viel Geld zum Beispiel für einen Cocktail ausgebe."

Also ist es im Prinzip so, dass Du nie wirklich aufgehört, sondern einfach gar nicht angefangen hast?

„Genau. Ich kann die Gelegenheiten an einer Hand abzählen und ich war jedesmal furchtbar enttäuscht und genervt, weil alle anderen so viel getrunken haben. Es hat mir nicht geschmeckt und es war zu teuer."

Viele Sachen mag man aber ja erst, wenn man es mehrmals probiert hat. Warum ist bei Dir nicht der Reiz entstanden, das auszuprobieren?

„Weil es mich wahrscheinlich wirklich nicht interessiert hat. Ich kann total lustig und offen sein ohne Alkohol, ich kann auch super tanzen und ausflippen, ich gehe viel auf Konzerte und Festivals. Am Wochenende bin ich beim Oktoberfest und hab auch kein Problem damit, nüchtern zu sein. Im Gegenteil finde ich es ganz gut, am nächsten Tag noch alles zu wissen. Und wenn man etwas gar nicht braucht, dann kommt man doch gar nicht auf die Idee, es ausprobieren oder sich daran gewöhnen zu wollen. Ich habe Freunde, die viel oder mäßig trinken und das ist absolut kein Problem für mich, weil jeder selber wissen muss, was er tut."

Warst Du überhaupt mal betrunken?

„Nein. Ich habe wirklich immer nur einen Schluck getrunken und dann gedacht. ,Ach nein'.“

Also nicht aus Katerstimmung aufgehört?

„Nein, überhaupt nicht."

Gab es Situationen, in denen es schwierig war, sich vor seinen Freunden zu rechtfertigen, wirklich knallhart keinen Alkohol zu trinken?

„Nachdem ich ja eh nie getrunken habe, hat meine Entscheidung auch nicht überrascht. Meine Freunde haben das gut aufgenommen, meine Eltern sowieso – die waren auch beruhigt. Das einzige, was immer scheiße ist, wenn man weggeht und neue Leute kennen lernt, dass der erste Satz immer ist ,Ach, das glaubst auch nur du. Warte mal noch ein Jahr'. Dann denke ich mir auch nur: ,Noch ein Jahr?', ich trinke immer noch keinen Alkohol. Es ist manchmal nervig, aber nicht übermäßig, weil die meisten doch sehr offen damit umgehen und das cool finden und feststellen, dass sie es selbst nicht könnten."

Also gab es im Prinzip keine Nachteile für Dich?

„Nein, überhaupt nicht."

Das ist ja gut, denn bei bei der Hauptfigur Emma aus Deinem Roman ist das anders.

„Richtig. Sie hat scheiß Erfahrungen, erst mit Katerstimmung am nächsten Morgen, dann mit einem Jungen, dann kommt ihre beste Freundin ins Krankenhaus. Irgendwann gefällt es ihr gar nicht mehr, welche Züge das annimmt. Als sie sich dann entscheidet, keinen Alkohol mehr zu trinken, wird sie von ihren besten Freundinnen gemobbt. Sie bekommt aber zum Glück Unterstützung von ihrem Schwarm."

Glaubst Du, dass diese Geschichte realitisch ist?

„Ich hab viel recherchiert, mich mit Jugendlichen und Freunden unterhalten und viel beobachtet. Solche Geschichten passieren, denn Mobbing unter Jugendlichen ist nicht realtitätsfern. Es reicht manchmal schon, wenn man sagt, ich gucke die Serie nicht, und dann wird schon gesagt. ,Was du guckt das nicht? Du Außenseiter, du Opfer.' Es kann sowas Einfaches und Blödes sein, und es kann auch mit Alkohol und anderen Sachen passieren. Mein Buch ist nicht dieses produzierte Zeigefingerheben von wegen ,Alkohol ist schlecht'. Ich wollte einfach eine Geschichte aufzeigen, die so passieren kann."

Das Buch handelt von Emma, es geht um ihren Weg. Ist das Buch trotzdem ein bisschen autobiografisch?

„Eigentlich nicht. Nur in kleinen Details, die nur ich weiß. Zum Beispiel gibt es ein Gespräch zwischen Emma und dem besten Freund von ihrem Schwarm und da gibt es bestimmte Stellen, die wirklich eins zu eins passiert sind. Aber das sind so blöde Dialoge (lacht), die man übernimmt. Emma möchte nach München ziehen, das war auch mein großer Wunsch. Aber meine Eltern haben mich immer unterstützt und ihre nicht – da ist es also das Gegenteil."

Warum hast Du das Buch geschrieben?

„Weil es nichts Fiktives zum Thema Nicht-Trinken gibt. Es gibt Sachbücher dazu, wie wahnsinnig schlimm Alkohol ist, aber es gibt keinen Jugendroman. Mir war wichtig, eine Geschichte zu erzählen, die nicht das Moralische aufzeigt, sondern wirklich den eigenen Weg zu finden."

Hast Du einen Freund?

„Nein, ich bin Single."

Dürfte der denn trinken?

„Ja selbstverständlich. Ich habe wie gesagt Freunde, die viel trinken und die rauchen. Das ist für mich absolut kein Problem. Meine beste Freundin trinkt auch keinen Alkohol, es gibt also auch andere Menschen. Aber ich hatte bisher keinen Freund, der keinen Alkohol trinkt, ich hab kein Problem damit. Es muss wirklich jeder entscheiden, ob er es für richtig hält und wenn er das mag, mag er es."

Und wenn er vollkommen besoffen ist?

(lacht) „Solange er keinen Schwachsinn macht, kann er wirklich selbst entscheiden, wie viel er trinkt. Er sollte mich aber nicht beleidigen oder irgendwelche Sachen machen. Da hatte ich aber auch noch keine schlechten Erfahrungen."

Gehen wir mal in die Zukunft: Stell Dir vor, du hättest Kinder: Wie würdest Du mit ihnen über das Thema Alkohol sprechen?

„Ich bin jetzt eher nicht der Kindertyp, aber ich habe zwei Patenkinder und ich hab den Wunsch, dass sie alkoholfrei leben. Die unterschwellige Botschaft ist, dass sie selbst erkennen: ,Ja, ich kann dazu stehen, ob es mir schmeckt oder nicht und ich kenne meine Grenzen'. Das wäre ein positiver Effekt."

Du arbeitest in einer Jugendredaktion bei der Süddeutschen Zeitung, was sind Deine Aufgaben?

„Wir machen viele Portraits mit Schauspielern, Autoren, Fotografen – das ist total spaßig."

Dann hast Du Dich jetzt schon selber interviewt?

„Ne (lacht), ich habe mich von einem Kollegen interviewen lassen, das war auch ganz schön, weil man viel Privates damit verbinden kann, wie Kaffeetrinken."

Wie stellst Du Dir Deine Zukunft vor. Wirst Du weiter auf der journalistischen Ebene bleiben oder Romane schreiben?

„Ich arbeite hauptberuflich in der Unternehmenskommunikation. Da würde ich gerne bleiben, genauso wie ich das journalistische fortführen möchte. Und nächstes Jahr im Frühjahr kommt dann das neue Buchprojekt, an dem ich gerade arbeite und danach habe ich auch schon eine Idee, was folgen wird. Insofern wird sich in den nächsten Jahren wohl wenig daran ändern, dass ich dem Schreiben wohlgesonnen bin."

Wo kommen Deine ganzen Ideen her?

„Es ist schon immer in der Nähe vom eigenen Leben, es ist für mich relativ schwierig so was wie einen Krimi zu schreiben , wovon ich überhaupt keine Ahnung hab. Es muss schon durch irgendwas inspiriert sein und deswegen steht das Buch auch sehr nah an mir dran."

Und an wen richten sich die nächsten Bücher?

„Das nächste geht an eine große Zielgruppe und danach wird’s wieder ein Frauenroman sein."

Das Buch "Alkoholfrei" ist aber ein Jugendroman...

„Genau, aber es haben auch schon viele Erwachsene gelesen und ich kriege gutes Feedback – die finden das alle ganz, ganz toll. Das freut mich total."

Wirst Du jemals einen Schluck Alkohol trinken?

„Nein. Das wäre auch total blöd, jetzt anzufangen, denn es ist ja kein Genuss für mich. Ich hasse zum Beispiel auch Knödel und habe mir vorgenommen, nie Knödel zu essen, das habe ich einmal als Kind und seitdem bin ich Anti-Knödel-Esser."

Man sagt aber, dass sich die Geschmacksnerven alle sieben Jahre ändern ...

„(lacht) Das ist eine interessante Sache, aber ich glaube, ich bin eher der Gewohnheitstyp. Ich bin nicht jemand, der kulnarisch neue Dinge entdeckt und die auf einmal total gut findet."

Rafael Kaluza (19 Jahre) aus Göddern

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