„Abwehr ist nichts für mich – ich geh auf Risiko"

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Nele Puls ist 14 und ein Tischtennis-Talent

Holtorf – Nele Puls wirkt zufrieden. Mit sich und der Welt. Und das, obwohl die 14-Jährige gerade noch eine große Enttäuschung verkraften musste: Bei ihrer ersten Deutschen Meisterschaft im Tischtennis flog sie schon früh raus.

Sie kämpfte sich zwar bis ins Hauptfeld vor, überstand dort das erste Spiel im K.O.-System aber nicht mehr. Für die Deutschen Meisterschaften eigentlich eine gute Leistung, aber Nele wollte mehr. Denn sie weiß: Sie kann’s besser.

„Ich hab mich geärgert. Und als ich realisierte, dass jetzt alles vorbei ist, war ich ziemlich traurig.“ – „Du warst doch auch gesundheitlich nicht ganz in Form“, wirft Neles Oma ein. „Du warst so erkältet!“ Aber die 14-Jährige will von Entschuldigungen nichts hören und schüttelt energisch den Kopf: „Verloren habe ich, weil ich einfach nicht gut gespielt habe.“

Nele hat hohe Ansprüche an sich. Und sie hat sich für die nächste Zeit tischtennismäßig viel vorgenommen. Mit der Mannschaft ist der Wechsel von der Oberliga (das ist die vierthöchste deutsche Liga) in die nächsthöhere anvisiert. Als Einzelkämpferin wechselt Nele von der A-Klasse der 12- bis 14-Jährigen in die weibliche Jugend (14 bis 18 Jahre). Gegen Ältere anzutreten ist für Nele nichts Neues. In ihrer Mannschaft ist sie mit Abstand die Jüngste. „Alle anderen sind schon über 30“, sagt Nele.

Und auch als Einzelkämpferin hat sie bei den Landesmeisterschaften schon in der Damen-Klasse gespielt. „Das ist einfach eine größere Herausforderung und macht mehr Spaß“, findet sie. Für ihr Alter wirkt Nele schon ziemlich selbstbewusst. Und sie macht den Eindruck eines sehr fröhlichen Menschen. Vor allem, wenn sie über Tischtennis spricht. Dann leuchten ihre Augen und sie strahlt vor Begeisterung.

Nele ist Angriffsspielerin. Sie geht eher auf Risiko als auf Nummer sicher. Eine ihrer Spezialitäten sind Spin-Techniken, mit denen der Ball sehr schnell und mit Drehung fliegt, sodass der Gegner nur schwer blocken kann. Im Tischtennis gibt es Angriffs- und Abwehrspieler. „Die Spielart ergibt sich je nach den Fähigkeiten. Abwehrspieler setzen beim Spiel mehr auf Ausdauer und darauf, dass der Gegner irgendwann einen Fehler macht.“ Das hat Nele in ihrer mittlerweile siebenjährigen Laufbahn als Tischtennisspielerin auch schon ausprobiert. „Aber auf Abwehr zu spielen hat mir keinen Spaß gemacht. Das ist nichts für mich.“

Mit ihrer Angriffstaktik hat Nele Erfolg. Ihr Ziel für dieses Jahr ist, in der Landesrangliste unter die besten sechs Spielerinnen Niedersachsens zu kommen. Sich wieder für die Deutsche Meisterschaft zu qualifizieren, davon redet Nele noch nicht. Schließlich ist es ihr erstes Jahr in der höheren Altersklasse. Aber klar ist: Es waren für Nele sicherlich nicht die letzten Deutschen Meisterschaften. „Ich trainiere vier Mal in der Woche, meistens zwei bis drei Stunden“, erzählt Nele. Kein-Bock-Momente gebe es schon mal, gibt sie zu, „aber wenn ich erst mal in der Halle bin, dann will ich auch spielen.“

In Hannover trainiert sie im niedersächsischen Landeskader. Und sonst beim TSV Heiligenrode, mit dem sie in der Oberliga der Damen spielt. Ab und zu ist Nele auch noch bei ihrem alten Verein in Rehburg, wo sie mal mit ihrer Mutter in einer Mannschaft gespielt hat. Oder auch in ihrem Wohnort Holtorf bei Nienburg, wo ihr Vater zum Tischtennis geht. „Da spiel ich dann gegen die Herren“, lächelt Nele. „Wir sind eben eine tischtennisbegeisterte Familie. Durch meine Eltern bin ich ja auch überhaupt erst auf den Sport gekommen. Außerdem spielen noch zwei Tanten von mir, ein Onkel, und meine Schwester hat auch lange Zeit gespielt. Zu Turnieren kommt die ganze Familie dann meistens mit, zum Anfeuern.“

An ihr bisher härtestes Spiel kann Nele sich noch gut erinnern: Das war bei den Landesmeisterschaften gegen Rica Hentschen, eine 14- jährige Abwehrspielerin. „Normalerweise geht ein Spiel über drei Gewinnsätze und dauert meistens so eine Viertelstunde lang“, sagt Nele. Aber Ricas Abwehr schien undurchbrechlich. „Immer wieder hat sie meine Angriffsbälle zurückgebracht. Das Spiel war unglaublich anstrengend, es ging über vier Sätze und hat über eine halbe Stunde gedauert. Aber ich habe gewonnen. Das war ein schöner Erfolg.“

Nele ist davon überzeugt, dass auch ihr Glücksbringer dabei geholfen hat: „Ein Trainer hat für mich mal ein Papierschiffchen gebastelt, was mir beim Turnier dann Glück gebracht hat. Daraufhin hat er mir gleich einen ganzen Vorrat an Schiffchen gebastelt.“ Eins davon steht zwischen all ihren Pokalen in der Vitrine, und es kommt immer noch mit zu jedem Turnier.

Neben den Schiffchen und Trophäen würde Nele sich auch von einer anderen Erinnerung niemals trennen: Von ihrem allerersten Tischtennis- Schläger. „Irgendwie hat der eine besondere Bedeutung“, sagt Nele.

Aber bleibt der Neuntklässlerin neben Schule und Tischtennis überhaupt noch genug Zeit für Freunde und andere Hobbys? „Auf jeden Fall“, meint Nele. „Ich trainiere meist abends. Da ist nachmittags nach der Schule noch genug Zeit zum Ausruhen, Abschalten, Freunde treffen oder um was für die Schule zu tun, wenn’s nötig ist. Und einmal in der Woche spiele ich mit meinen Freundinnen Faustball.“ Die Mädels nehmen sogar an Wettkämpfen teil.

„Vier Mal Tischtennis- Training in der Woche ist also immer noch nicht Sport genug für Dich?“, frage ich ein bisschen ungläubig. Nele schüttelt den Kopf und lacht. Ziemlich sportverrückt, dieses Mädchen.

Anja Nosthoff (25 Jahre) aus Heiligenfelde

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